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»Gründlichkeit geht vor«

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Hessens Verbandsfußballwart Thorsten Bastian. © Frank Schneider

Region. Seit gut fünf Monaten ist der 57-jährige Thorsten Bastian als Verbandsfußballwart für den Spielbetrieb im Hessischen Amateurfußball tätig. Der Nachfolger von Jürgen Radeck (Ortenberg) hat ein arbeitsintensives Ehrenamt in zweifelsfrei nicht einfachen Zeiten übernommen. Nach zwei coronabedingten Saisonabbrüchen und diversen verbandsinternen Unruhen sehnt sich die Führungsspitze des Hessischen Fußball-Verbands nach Normalität.

Im Interview mit dieser Zeitung spricht der in Frankfurt aufgewachsene und jetzt mit seiner Familie in Rockenberg lebende frühere Spitzenschiedsrichter und langjährige Fußballfunktionär über die aktuell brennenden Themen seines geliebten Hobbys.

Herr Bastian, man hat das Gefühl, als ginge es im Hessischen Fußball-Verband zuletzt überwiegend um außersportliche Themen. Höhepunkt waren die Debatten um die Positionierung des Verbands vor der anstehenden Wahl des DFB-Präsidenten. Der HFV spricht sich für Kandidat Bernd Neuendorf aus, mit den beiden Präsidiumsmitgliedern Dr. Silke Sinning und Ralf Viktora stehen zwei Unterstützer des Gegenkandidaten Peter Peters scheinbar im Abseits. Wie wirken solche sportpolitischen Debatten auf Sie?

Für die Außendarstellung des Verbandes waren die jüngsten Diskussionen und medialen Berichte sicherlich nicht gut. Es ist die originäre Aufgabe des Verbandes sich um die Organisation des Fußballspielbetriebs zu kümmern. Ich bin optimistisch, dass dies in Zukunft auch wieder so wahrgenommen wird.

Mit Ihrer Wahl zum Verbandsfußballwart erbten sie den Auftrag, mit ihrem Gremium bis zum nächsten Verbandstag im Jahr 2024 eine Spielklassenreform vorzubereiten. Gib es da schon erste Ergebnisse und wie steht es um die die Überlegung, zukünftig Fußballkreise zusammenzulegen?

Das Motto heißt Gründlichkeit vor Schnelligkeit. Es werden auf Haupt- und Ehrenamtsebene sicherlich noch viele Ideen diesbezüglich entwickelt und etliche Gespräche folgen. Der zuständige Verbandsausschuss befasst sich mit dieser Thematik, wobei auch die Strukturen der Kreise im Blick sein werden.

Als ehemaliger Kreisfußballwart Friedbergs, Regionalbeauftragter Frankfurts kennen Sie sich ja mit den Begebenheiten in der Rhein-Main-Region bestens aus. Die Nachfolgesuche für die von Ihnen ausgefüllten Positionen verlief recht geräuschlos.

Wir haben sowohl den Vorsitz im Kreisfußballausschuss Friedberg als auch der in der Region Frankfurt intern sehr gut besetzen können. Mit Karl-Ernst Kunkel folgt mir ein erfahrener Funktionär an der Spitze des Friedberger Kreisfußballausschusses. Gerhard Pfeifer aus Gelnhausen wurde als dienstältester Kreisfußballwart der Region Frankfurt zum Regionalbeauftragten gewählt, Andreas Bernhardt aus dem Hochtaunuskreis ist sein Stellvertreter.

In den vergangenen Wochen und Monaten wurden immer wieder Rufe laut, dass auch im Amateurbereich das Auswechselkontingent von drei auf fünf Spieler angehoben werden soll.

Ein entsprechender Antrag ist ja seinerzeit vom Verbandsvorstand abgelehnt worden. Geht ein neuerlicher Antrag ein, wird dieser dann neu behandelt. Im Laufe dieser Saison kann der Hessische Fußball-Verband die Regularien nicht mehr ändern.

