Das magische Fleckchen des FSV Wolf

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WOLF - "An der Dudenroder Landstraß', da liegt ein Sportplatz so wunderschön..." - dieses Lied stimmten die Fußballer des FSV Wolf jahrzehntelang nach einem erfolgreichen Heimspiel an. Die blau-weißen Kicker waren stolz auf ihr in einer Mulde gelegenes Sportgelände mitten im Wald zwischen Dudenrod und Wolf. Die Naturtribüne vermittelte eine Art Stadionatmosphäre.

Für die nötige Stimmung sorgten die emotionalen Zuschauer, die ihren festen Platz auf dem Sportheimbalkon an der linken Spielfeldecke hatten - und gekonnt manchen Schiedsrichter oder gegnerischen Spieler verbal einschüchterten.

Diese Zeit, in der jeden zweiten Sonntag der Wald den "Wölfen" gehörte, ist lange vorbei. Männerfußball gibt's nicht mehr, lediglich zwei Nachwuchsteams der Seemenbach Tigers nutzen den Platz noch. "Zudem probten im Sommer die Vocaladies und Sound of Büdingen bei uns", berichtet Holger Naumann, Vorsitzender des FSV Wolf, und ergänzt: "Auch wenn wir keine Seniorenmannschaft mehr haben - tot ist der Verein auf keinen Fall."

Umzug nach dem Krieg

Ihre ersten Spiele absolvierten die Wölfer Kicker auf den "Langen Wiesen" unterhalb des Dorfes beim Erbacher Hof. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg stellte die Gemeinde dem FSV die ehemalige Gänsweid im Wald zur Verfügung. Fleißige Helfer begannen 1946 mit der Arbeit, die sich wegen des strengen Winters lange hinzog. Am 6. Juli 1947 feierte der Verein die Einweihung des Waldsportplatzes mit einem Sportfest.

Wenn der Strom ausfällt

1966 stand für den FSV die "Neuanlage" des Sportplatzes und der Bau eines Sportheims mit Umkleideräumen sowie Duschen an. Kurz wurde über ein komplett neues Gelände in Dorfnähe diskutiert. Das wäre allerdings zu teuer gewesen. Also mussten die Vereinsmitglieder erneut im Wald Hand anlegen. "Da waren pro Wochenende kontinuierlich 20 bis 30 Leute aktiv", berichtet Erwin Klahr, der damals als 18-Jähriger tatkräftig mitwirkte. "Unter der Leitung von Gerhard Niewientz erledigten wir fast alles in Eigenregie. Der Hang zwischen Sportplatz und Straße wurde mit schweren Maschinen und viel Manneskraft terrassiert. Zudem legten wir eine Wasserleitung durch den halben Wald." Ein Geländer, Bänke für die Zuschauer und ein neues Sportheim machten das Glück der FSV-Fußballer perfekt.

1972 stand die nächste Mammutaufgabe an. Das Sportheim benötigte Strom. Mit Gaslampen und einem Generator, der zwei Flutlichtmasten strahlen ließ, konnte es nicht weitergehen. "Mit Drainagespaten und Schippen legten wir vom Wasserhäuschen im Wald bis zum Sportheim eine circa 700 Meter lange Stromleitung", erinnert sich Klahr, der viele Bilder von früher hat.

Ein echter Fortschritt, auch wenn es in der Folgezeit immer wieder Stromprobleme gab. Unvergessen: Wenn in der Sportheimküche zu viele Geräte am Netz hingen, konnte das bei Abendspielen zum Flutlichtausfall führen. "Die Leitung war und ist einfach zu schwach. Wir hätten einen fünfstelligen Betrag investieren müssen, um das zu beheben. Diese Summe war für unseren Verein aber nicht zu tragen", erklärt Naumann. Deshalb kam es zu einigen Spielunterbrechungen und sogar Spielabbrüchen, die für besondere Sportplatzmomente sorgten.

Zudem hatte der schön gelegene Platz im Wald nicht nur auf Zuschauer eine magische Anziehungskraft. Wildschweine ließen sich ebenfalls gerne blicken und wühlten das Gelände um. Irgendwann wurde extra ein Zaun errichtet, der die ungebetenen Gäste fernhält.

57 Tore von Eckhardt

Sportlich sorgte der FSV ebenfalls für einige unvergessene Momente. 1968 stieg Wolf mit Torhüter Klahr sowie 57-Tore-Mann Günter Eckhardt in die A-Liga auf und hielt sich dort 15 Jahre. Im Anschluss folgte der freie Fall in die Kreisliga C. Unter Spielertrainer Roland Eckert feierte Wolf 1987 den Aufstieg in die B-Klasse. Und mit dem neuen Partner KSV Aulendiebach ging es mit der 1992 gegründeten Spielgemeinschaft von der Kreisliga B hoch in die Kreisoberliga Büdingen.

In den 70er Jahren fanden sich unter der Anleitung von Heinz-Rudi Röder und Horst Trieber sogar mehrere Frauen, zumeist Spielerfrauen, zu einer Damenmannschaft zusammen. Wegen besonderer gesundheitlicher "Umstände" löste sich die Mannschaft aber bald wieder auf.

2016 kam das Aus für die Männer - die Abmeldung vom Spielbetrieb. Der KSV Aulendiebach musste alleine weitermachen. "Spieler waren genügend da. Es scheiterte an den fehlenden Helfern für den Spielbetrieb und die Sportheimbesetzung", erinnert sich Naumann. Diese Entscheidung sei allen Beteiligten damals sehr schwergefallen. "Wir hatten heiße Diskussionen", verrät Naumann. Dennoch sei es mit Abstand betrachtet der richtige Schritt gewesen. Der 44-jährige Sparkassenbetriebswirt weiß: "Es finden sich nicht mehr so viele Leute, die permanent für ihren Verein da sind. Projektbezogen findest du dagegen genügend Helfer." Das habe sich unter anderem im vergangenen Jahr bei der Dachsanierung am Sportheim gezeigt.

Der aktuelle Vorstand sei eher auf die Jugendarbeit fixiert. 30 Kinder haben in ihrem Pass den FSV Wolf als Stammverein stehen. "Zudem richten wir für die Ortsgemeinschaft unser Krautnickelfest und die traditionelle Faschingsfeier aus. In der Zeit vor Corona organisierten wir auch schon zwei Spiele ohne Grenzen auf dem Sportplatz", sagt Naumann, der stolz berichtet, "dass sich an unserer jüngsten Spendenaktion 64 Personen beteiligt haben".

Natürlich würde sich Naumann wünschen, "dass irgendwann mal wieder Seniorenfußball in Wolf gespielt wird und wir unseren Nachwuchs ans eigene Männerteam heranführen können". Dafür sei er aber zu sehr Realist. So bleibt es (vorerst) bei zwei D-juniorenteams, die an der Dudenroder Landstraß' kicken.

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