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»Große Schwester«

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Jugendleiterin Ute Hrubesch (Usinger TSG). © Gerhard Strohmann

Heute im UA-Blickpunkt: Ute Hrubesch, die mit großem Engagement bei der Usinger TSG in ihrer Doppelfunktion als Fußball-Trainerin und Jugendleiterin regelrecht aufgeht.

Usingen. Als Ute Hrubesch vor mittlerweile neun Jahren ihre Schussstiefel an den Nagel gehängt hat, war sie mit dem Thema Fußball bei Weitem noch nicht durch. Im Gegenteil. Die damals 40-Jährige wechselte einfach nur die Seiten und schlug ein neues Kapitel auf - aus der Spielerin wurde die Trainerin und die Jugendleiterin der Usinger TSG.

»Wenn Kinder Fußball spielen, dann finde ich das einfach nur klasse«, geht die heute 49-Jährige in ihrer zweiten sportlichen Karriere regelrecht auf. »Kinder brauchen heutzutage - und in dieser von der Pandemie geprägten Zeit erst recht - Möglichkeiten, um sich zu bewegen, zu spielen und sich auszutoben. Wenn ich meinen Teil dazu beitragen kann, umso besser.« Und dass sie ehrenamtlich gerne anpackt, steht außer Frage. »Zumal mir mein Minijob als Privatsekretärin dazu auch die nötige Zeit lässt - also, warum nicht?«, fragt sie lachend.

Ute Hrubesch ist neben ihrer Position als Jugendleiterin auch noch als Trainerin im Einsatz. »Bei den Allerkleinsten, den G-Jugendlichen«, sagt die in Herdorf (Landkreis Altenkirchen, Westerwald) im Fußball-Verband Mittelrhein groß gewordene Usingerin. Die nötige Geduld bringt sie liebend gerne auf, den Jüngsten, »die dir auch schon mal ein Ohr abquasseln können«, im Training Spaß mit dem Ball zu vermitteln. Und wenn die Kleinsten ihr mal im Training das Neueste aus dem Kindergarten erzählen wollen, beim Schuhebinden ab und an schon mal verzweifeln oder ein paar Tränchen vergießen, wenn der Ball auf die Nase geprallt war: Aus der Trainerin und Jugendleiterin wird dann schnell eine »große Schwester«, die mit Rat und Tat hilfreich zur Seite steht.

So ganz auf sich alleine gestellt ist Ute Hrubesch als Jugendleiterin der UTSG nicht. »Es haben sich nämlich einige Herren gefunden, die mir helfen und zusammen mit mir ein tolles Team bilden«, lacht sie und verweist dabei auf Rainer Birkenfeld, Steffen Bieker, Christian Freese und Ingo Saathoff. Ob sie sich denn als Chefin ihrer durchweg männlichen Mitstreiter fühlt? »Nö, wir sind alle gleichberechtigt«, lacht die sympathische Endvierzigerin, »irgendjemand muss halt auf dem Papier als Jugendleiter stehen. Und das bin ich.«

Wie lange sie den Posten innehaben möchte, diese Frage stellt sich ihr gar nicht: »Wenn alle mit mir zufrieden sind, ist man quasi für immer Jugendleiterin. Darüber mache ich mir aber überhaupt keine Gedanken. Weil’s mir zu 100 Prozent Spaß macht.«

Das Fußball-Gen hatte sie von ihren Eltern schon in die Wiege gelegt bekommen. Albert, ihr fußballfreudiger Papa, habe zu seinem 60. Lebensjahr noch ein Paar neue Fußballschuhe geschenkt bekommen. Ein Beleg dafür, dass König Fußball im Hause Hrubesch schon immer präsent war. »Jeden Sonntag durfte ich mit auf den Sportplatz«, erinnert sich Hrubesch, »und mit acht Jahren war ich mit den Jungs aus der Nachbarschaft immer beim Bolzen.« Bis zur D-Jugend spielte sie bei der DJK Herdorf gemeinsam mit Jungs. Da es anschließend aber keine reine Mädchenmannschaft bei der DJK mehr gab, stand die junge Ute vor der Frage: Aufhören oder zum Lokalrivalen Sportfreunde Herdorf wechseln? »Eigentlich hatte ich mir damals geschworen, niemals und unter gar keinen Umständen das grüne Trikot der Sportfreunde anzuziehen. Ich gehörte doch zur DJK, zu den Blauen.«

Schließlich bekam Ute Hrubesch aber eine Sondergenehmigung ausgestellt, durch die es ihr möglich war, schon als zwölfjähriges Mädchen in der Damenmannschaft der Sportfreunde spielen zu dürfen. Dass damit aus »Blau« schließlich doch »Grün« geworden war, hatte sie recht schnell verarbeitet: »Ich schüttelte mich quasi ein Mal - dann war ich ab sofort eben bei den Sportfreunden.« Nur einige Jahre später sollten DJK und Sportfreunde ohnehin gemeinsame Sache machen und eine Spielgemeinschaft bilden.

Ob im Mittelfeld oder als klassische Libera: Ute Hrubesch schlug sich in Herdorf recht erfolgreich durch - ehe sie mit 23 Jahren umzog »und zu ihrem Mann Andreas in den Main-Taunus-Kreis nach Schwalbach zog«, berichtet sie. Der hat auch heute noch mit Fußball nichts am Hut, spielt statt Rasenschach dafür »echtes« Schach, beim SC Steinbach.

Liebe zum Fußball

Ein erneuter Umzug nach Usingen folgte. Haus und Nachwuchs stellten sich ein. 1998, nach der Geburt von Tochter Katrin, schlüpfte Ute Hrubesch ins Trikot der SG Mönstadt - ehe 2009 die Damenabteilung der SGM komplett zur Usinger TSG überwechselte. »Dort spielte ich bis 2013. Mit 41 Jahren hörte ich auf, weil ich meinen eigenen Ansprüchen als Mittelfeldspielerin nicht mehr gerecht werden konnte«, sagt sie.

Parallel zu ihrem aktiven Part hatte sie bereits Ende 2012 die Jugendleitung bei der UTSG übernommen. »Es gab damals nicht viele Bewerber«, merkt sie mit dem Schalk im Nacken an, »nämlich gar keinen. Aber ich mache das auch heute noch wie am ersten Tag supergern.«

Dass sie bei Jugendleiter-Sitzungen auf nur wenige Frauen, dafür umso mehr männliche Amtskollegen trifft, sieht sie völlig locker und verbindet sie auch nicht mit einem Behaupten in der maskulin dominierten Fußballwelt: »Ich muss mich da nicht großartig durchsetzen. Wenn es was zu bereden gibt, dann redet man miteinander - geschlechterunabhängig. Uns alle eint doch die Liebe zum Fußball.«

WOLFGANG BARDONG

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