Ein Blauwal, ein Eisbär und Brad Pitt

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DÜDELSHEIM/USENBORN - Sascha Finkernagel hat während seiner Fußballer-Laufbahn schon einiges erlebt. "Deshalb hätte ich locker viermal eine Traumelf mit ehemaligen Teamkollegen zusammenstellen können", sagt der 39-Jährige, der aktuell als Spielertrainer in Diensten des Büdinger A-Ligisten SG Usenborn/Bergheim steht.

Seine schönsten Momente erlebte Finkernagel im Trikot seines Heimatclubs. Mit den Sportfreunden Oberau stieg er 2001 in die damalige Bezirksoberliga Frankfurt Ost auf und holte 2002 den Kreispokal. "Das waren zwei ganz tolle Erlebnisse, weil wir damals mit dem ersten Pokalsieg und dem Aufstieg ein Stück Vereinsgeschichte schrieben", sagt der selbstständige Fliesenverleger aus Düdelsheim.

Den größten Erfolg feierte er mit dem SV Somborn, "als wir über die Relegationsrunde in die Verbandsliga Süd aufstiegen". In dieser Zeit wurde Finkernagel sportlich richtig gefordert. "Zu mehr hätte es wahrscheinlich nicht gereicht, weil ich technisch nicht so stark war wie beispielsweise ein Ljubio Miloloza oder ein Cosimo De Cicco". Körperlich machte dem antrittsschnellen "Sechser", der laut seinem damaligen Trainer Reinhold Jessl eine Art "Bullterrier vor der Abwehr" war, allerdings niemand etwas vor.

Finkernagel ist auch mit 39 Jahren noch topfit und steht bei der SG Usenborn/Bergheim als Innenverteidiger auf dem Platz. "Wenn es der Körper mitmacht, würde ich gerne noch zwei, drei Jahre spielen. Aktuell macht es mit dieser Truppe viel Spaß", sagt der dreifache Familienvater, der auch schon den TV Kefenrod, die SG Hettersroth/Burgbracht und den FC Alemannia Niedermittlau trainierte.

Ob Finkernagel später einmal als "reiner" Trainer an der Außenlinie stehen wird, kann er aktuell noch nicht sagen. "Vielleicht würde ich diese Herausforderung nach einer kleinen Fußball-Pause annehmen." Vielleicht sogar bei seinem Heimatverein Sportfreunde Oberau.

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So charakterisiert Sascha Finkernagel die nominierten Spieler seiner Traumelf (in Klammern die gemeinsamen Vereine):

Tor

Markus Paczarkowski (TV Kefenrod): Kaum größer als eine Setzkartoffel, er wusste aber stets mit seinen Glanzparaden zu gefallen. Das himmelblaue Trikot brachte ihm den Spitznamen "Blauwal" ein.

Abwehr

Patrick Goldmann (TV Kefenrod): Paddy brachte es fertig, auf einem Kunstrasenplatz ein Stück Rasen aus dem Boden zu treten. Er arbeitet Fußball und ist ein absoluter Teamplayer.

Fandine-Armel Nana (SV Somborn): Unser Afrikaner im Team, der trotz Uhr als Geschenk stets zu spät kam. Überragender Kopfballspieler, der immer im "ersten Stock" zu finden war.

Tino Schmitt (Sportfreunde Oberau): Ein starker Fußballer und ein Typ, der mit seinen 47 Jahren 20 Jahre jünger aussieht. Liegt wohl an dem nicht vorhandenen Bartwuchs. Sein Spitzname damals in Oberau: "Sissi".

Dennis Reinicke (Sportfreunde Oberau): Aufgrund seines gut geformten Körperbaus ein echter D-Zug auf der Außenbahn, der auch schon mal einen Gegenspieler an sich abprallen ließ.

Mittelfeld

Cosimo De Cicco (SV Somborn): Vom Aussehen her der Brad Pitt im Fußballkreis Gelnhausen. Cosimo wusste durch seine begnadete Technik zu gefallen, wie einst Pirlo in Italien.

Eike Schneider (TV Kefenrod): Im Hochsommer stets Sonnenbrandgefahr. Aufgrund seines hellen Hauttyps bekam er den Spitznamen "Lars, der kleine Eisbär". Super Typ, sehr guter Fußballer.

Patrick Finkernagel (TV Kefenrod): Bei meinem Zwillingsbruder hat man schon am Sonntagmorgen den Adrenalinkick, ob er 90 Minuten durchhält oder ob er die Ampelkarte kassiert. Einer der ganz wenigen Spieler, gegen den ich in einem Sprintduell als Verlierer vom Platz ging.

Vincenzo Carrozza (SV Somborn): Spitzname "Ravanelli". In jungen Jahren schon mit vielen grauen Haaren, begnadeter Fußballer, absoluter Edeltechniker. Defensivarbeit ist allerdings ein Fremdwort für ihn.

Hauke Schneider (TV Kefenrod): Fußballprofessor, der stundenlang über Fußball sprechen kann. Man braucht manchmal zwei Minuten, um eine WhatsApp von ihm zu lesen. Hauke ist ein überragender Zehner und ein toller Mensch.

Sturm

Ljubio Miloloza (SV Somborn): Einfach gesagt: Der beste Spieler, mit dem ich je zusammengespielt habe.

Joker

Jürgen Koch (Sportfreunde Oberau): Aufgrund seiner Ausdauer der geborene Marathon-Läufer. Jürgen stand aber im Tor und suchte im Spiel lieber nach seiner Mütze als nach dem Ball.

Andreas Redmann (TV Kefenrod): Trug den Spitznamen "die Schwalbe", da er im Strafraum oftmals mit der Nase den Rasen einatmete. Perfekter DJ in der Kabine.

Andreas Urban (Sportfreunde Oberau): Ein Stürmer nach meinem Geschmack, der dich im Training gerne mal über die Klinge springen lässt. Andreas war ein starker Strafraumspieler.

Trainer

Reinhold Jessl (SV Somborn): Absolut professionell und ein guter Motivator. Er hat etwas Magisches - wie einst der Kaiser.

Zur Serie

In unserer Lokalsportserie "Meine Traumelf" stellen Fußballer eine Mannschaft aus Spielern zusammen, auf die sie in der Regel während ihrer aktiven Zeit getroffen sind. Dabei muss es sich nicht nur um Mitspieler handeln - es können auch Gegner sein, die in Erinnerung geblieben sind. Heute: Teil 22 mit Sascha Finkernagel.

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