1. Startseite
  2. Sport
  3. Lokalsport

Brendel kündigt personellen Umbruch an

Erstellt: Aktualisiert:

uaspor_0905_imago1010621_4c
Der Sportliche Leiter des FSV, Thomas Brendel, grübelt über personelle Veränderungen. © Imago Sportfotodienst GmbH

Frankfurt . Die letzten zwölf Minuten von Bornheim stehen für ein weiteres Kapitel Gijon. 1982, bei der Weltmeisterschaft in Spanien, ließen deutsche und österreichische Nationalfußballer das Spiel austrudeln, beiden reichte das 1:0 der DFB-Adler zum Weiterkommen, punktgleiche Algerier mussten die kurze Heimreise antreten. Diesmal fiel ein Tor mehr, und das Unentschieden machte alle beim FSV Frankfurt und bei der SV Elversberg glücklich:

Die einen bleiben der Regionalliga Südwest erhalten, die anderen sind Meister und steigen in die 3. Liga auf.

Der 3:1-Überraschungssieg der SG Großaspach gegen den Titelanwärter SSV Ulm machte diese Konstellation möglich. Großaspach (41:64-Tore) könnte zwar mit einem Sieg in Koblenz bei gleichzeitiger Niederlage des FSV (40:49-Tore) in Offenbach am letzten Spieltag nach Punkten noch mit den Bornheimern gleichziehen, die Tordifferenz spricht aber eine deutliche Sprache für den FSV.

Bizarr die Endphase: Während die Elversberger gepflegt mit der Innenseite sich den Ball zwischen Mittellinie und 16er hin und her schoben, verschanzten sich die Bornheimer weitgehend in ihrer eigenen Spielhälfte, bei schwarz-blauen Scheinattacken wurde höflicherweise stets darauf geachtet, zumindest den Corona-Sicherheitsabstand von 1,50 Metern einzuhalten; und Auswechslungen waren so nicht mehr möglich. Jubelrufe, Gelächter, Beifall und vielleicht zwei, drei Pfiffe vermischten sich, ehe Schiedsrichter Jonas Brombacher, dessen Aktionsradius am Mittelfeldkreis sich arg in Grenzen hielt, exakt nach 90 Minuten das Schauspiel beendete.

Fluchttore wurden geöffnet, Frankfurter wie Elversberger Fans strömten auf den Rasen - an der Mittellinie getrennt von 20 Polizisten in Kampfmontur - und feierten mit den Spielern. Auch FSV-Präsident Michael Görner mischte sich darunter, umarmte sich mit Torwart Daniel Endres kräftig wie innig, ehe er Worte fand. »Ich bin so stolz auf unsere Mannschaft, es war eine total schwierige Saison mit zwei Trainerwechseln. Ein Abstieg in die Hessenliga wäre eine Katastrophe für uns«, sagte er - und verschwand in der Menge.

In dieser tummelte sich auch Lukas Gottwalt, der zu einem wichtigen (Abwehr-)Faktor im Abstiegskampf avancierte. »Es ist ein schöner Tag, ich bin überglücklich. Jetzt gibt es auch keine Kopfschmerzen mehr bis zum letzten Spiel.« Am Samstag (14 Uhr) kann der FSV die Saison am Bieberer Berg beruhigt ausklingen lassen. Ob Gottwalt auch 2022/23 das FSV-Trikot trägt, ist offen. »Frankfurt ist meine Heimat«, betonte der Innenverteidiger. Und der FSV sei sein erster Ansprechpartner.

Auch mit Marcel Heller wird es einen Austausch über eine gemeinsame Zukunft geben. »Ich habe hier wieder Spaß am Fußball gefunden, fühle mich hier wohl, nachdem ich ein halbes Jahr gelitten habe«, sagte der Ex-Bundesliga-Akteur, der bis zur Winterpause vertragslos war und dann ein Schwarz-Blauer wurde.

Glücklich kann sich der Bornheimer Club schätzen, dass Leonhard von Schroetter weiter unter Vertrag steht. Der 23-Jährige entwickelte zu der Konstanten im Team. »Wir können stolz auf uns sein, es aus eigener Kraft geschafft zu haben«, sagte variabel einsetzbare Verteidiger und fügte an: »Ich denke, es wird nun eine schlagkräftige Truppe zusammengestellt.«

Dies wird der Sportliche Leiter Thomas Brendel ab dem heutigen Tag sicherlich forcieren. Zunächst gilt es die Trainerfrage zu lösen. Auch wenn Tim Görner den Klassenerhalt schaffte, es ist fraglich, dass er auch in der kommenden Spielzeit als Chefcoach fungiert. Ginge es nach ihm, auf jeden Fall. Doch Brendel gab sich in der Stunde der Unbeschwertheit - im Tribünenbauch entkorkten etliche Frankfurter und Elversberger Akteure gemeinsam Bierflaschen und tranken gewiss nicht nur den Gerstensaft - verhalten.

»Bei aller Erleichterung über den Klassenerhalt, der so gut wie geschafft ist. Wir können nicht zufrieden sein mit dieser Saison, wir müssen uns intensiv mit dieser Spielzeit auseinandersetzen«, betonte Brendel. Dazu zähle auch die Phase mit Tim Görner als Cheftrainer.

Zugleich kündigte der 45-Jährige einen personellen Umbruch an. »Wir müssen etwas ändern. Dieses Spieljahr war es keine Qualitätsfrage«, deutete Brendel an, dass es bei dem einen oder anderen Spieler charakterliche Defizite gegeben haben. Die Suspendierung von Denis Mangafic, einst überragender Leistungsträger, zum Jahresende 2021 war der negative Höhepunkt. Weitere grenzwertige Fälle hätte es gegeben. Häufig ist so etwas ablesbar an abfallender Leistungskurve. SF

Auch interessant