+
Max Verstappens (rechts) Sieg in Abu Dhabi steht jetzt fest, und damit auch sein Weltmeister-Titel. Lewis Hamilton bleibt nur zu gratulieren.

Formel 1: Das sagt Ex-Rennfahrer Jürgen von Gartzen

»Klarer Eingriff in den Kampf um die Formel-1-Krone«

Ex-Rennfahrer Jürgen von Gartzen aus Wehrheim nimmt im UA-Interview die Entscheidungen rund um das umstrittene Finale der Formel 1 unter die Lupe. Er hat eine klare Meinung.

Wehrheim . Es war sicher einer der umstrittensten Schlussakte des Motorsports: In der allerletzten Runde des letzten Rennens der aktuellen Saison wurde Max Verstappen im Honda RedBull nach Safety-Car-Chaos doch noch Weltmeister der Formel 1 vor Titelverteidiger Lewis Hamilton im Mercedes. Ex-Rennfahrer Jürgen von Gartzen aus Wehrheim nimmt im UA-Interview die Entscheidungen rund um das Finale unter die Lupe.

Die »Sun« in England titelte am Tag nach dem Rennen: »Für die Formel 1 ist es zur Gewohnheit geworden, sich selbst in den Fuß zu schießen, doch dieses Mal benutzte sie einen Raketenwerfer.«

Bis Donnerstagabend hätte Mercedes nach zwei abgewiesenen Einsprüchen gegen die Rennwertung in Berufung gehen können. Am Donenrstagmittag dann die Entscheidung: Mercedes geht nicht in die Berufung! Somit konnte am Abend bei der FIA-Gala in Paris der WM-Pokal an Max Verstappen überreicht werden..

Der UA sprach mit Ex-Rennfahrer Jürgen von Gartzen aus Wehrheim, der weiterhin aufmerksam alles verfolgt, was mit Motorsport zu tun hat. Er hat eine ganz klare Meinung zu diesem Thema.

Was ist Ihre ganz persönliche Meinung zu den Entscheidungen der Rennleitung beim Formel-1-Finale?

Es ist ja wirklich unglaublich, was da abging. Nicht, dass ich Verstappen den Titel nicht gönnen würde. Er ist genauso weltmeisterlich gefahren wie Hamilton die ganze Saison. Aber im letzten Rennen war eben das Paket Hamilton/Mercedes besser als das von RedBull/Verstappen. Dann wurde der Rennausgang aber durch einen äußeren Eingriff anders beeinflusst…

Was meinen Sie da genau?

Böse gesagt könnte man es so ausdrücken, dass die Rennleitung in den sofortigen Ruhestand geschickt werden muss. Das Reglement sagt klar, dass entweder alle überrundeten Autos an dem Führenden vorbeifahren oder keiner - aber nicht nur die, die sich zwischen dem ersten und zweiten zweiten Platz befinden. Dazu kommt, dass das Safety-Car nach der Rückrundung mindestens noch eine Runde weiter draußen bleiben muss. Und wenn der Rennleiter das so umgesetzt hätte, wäre Hamilton jetzt Weltmeister. Von daher kann ich Mercedes sehr gut verstehen. Es geht ja schließlich nicht um Armdrücken in Hintertupfingen… Und Lewis Hamilton hat 57 von 58 Runden geführt. Und dann wegen einer Safety-car-Phase und dieser strittigen Entscheidung der Rennleitung das Rennen und die WM zu verlieren, ist eigentlich unglaublich. Rennleiter Michael Masi hat nach meinem Ermessen klar in den WM-Kampf eingegriffen, indem er - nach dem RedBull ihn angefunkt hatte - die Regeln kurzerhand geändert hat, indem er nur die überrundeten Fahrzeuge vorbeigewunken hat, die zwischen dem zu dem Zeitpunkt führenden Hamilton und dem da noch Zweiten Verstappen fuhren.

Hätte Mercedes etwas anders machen können?

Mercedes und Hamilton hatten nach der Safety-Car-Phase keine Wahl, irgendwas anders zu machen. Hätte Hamilton, der ja als Erster nach der Safety-Car-Phase an der Boxeneinfahrt vorbeikam, Reifen gewechselt, dann wäre Verstappen draußen geblieben und vorne gewesen. Nachdem Masi nur die Überrundeten, die zwischen Hamilton und Verstappen fuhren, vorbei schickte und alle anderen sich nicht zurückrunden durften, war jedem klar, dass Hamilton keine Chance hatte, mit seinen alten Reifen Verstappen, der auf neuen Softreifen unterwegs war - zu halten.

Jürgen von Gartzen (Ex-Rennfahrer)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema