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HSG Wetzlar: Nervenkitzel als Schlussakkord

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Von: Ralf Waldschmidt

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Chapeau! Trainer Benjamin Matschke kann mit dem Auftritt seines Teams zufrieden sein. © Red

Absoluter Nervenkitzel in der Buderus-Arena. Die HSG Wetzlar ringt der SG Flensburg/Handewitt nach einem klaren 24:29-Rückstand noch ein 29:29-Unentschieden ab. 1300 Zuschauer sind begeistert.

Was für ein Bundesliga-Start 2022! Die HSG Wetzlar hat gleich nach der EM-Pause mit einer 29:29 (15:15)-Aufholjagd gegen Champions League-Teilnehmer SG Flensburg/Handewitt ihre starken Vorrunden-Leistungen bestätigt. Am Sonntag schon steht das »Europapokal«-Duell beim Tabellenhintermann Frisch Auf Göppingen an.

Ohne Corona-Nachwehen begannen beide Teams in bestmöglicher Besetzung. Flensburg mit dem lange verletzten Magnus Rød in der Deckung sowie dem Ex-Wetzlarer Benjamin Buric zwischen den Pfosten, die Grün-Weißen mit den genesenen Till Klimpke und Stefan Cavor. Flensburg/Handewitt, aktiv über die zweite Welle, stets Kreisläufer Johannes Golla suchend und gefährlich über die treffsichere Flügelzange Hampus Wanne/Lasse Svan; Wetzlar aktiv verteidigend mit einem reaktionsschnellen Till Klimpke dahinter und einem durchschlagkräftigen Lenny Rubin im Rückraum prägten die erste Bundesliga-Viertelstunde nach der EM-Pause.

Das 7:7 (15.) und Pausen-15:15 waren Zeugnis eines 30-minütigen Duells auf Augenhöhe. Das skandinavische SG-Duo Wanne/Svan brachte es über die Außen und den Siebenmeterpunkt alleine auf neun Treffer, im Team von HSG-Trainer Benjamin Matschke ragte Lenny Rubin mit Mut und vier Rückraumtoren heraus. Einzig Stefan Cavor war in den Reihen der Grün-Weißen vom Wurfglück verlassen und musste sich fünf (!) Fahrkarten eingestehen. Derweil musste bei den Gästen der immer wieder von den HSG-Werfern ausgeguckte Benjamin Buric früh das Tor für Kevin Möller räumen. Höhepunkte vor dem Wechsel waren das Kempa-Tor zum 15:14 von Wetzlars Europameister Emil Mellegard in der 29. Minute auf Fredriksen-Assist sowie der von Kevin Möller gegen Maximilian Holst beim Stande von 10:12 parierte Strafwurf in der 22. Minute.

Mit Wiederanpfiff sorgten die Schützlinge von Trainer Maik Machulla erst einmal für klare Verhältnisse. Im Zentrum mischten Golla/Hold/ Mensah Larsen Beton an, es gab kaum noch Wetzlarer Kreisläufer-Aktionen. Zudem machte sich bei den Mittelhessen immer stärker bemerkbar, dass Stefan Cavor und Lenny Rubin hoch zugestellt wurden von der Gäste-Abwehr. Mads Mensah Larsen traf zweimal in Folge - und schon war der Champions-League-Teilnehmer beim 22:17 (40.) auf fünf Treffer enteilt.

Olle Forsell Schefvert, Magnus Fredriksen und Lenny Rubin zeigten zwar Kämpferherz, da Kevin Möller im Flensburger Tor aber den einen oder anderen Wurf parierte, Anadin Suljakovic auf der Gegenseite aber kaum einen, schien beim 24:18 (44.) die Vorentscheidung zugunsten des Tabellendritten gefallen.

Denkste! Mit der Rückkehr von Till Klimpke sowie den Einwechslungen von Ivan Srsen und Felix Danner - bei einer beinschnellen 5:1-Deckung durch Emil Mellegard - robbten sich die Gastgeber binnen vier Minuten sensationell wieder auf 23:25 (48.) heran und witterten Morgenluft. Auch das Danner-24:26 (50.) machte weiter Hoffnung - und der Schlussakkord bot dann absoluten Nervenkitzel.

Selbst als Hampus Wanne für die Holsteiner in der 53. Minute mit seinem fünften verwandelten Siebenmeter zum vermeintlich erneut entscheidenden 29:24 einwarf, warfen die Matschke-Schützlinge die Flinte nicht ins Korn. Allen voran Europameister Emil Mellegard wurde nun hinten wie vorne zum Punktegaranten, traf zum 26:29 (55.), zum 27:29 (56.) und sorgte per Gegenstoß für den umjubelten 29:29-Ausgleich (59.), den fünf Minuten zuvor selbst der auf der Bank mit Adduktorenproblemen verharrende EM-MVP Jim Gottfridsson nicht mehr für möglich gehalten hatte.

»Wir haben nie aufgegeben«, freute sich HSG-Coach Benjamin Matschke über die Mentalität und Moral seines Teams, »unsere extrem hohe 5:1-Deckung und die kleine Aufstellung mit mehr Ballfluss und Tempo hat uns in der Endphase nach vorn gebracht.« Flensburgs Trainer Maik Machulla war »extrem enttäuscht. Wir hatten lange nicht das Gefühl, dass Wetzlar für einen Punkt noch in Frage kommt. Das ist extrem ärgerlich.«

HSG Wetzlar: Klimpke, Suljakovic; Feld , Srsen (1), Nyfäll (1), Kusan (1), Mirkulovski (n.e.), Danner (1), Weissgerber (5), Holst (5/3), Fredriksen (3), Forsell Schefvert (2), Mellegard (5), Rubin (5), Novak, Cavor.

SG Flensburg/Handewitt: Buric, Möller; Golla (2), Hald Jensen (1), Svan (5), Wanne (8/5), Steinhauser (1), Mensah Larsen (5), Gottfridsson (2), Jakobsen, Semper, Mensing (1), Einarsson (4), Lindskog (n.e.), Rød.

Im Stenogramm / Schiedsrichter: Fedtke/Wienrich (Berlin). - Zuschauer: 1300. - Zeitstrafen: Forsell Schefvert (27.), Feld (38., beide Wetzlar); Rod (22.), Svan (54., beide Flensburg). - Torfilm: 4:2 (7.), 6:6 (12.), 7:8 (15.), 10:12 (20.), 15:15 (30.); 16:19 (35,), 18:24 (44.), 23:25 (48.), 24:29 (53.), 29:29.

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