1. Startseite
  2. Sport
  3. Lokalsport

Hurra, sie siegen noch!

Erstellt: Aktualisiert:

kaspor_2904_REDOUANEALHO_4c
Spielertrainer »Redu« Al-Horami (rechts) bleibt ein weiteres Jahr bei der SG Mönstadt/Grävenwiesbach. © Gerhard Strohmann

Hochtaunuskreis. Sie waren die mit Abstand erfolgloseste Mannschaft, die der Fußballkreis Hochtaunus aktuell zu bieten hat. Geschlagene anderthalb Jahre lang waren sie sieglos. Alleine in dieser Saison hatten es die Kicker der SG Mönstadt/Grävenwiesbach in der Kreisliga B Hochtaunus 16-mal versucht - kein einziges Mal durften die Mannen um den 29-jährigen Spielertrainer Redouan Al-Horami beim Schlusspfiff die Arme als Sieger in die Höhe reißen.

Bis zum vergangenen Sonntag - da hat es im 17. Anlauf nach 553 erfolglosen Tagen mit dem ersten Dreier für den abgeschlagenen Tabellenletzten geklappt.

Dabei schien sich die Partie gegen den SV Bommersheim trotz der frühen 1:0-Führung (7.) durch Orlin Ivanov, den sie alle nur »Akif« rufen, zunächst wie gewohnt zu entwickeln. Bommersheim glich aus und drehte das Spiel durch Moritz Stiller (23.) und Robel Berhane (44.) bis zur Pause zum 1:2.

Ja, ja, leidgeprüft sind die Spieler der SG M/G allemal, waren sie doch am 15. August gleich mit einer 1:14-Abfuhr bei der SpVgg 05/99 Bomber Bad Homburg II in die Saison gestartet. Dieser Schlappe schlossen sich weitere Klatschen beim FC Weißkirchen II (3:9), beim SV Bommersheim (0:13) und bei der SGK-Reserve (1:10) gefolgt.

Eine erfolgreiche Schlussphase

Jetzt also stand das Rückspiel gegen die Rekordsieger aus Bommersheim an. Zur Pause hieß es 1:2. Würde es im 17. Saisonspiel - das 4:4 vom 7. November gegen den SV Seulberg II war bis dato der einzige Lichtblick - die 16. Niederlage für »M/G« setzen?

Klare Antwort: Nein. Die Mannschaft rannte auf dem Rasenplatz an der Grävenwiesbacher Industriestraße unverdrossen an und steckte nicht auf, schaffte zehn Minuten vor Schluss durch »Redu« Al-Horami, seit dem Sommer 2020 Spielertrainer, Mannschaftskapitän und Mittelfeld-Stratege in Personalunion, den 2:2-Ausgleich per Freistoß. Ehe es passierte: Die 90. Minute war am Herunterticken, als Bommersheims Keeper Michael Kösterke einen Torschuss von »M/G« locke r aufnehmen wollte, jedoch daneben griff. Das Leder kullerte ihm durch die Beine - und wer stand goldrichtig? »Akif« Ivanov. Der drückte den Ball - 50 Zentimeter vor der Torlinie lauernd - über ebenjene ins Netz. Abpfiff - überschäumender Jubel! »Ja, die Stimmung war natürlich super«, berichtet Ingo Wieth. Der 48-Jährige ist Abteilungsleiter seitens der SG Mönstadt, aber bei Not am Mann ebenfalls noch ab und an selbst im Einsatz wie im Laufe dieser Saison auch Matthias Brühl, »Abteilungsboss« des TSV Grävenwiesbach. SGM und TSV bilden seit 2013 eine prima harmonierende Spielgemeinschaft, deren ältester Aktiver - ebenfalls nur noch im Notfall - mit Michael Treu übrigens ein »Golden Oldie« Baujahr 1959 ist.

»Na ja, großartig gefeiert haben wir den Sieg jetzt eigentlich nicht«, kann Wieth nur auf das eine oder andere Bierchen verweisen, das nachher in der Kabine dran glauben musste. »Vor zwanzig, dreißig Jahren wäre an einem solchen Erfolgstag sicherlich noch ganz anders gefeiert worden.« Ja, die guten, alten Zeiten…

Das 3:2 gegen den SV Bommersheim war nicht nur der erste Saisonsieg der SGM/G im 17. Versuch - es ist auch der erste Punktspiel-Dreier seit dem 18. Oktober 2020. Damals, vor geschlagenen 553 Tagen (!) also, war unter der Trainerregie von Ingo Wieth (ersatzweise für Al-Horami) ein 3:1 über die SG Eintracht Feldberg II gelungen.Weitere Siege konnten in der Spielzeit 2020/21 dann nicht mehr folgen. Coronabedingt war direkt nach jenem Triumph über die »Feldberg-Reservisten« Schluss mit der Saison.

Der Trainer hat bereits verlängert

So schön der 3:2-Knaller gegen Bommersheim auch war - der Abstieg in die C-Liga ist aber nicht mehr abzuwenden. Angesichts von nun vier Zählern auf dem Konto, lassen sich die »Vordermänner« SV Seulberg II (12 Punkte) und SGE Feldberg II (14) nicht mehr abfangen. Denn: »M/G« muss heuer nur noch zweimal ran: am 8. Mai gegen den FC Weißkirchen II sowie zum Saisonfinale am 22. Mai beim EFC Kronberg II. Der kommenden Runde blickt Ingo Wieth aber voller Zuversicht entgegen: »Redu hat bereits für die Saison 2022/23 verlängert. Der Wiederaufstieg wird zwar nicht unser Ziel sein, aber ins obere Tabellenmittelfeld wollen wir schon. Da unser Kader maximal nur 20 Mann umfasst, lassen wir die zurückgezogene 2. Mannschaft weiterhin abgemeldet.« Was aus Sicht von Ingo Wieth ganz wichtig ist: Auf gar keinen Fall noch einmal 553 Tage bis zum nächsten Sieg warten zu müssen. Wolfgang Bardong

Auch interessant