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Der Reiz des Unbekannten

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Sportkletterin Luisa Kneppel aus Usingen in ihrem Element. © Red

Als Späteinsteigerin hat es Luisa Kneppel an den Kletterwänden der Republik schon weit gebracht. Die 17-jährige Usingerin gibt Einblicke in ihre waghalsige Leidenschaft.

Usingen. Einfach mal drauflos zu klettern, das geht bei Luisa Kneppel nicht mehr. So hat die Jugend-Hessenmeisterin damals losgelegt - und kam sogleich an den höchsten Stellen an. »Meine Eltern mussten mich immer vom Klettergerüst runterholen«, lächelt die junge Usingerin.

Inzwischen klettert Luisa Kneppel mit anderen um die Wette - nicht gleichzeitig, sondern nacheinander. Sie hält sich dabei an keinen Seilen, sondern an einem Sloper, Henkel oder Pinch fest, wie die Sportkletterer zu den Griffen sagen, die an den Wänden in den Kletterhallen montiert sind. Am heutigen Samstag versucht die 17-jährige Schülerin der Christian-Wirth-Schule beim ersten Durchgang des Deutschen Jugend-Cups in Braunschweig wieder Kurse mit hohen Schwierigkeitsgraden zu bewältigen.

Es würde nicht überraschen, wenn sich die Dame aus dem Usinger Land wieder unter den besten Klettertalenten einreihe. Ein siebter Platz beim Finale des Deutschland-Cups in Hamburg im vergangenen Jahr nennt Luisa Kneppel als ihren bis dato größten Erfolg. Den würde sie in diesem Jahr, ihrem letzten in der Jugendklasse, gerne bestätigen.

Auch der Gewinn der Jugend-Hessenmeisterschaft, errungen im Februar in Kelkheim, quasi zum Saisoneinstieg, kann nicht hoch genug bewertet werden. Denn die 17-Jährige hat erst vor knapp fünf Jahren mit dem Ausüben der Sportart begonnen. Beim Urlaub im Allgäu, der Heimat ihrer Eltern, habe es sie bei der Teilnahme eines Kletterkurses »voll gecatcht«, wie sie erzählt. Es folgte in den nächsten Ferien ein Ausflug ins Kletterzentrum der Sektion Frankfurt des Deutschen Alpenvereins (DAV) in Preungesheim. Fortan packte sie als Mitglied der Wettkampfgruppe von Trainerin Anna Gießel der Ehrgeiz. Sie trainiert nicht nur in den Kletterhallen der Umgebung, sondern auch im Kraftraum, oft ist sie in einer Fahrgemeinschaft mit Jonas Heil (15) unterwegs, einem weiteren Klettertalent aus Neu-Anspach.

Wer sich die olympische Premiere dieser Sportart im vergangenen Sommer angeschaut hat, der weiß, dass international ein Dreikampf verlangt wird aus Speed, Bouldern und Lead. Wobei das den Sportkletterern ein Können abverlangt, das durchaus mit Mehrkämpfern in der Leichtathletik zu vergleichen ist. Denn Speed, wo es einfach nur schnellstmöglich in wenigen Sekunden eine Wand hinaufgeht, hat mit dem Bouldern auf Absprunghöhe, in dem komplexe Bewegungen und der maximale Einsatz von Kraftausdauer für wenige Griffe gefordert werden, etwa so viel miteinander zu tun wie der 100-Meter-Lauf mit dem Diskuswurf.

Aber sei’s drum, auch beim Deutschen Jugend-Cup, einer Serie von sechs Turnieren, wird den Teilnehmern all dies abverlangt. Im Braunschweiger Greifhaus bouldert Luisa Kneppel wie schon neulich bei den Jugend-Hessenmeisterschaften in der Kletterbar Offenbach. Ihre Stärke hat die Schülerin aus dem Taunus aber im Lead, dem Schwierigkeitsklettern, der traditionellsten Disziplin. Dabei werden angeseilt Routen von etwa 15 bis 20 Metern Höhe in einer vorgegebenen Zeit möglichst bis zum letzten Griff absolviert. Wenn es sich um einen Onsight-Wettkampf handelt, müssen sich die Teilnehmer die Route nach einmaliger Ansicht einprägen und dürfen dann der Konkurrenz vor dem eigenen Einsatz nicht zusehen.

»Du hast nur einen Versuch, und da muss alles sitzen«, schildert Luisa Kneppel ihre Begeisterung für das Lead-Klettern. Warum sie diesen Sport so liebt? Es gehe um den Reiz des Unbekannten, »etwas zu machen, bei dem du dir nicht zu 100 Prozent sicher sein kannst, ob du es auch schaffst«, erzählt die Usingerin. Klettern halte immer etwas anderes bereit, sei nie gleich. »Du musst die Bewegungen draufhaben und auch mental stark sein.«

Am 4. und 5. September macht der Deutsche Jugend-Cup auch Station in Preungesheim. Sehr zur Freude von Luisa Kneppel. Beim Heimspiel widmet sich der deutsche Kletternachwuchs nämlich ihrer Lieblingsdisziplin Lead.

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