Eintracht Frankfurt darf in der kommenden Saison in der Hessenliga starten und wird vermutlich im Sportpark in Dreieich spielen. Der SC Hessen Dreieich hat unterdessen angekündigt, nach der Saison aus höherklassigemSpielbetrieb aussteigen zu wollen. Was wäre eigentlich, wenn Dreieich Meister der Aufstiegsrunde wird. Könnte die Eintracht auch den Regionalliga-Platz der Dreieicher einnehmen?

Nein. Hessen Dreieich wird mit der Verkündung des Rückzugs zum 15. Mai ans Tabellenende gesetzt und wäre erster Absteiger. Sofern der Verein am Ende einen Aufstiegsplatz einnimmt, würde der nächstbestplatzierte Verein nachrücken. Eintracht Frankfurt II wird in der kommenden Saison definitiv in der Hessenliga spielen. Es liegt keine Spielklassen- oder Lizenzübernahme des Vereins Eintracht Frankfurt in Bezug auf Hessen Dreieich vor. Die Meldung von Eintracht Frankfurt II steht formal in keinem Zusammenhang mit dem Ausscheiden von Hessen Dreieich.

Auch in der kommenden Saison könnte in der Hessenliga die Marke von 20 Vereinen wieder geknackt werden. In welchem Modus soll dann gespielt werden?

Das werden wir mit den Vereinen besprechen, wenn im Juni feststeht, welche Mannschaftsstärke wir erreichen und ob der DFB alternative Spielmodelle zulassen wird. Natürlich drücke ich allen hessischen Vertretern in der Regionalliga Südwest für den Klassenerhalt die Daumen, doch in die Glaskugel schauen kann ich nicht. Man muss dann sehen, welche Spielmodelle in Frage kommen.

In dieser Saison holte Hanau 93 in der Gruppe A 25 Punkte, Bayern Alzenau erreichte einen Punkt weniger, nimmt aber 20 Punkte mit in die Abstiegsrunde, wogegen die Hanauer nur zehn Zähler mitnehmen. Ist das aus sportlichen Gesichtspunkten nicht extrem ungerecht?

Das ist eine außergewöhnliche Konstellation, das stimmt. Aber der Modus wurde mit Zustimmung der Vereine nun mal so entschieden. Sollte es erneut eine Ligateilung geben, können wir mit den Vereinen gerne über andere Modelle diskutieren, beispielsweise darüber, ob vor einer Auf- oder Abstiegsrunde alle zuvor erzielten Punkte mitgenommen werden.

Auch Kickers Offenbach möchte mit seiner zweiten Mannschaft wieder in den Spielbetrieb des HFV eingegliedert werden. Wie ist da der aktuelle Sachstand?

Der Antrag des OFC ist eingegangen. Die Sachlage ist den Statuten nach recht einfach. Der Verbandsspielausschuss kann eine zweite Mannschaft des OFC nur in einer Verbandsspielklasse, also von der Gruppenliga bis Hessenliga, eingruppieren, wenn die Offenbacher nach Abschluss der Saison entweder in die Dritte Liga aufgestiegen sind oder aber die U19-Junioren den Klassenerhalt in der Bundesliga geschafft haben. Der maßgebliche Stichtag ist der 1. Juli. Tritt keiner der beiden Fälle ein, erfolgt die Einstufung auf Kreisebene durch den Offenbacher Kreisfußballausschuss.«

Nach zwei Saisonabbrüchen wird es Zeit für ein reguläres Saisonende. Befürchten Sie, dass Corona diese Pläne abermals durchkreuzt und wie werden die Klassenleiter mit gemeldeten positiven Covid-Fällen umgehen?

Zunächst mal bin ich sehr optimistisch, dass wir die Runde regulär beenden werden. Vereinzelte Spielabsagen durch die Klassenleiter kann es sicherlich geben. Kurz formuliert müssen dafür fünf Spieler des vorangegangenen Spiels entweder positiv getestet oder nach behördlicher Anordnung in Quarantäne sein.

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