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Ein Objekt der Begierde

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Von: Ralf Waldschmidt

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Immer mehr auch im Visier der Topclubs: Nationaltorhüter Till Klimpke von der HSG Wetzlar ist in den letzten Tagen mit Rekordmeister THW Kiel in Verbindung gebracht worden. © Imago Sportfotodienst GmbH

Wetzlar (ra). Beim Heim-26:29 (15:12) am Sonntag gegen den durchsetzungsstarken Bundesliga-Spitzenreiter SC Magdeburg stand Wetzlars Handball-Nationaltorhüter Till Klimpke nicht nur wegen seiner sechs, sieben spektakulären Paraden im Mittelpunkt des Interesses.

Bei den jugendlichen Autogrammjägern, die sich für eine Unterschrift ihres Local Hero noch lange nach Spielschluss geduldig anstellten, ist das schon lange so. Beim deutschen Meister in spe war dies ebenso der Fall, gerade freistehend verzweifelten die Philipp Weber und Co. mehrfach am 24-Jährigen.

Vor allem aber bei den Medien, die die Frage nach seiner sportlichen Zukunft einfach stellen mussten, nachdem die »Kieler Nachrichten« in der vergangenen Woche den mittelhessischen Torhüter als einen der Kandidaten für die Nachfolge von Welttorhüter Niklas Landin ausgemacht hatten, der Rekordmeister THW Kiel im Sommer 2023 vorzeitig verlassen wird.

»Ab 2023 ist mir nichts bekannt, denn mein Vertrag läuft bis 2025«, erwiderte Klimpke bei Sky auf die Frage, ob der THW bereits Kontakt mit ihm aufgenommen habe, »ich habe nichts mitbekommen. Mal sehen, wie es weitergeht.« Über die Osterfeiertage ist wegen der WM-Qualifikation gegen die Färöer das Thema ohnehin nach hinten gedrängt. Obwohl, die Mittwoch-Partie (18.15 Uhr) steigt ausgerechnet in Kieler Heimspielstätte. »Irgendwann muss ich den nächsten Schritt machen, am besten nach der Heim-EM. Der THW ist dann eine Mannschaft, zu der man immer gerne will«, ergänzte Klimpke, der zudem - allein schon wegen der verwandschaftlichen Kontakte - auch das Interesse des Hessenrivalen MT Melsungen geweckt haben soll.

»Es gibt keine Anfrage. Zu diesem Zeitpunkt gibt es keine Ausstiegsklausel«, verweist Wetzlars Geschäftsführer Björn Seipp auf die bestehenden Vertragsverhältnisse, »Till ist sehr ambitioniert, aber wir müssen ihm Zeit geben. Bis 2025 ist er in Wetzlar gut aufgehoben.«

Seipp kennt aber auch die Gesetzmäßigkeiten des Profisportes. Bei einem entsprechenden Angebot würde der Club erstens seinem Local Hero bestimmt keine Steine in den Weg legen, zweitens dürfte auch der Chefetage der Grün-Weißen bei aller lokalen Verbundenheit klar sein, dass der Jung-Nationaltorhüter seine Position im DHB-Team gegen die durchaus vorhandene nationale Torhüter-Konkurrenz nur stärken kann, wenn er künftig bei einem Club anheuert, der auch auf Vereinsebene dauerhaft in der Championa League, zumindest aber auf internationaler Ebene mitspielt.

Die Verbindung HSG Wetzlar/THW Kiel hat ohnehin eine besondere Torhüter-Historie. 2001 wechselte Axel Geerken für sechs Spielzeiten von der Ostseeküste nach Mittelhessen, Andreas Wolff zog es 2016 als Europameister von der Lahn an die Kieler Förde. Für Klimpke als deutschem Nationaltorhüter wäre ein Wechsel zum Rekordmeister (»Auf jeden Fall traue ich mir das zu«) eine logische Konsequenz. Zumal der 24-Jährige nicht erst seit der Bekanntgabe des Landin-Abschieds zum Objekt der Begierde geworden ist.

Der Ur-Dutenhofener liegt in den meisten Torhüter-Statistiken der Bundesliga im Vorderfeld und auch Bundestrainer Alfred Gislasson hält perspektivisch große Stücke auf den reaktionsschnellen Keeper der Grün-Weißen.

Till Klimpke selbst weiß nur zu genau, dass der nächste Karriereschritt in diese Richtung gehen muss.

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