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Die Covid19-Pandemie hat auf die Struktur des Fußballkreises Hochtaunus weniger negativen Einfluss ausgeübt als vermutet. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung.

Fußball in Zeiten von Corona

Der Fußballkreis Hochtaunus trotzt der Covid-19-Pandemie

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Eine Untersuchung bringt es ans Licht: Die Covid19-Pandemie hat auf den Fußballkreis Hochtaunus weniger negativen Einfluss ausgeübt, als gedacht. Es gibt sogar eine echte Überraschung.

Hochtaunuskreis (jf). Unter dem Thema »Mitgliederentwicklung« präsentierte Jonas Stehling vom Hessischen Fußballverband am Mittwochabend im Rahmen der monatlichen Video-Konferenz des Kreisfußballausschusses (KFA) Hochtaunus am Mittwochabend hochinteressantes Zahlenmaterial.

Die Daten und Fakten ergaben, dass der hiesige Fußballkreis seit Beginn der Corona-Pandemie im März 2020 vom Mitgliederschwund deutlich weniger betroffen ist als andere Regionen in Hessen.

Referent Jonas Stehling ist zum einen Master-Student im Bereich Sportmanagement in Tübingen, aktiver Schiedsrichter in der Gruppenliga (vor kurzem auch in Friedrichsdorf aktiv) sowie nicht zuletzt Koordinator für den Bereich »Masterplan Amateurfußball« beim Hessischen Fußballverband in Frankfurt.

Im Rahmen der Zusammenkunft im virtuellen Raum hat Stehling die Ergebnisse seiner empirischen Daten-Erhebungen in den sechs Spielzeiten seit 2015/16 als Power-Point-Präsentation öffentlich gemacht.

Wichtigste Erkenntnis: Der Nachwuchsbereich hat im Hochtaunus sehr zur Freude von Kreisjugendwart Dieter Rothenbücher offensichtlich sogar noch von »Corona« profitiert.

Mehr Teams

Vor allem im Bereich der E-, F- und G-Jugend (Altersklassen U 11, U 9 und U 7) ist im Sechs-Jahresvergleich die Zahl der Erstregistrierungen unerwartet deutlich angestiegen. Als Beleg dazu die Zahl der Passanträge bei der G1-Jugend des älteren Bambini-Jahrgangs (in dieser Saison 2015): von 126 (2015/16) über 134 (2019/20) bis aktuell 195 (2021/22).

Auch bei der Zahl der gemeldeten Mannschaften in den fünf Altersklassen A-Jugend (U 19) bis E-Jugend (U 11) liegt der Hochtaunus ganz deutlich über dem Durchschnitt der übrigen 31 Fußballkreise in Hessen. Bei der B-Jugend (U 17) kicken in unserer Region in dieser Runde fast 30 (!) Prozent mehr Teams als in der Saison 2015/16.

Klare Analyse

Nach Analyse der zugrundeliegenden Daten von mehr als 300000 Spielberichten im »fussball.de« hat Stehling die Erkenntnis gewonnen, dass die Herren-Mannschaften in der laufenden Saison mit größeren Kadern arbeiten müssen, um den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten. Spieler, die in zehn oder mehr Begegnungen zum Einsatz gekommen sind, gibt es deutlich weniger als vor der Saison 2019/20. Stehling: »Das hat sicherlich auch mit der Corona-Pandemie zu tun und lässt befürchten, dass wir bis zum Ende dieser Runde noch einige Rückzüge von Mannschaften erleben werden.«

Erfreulich: Die Zahl der Schiedsrichter im Hochtaunus hat sich trotz Corona wenig verändert. Aktuell gehören 125 Unparteiische der Vereinigung an, die 2021 auf ihr 100-jähriges Bestehen zurückblicken kann. Einen Zuwachs erhofft sich Kreisschiedsrichterobmann Erdal Akemlek durch den nächsten Neulingslehrgang, der vom 19. Februar bis 10. März 2022 angeboten wird. Ab sofort können sich interessierte Personen ab 14 Jahren über die Internet-Seite www.dfb.org und den Menüpunkt »Veranstaltungen« anmelden.

Weitere interessante Informationen für die Vereinsvertreter hatte HFV-Referent Stehling am Mittwochabend bezüglich des Förderprogramms »Zurück auf den Platz« (das vom Verband mit 60000 Euro unterstützt wird) und des »Masterplans 2024« (mit Bonus-System für die Fußballkreise) parat.

Thorsten Picha, Koordinator für Qualifizierung im KFA Hochtaunus, bereitet derzeit zwei Projekte vor. Zum einen ein »Long-covid-Training« zur Behandlung von Langzeitfolgen nach überstandener Corona-Erkrankung und zweitens »Schiedsrichter-Assistent mit Handicap«, um Menschen mit Einschränkungen für den Fußballsport zu gewinnen.

Externe Kritik

»Es gibt viele Fußballkreise in Hessen, die sich von Euch eine Scheibe abschneiden können«, war Jonas Stehling am Ende der Video-Konferenz voll des Lobes über das Engagement der ehrenamtlichen Verbandsmitarbeiter mit Kreisfußballwart Andreas Bernhardt an der Spitze.

Dass das offenbar nicht alle Funktionäre so sehen, erkennt man an einer Einschätzung von Darmstadts Kreisfußballwart Michael Sobota. Die im Hochtaunus von 77 Personen einstimmig beschlossene vorzeitige Winterpause kommentierte er in einer regionalen Zeitung mit den Worten: »Was da beschlossen wurde, ist hirnrissig und ein beispielloser Alleingang, der zudem unsolidarisch ist.«

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