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Himmel als Arena

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Nils Deimel, Burckhard Müller und Steffen Göttler vom LSC Bad Homburg beim morgendlichen Aufrüsten ihrer Segelflugzeuge vor dem Start zu ihren Bundesliga-Flügen. © Red

Hochtaunuskreis (red). Lang hatten die Segelflieger des Luftsportclubs Bad Homburg (LSC) diesem Tag entgegen gefiebert: Nach der Winterpause ging’s am letzten Wochende wieder los mit der Bundesliga. Kein Ball ist dafür nötig, auch kein Stadion: sondern ein paar Flügel und der Himmel als Arena. Letztes Jahr schafften die Piloten des LSC erstmals den Auftstieg von der 2.

in die 1. Bundesliga und mischen jetzt unter den besten 30 Segelflugvereinen Deutschlands mit.

Segelfliegen ist eigentlich eine Individualsportart, aber in der Bundesliga werden über 17 Runden lang an den Wochenden bis Ende August Vereinsmannschaften gewertet. Dabei werden die Geschwindigkeiten der drei zeitschnellsten Piloten mit Punkten bewertet. Bei schwierigen Wetterbedingungen erreichten Nils Deimel, Burkhard Müller und Steffen Göttler Platz 16 - ein sehr guter Einstieg und auch Beweis für die große Motivation dieser Piloten. Denn gerade durch fliegen auch bei marginalem Wetter wurde die Liga in der Vergangenheit oft entschieden.

Das Wetter gleicht in Deutschland oft einer Lotterie; Vereine in anderen Gegenden können stark bevorteilt, oder auch benachteiligt sein. Dadurch aber, dass am Ende viele Wochenenden zusammengezählt werden, ergibt sich doch eine Art ausgleichende Gerechtigkeit.

Beim Segelfliegen kommt es darauf an, in durch die Sonne erhitzter und aufsteigender Luft kreisend Höhe bis zur Wolkenunterseite zu gewinnen und dann mit hoher Geschwindigkeit geradeaus zu den nächsten Wolken weiter zu fliegen. Wo das Spiel von Neuem beginnt.

»Am Samstag waren in Hessen keinerlei Flüge möglich, da es größtenteils geregnet hat. Am Sonntag war durch den Einfluss einer Oklusion das Wetter schwierig und auch nicht vorhersehbar. Die Prognose war deutlich besser für Ost- und Norddeutschland« berichtete Steffen Göttler. Trotzdem waren alle - auch Sebastian Beule nahm teil - motiviert bei den schlechten Bedingungen einen Bundesligaflug zu wagen. »Wir waren gespannt ob und wie das Wetter überhaupt einen Flug zulässt - so richtig sicher das es überhaupt funktionier war vorher keiner von uns.«

Direkt nach dem Start war klar, dass die Wolkenhöhe über Grund sehr niedrig war und die Thermik schwach, genauso wie prognostiziert. Nils Deimel und Steffen Göttler entschieden sich für einen engen Teamflug, um bei der schwachen Thermik mit Wolken-Ausbreitungen gemeinsam weniger fehleranfällig zu sein.

Der Flug von Neu Anspach bis nach Marburg war durchweg spannend und durch viel Kreisen gleichzeitig auch langsam. Das viele Kreisen war notwendig, da die Steigwerte oft nur sehr schwach waren. »Ab Marburg wurde die Thermik noch schwächer, weshalb wir dort umgedreht haben und bis über den Taunuskamm zurückflogen.

Um noch mehr Streckenkilometer zu sammeln ging es dann noch einmal Richtung Gießen. Doch bereits vorher hatte die starke Wolkenausbreitung die Thermik nahezu beendet. Es wurde bei Pohlheim für uns noch mal richtig spannend, sodass nicht klar war, ob wir überhaupt wieder nach Hause kommen würden.« Erst wenige Minuten vor der Landung war dann sicher, dass die Höhe doch bis nach Hause reicht und die Bad Homburger einen erfolgreichen Flug abschließen konnten.

Einer der letzten Funksprüche von Nils Deimel war: »Das wird ein knapper Endanflug - entweder es reicht knapp, oder ich gehe kurz vor dem Flugplatz auf den Acker«.

(Informationen über den LSC unter www.lsc-badhomburg.de).

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