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Das Gerüst steht

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Von: Ralf Waldschmidt

Die HSG Wetzlar hat in der Bundesliga die beste Halbserie ihrer bewegten Geschichte hingelegt. Eine Geschichte, die Anfang der 80er Jahre mit deutschen Titeln bei der Jugend ihren Anfang nahm.

Viele Grenzgänger der Region zieht es am 27. Dezember, hierzulande als 3. Feiertag bezeichnet, an den »Anker« am Dutenhofener See. Seit über eineinhalb Jahrzehnten. Auch diesmal. Am Montag, als die HSG Wetzlar in der Bundesliga 28:25 bei TuS N-Lübbecke triumphierte und damit ein phänomenales Saison-Halbjahr mit 23:13 Punkten abschloss, weilten generationenübergreifend einige »Väter dieses Erfolges« gesellig am See.

Rainer Dotzauer, der Ur-Vater, auf den 2022 sein 75. Geburtstag wartet, ebenso wie die Brüder Ralf und Uwe Inderthal, die im kommenden Jahr auch schon ihren 55. begehen werden.

Als die Inderthals 1984 mit dem Gründerverein der HSG Wetzlar, dem TSV Dutenhofen, deutscher Meister der B-Jugend wurden, legten sie praktisch den Grundstein für den Handball-Aufstieg, den die Grün-Weißen in den folgenden Jahrzehnten genommen haben. Der Finaltriumph seinerzeit am Pfingstsonntag 1984 bei der SG Unna Massen (übrigens mit dem Autor als Berichterstatter vor Ort), zustande gekommen aufgrund der mehr erzielten Auswärtstore (16:11/16:21), trug die Namen von Ralf und Uwe Inderthal (neunfacher Rückspiel-Torschütze!) sowie Wolfgang Klimpke und Ralf Kraft.

Die beiden letzteren gehörten 14 Jahre später (!) zu dem Team der HSG Dutenhofen/Münchholzhausen, welches nach dem Aufstieg 1998 am 12. September die Erstliga-Premiere eben gegen TuS Nettelstedt bestritt und in eigener Halle 22:26 verlor.

Klimpke-Gen

Die HSG Wetzlar vs. HSG Dutenhofen/Münchholzhausen vs. TSV Dutenhofen hat eine besondere Handball-Geschichte, der es sich immer wieder zu erinnern lohnt - und schreibt in der Halbserie 2021/22 wieder eine Erfolgsgeschichte. Tabellenfünfter mit 23:13 Punkten. Chapeau!

Mit einem Till Klimpke, dessen Vater »Wolle« Klimpke zur mittelhessischen Handball-Legende geworden ist. Einem Keeper, der sich im Januar anschickt, als Nationaltorhüter die deutschen Farben bei der Europameisterschaft in Ungarn und der Slowakei zu vertreten. Mehr Verbindung zwischen Aktualität und Historie geht kaum. Neben »Wolle« haben auch die Reichmanns, Klesniks u. v. a. m. nach starken Halbserien gerne im Strasser-Zelt am See Station gemacht.

Der nächste Schritt

Nach einem Jahrzehnt Kai Wandschneider steht Nachfolger Benjamin Matschke stellvertretend für den nächsten Schritt, den die HSG Wetzlar im Oberhaus in ihrer sportlichen Entwicklung machen will und bereits macht. Aufsichtsrat Martin Bender äußerte sich zuletzt zufrieden darüber, dass der Klub mittlerweile »wie ein Unternehmen geführt« wird und so - trotz Pandemie - die entsprechenden Rahmenbedingungen für professionellen Spitzensport schafft.

Die personellen Umbrüche der Vergangenheit sind deutlich abgemildert, das Gerüst mit einem Olle Forsell Schefvert, Stefan Cavor, Lenny Rubin und Maximilian Holst steht schon länger. Abgänge werden sich zwar weiter nicht vermeiden lassen, bringen bei langfristig abgeschlossenen Verträgen einerseits künftig mehr Ausstiegserlöse, andererseits ist die Scouting-Arbeit bei Neuverpflichtungen wie Magnus Fredriksen oder Domen Novak, künftig Hendrik Wagner oder Jonas Schelker weiterhin herausragend. Aktuell sind bereits zehn Bundesliga-Akteure über den Sommer 2022 hinaus an die Grün-Weißen vertraglich gebunden.

Gute Perspektive

Die HSG Wetzlar geht als Rangfünfter ins neue Bundesliga-Jahr. Das ist eine Sensation. Trotz der guten Perspektive dürfte es aber schwer werden, über weitere 16 Spieltage finanziell und personell besser ausgestattete Klubs wie Frisch Auf Göppingen, MT Melsungen, SC DHfK Leizpig und vor allem die Rhein-Neckar Löwen hinter sich zu lassen.

Fest steht aber, dass die Mittelhessen ihre 25. (Jubiläums-)Saison im Oberhaus 2022/23 bestreiten werden, zu der die Anker-Grenzgänger vom vergangenen Montag vor Jahrzehnten den Grundstein gelegt haben.

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