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Mächtig abgeräumt

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Von: Jens Priedemuth

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Die schnellen Jungs aus dem Hochtaunus: Lasse Schmitt, Finn Kohlenbach (beide KLV), Sven Müller (MTV) und Julian Rubel (KLV) holen bei den deutschen Jugend-Hallen-Meisterschaften in Dortmund die Silbermedaille über 4x200 Meter. © Jens Priedemuth

Hochtaunuskreis (kie). Mit vier Medaillen bei deutschen Meisterschaften, drei Plaketten auf süddeutscher Ebene und gleich 15 Top-drei-Platzierungen bei den Landesmeisterschaften war der Königsteiner LV mit seinen Assen in der gerade abgelaufenen Hallensaison der überragende Leichtathletik-Verein im Hochtaunuskreis.

Fangen wir beim Rückblick ganz oben, also bei der »DM«, an. Sowohl die Aktiven (Männer/Frauen), als auch die besten Jugendlichen mussten nach Dortmund reisen, um ihre Titelträger zu ermitteln. Bei den Frauen war es einmal mehr Weitspringerin Maryse Luzolo, die ihrer ohnehin schon umfangreichen Sammlung an Edelmetall mit der Vizemeisterschaft (6,49 Meter) hinter Top-Favoritin Malaika Mihambo (LG Kurpfalz/6,66 m) eine weitere Medaille hinzufügte. Luzolo war zudem noch bei drei reinen Einladungs-Meetings am Start und steigerte beim »World-Meeting« in Karlsruhe ihre Hallenbestleistung auf ganz starke 6,62 Meter! Bei den »Großen« war auch noch Sven Wagner im Einsatz, der in einem von Taktik geprägten 1500-Meter-Finale als jüngster Teilnehmer Sechster (3:48,90 Minuten) wurde. Der Psychologie-Student, der gehört noch der Nachwuchsklasse U23 an, ist eher ein Mann für schnelle Rennen ohne taktische Spielereien. Das stellte der KLVler eindrucksvoll beim »Erfurt Indoor« unter Beweis, als er gegen starke internationale Konkurrenz mit beeindruckenden 3:39,11 Minuten über die Ziellinie stürmte und damit auch die deutsche Bestenliste seiner Klasse souverän anführt.

Auch Okai Charles war für Dortmund qualifiziert, war über 800 Meter aber nur im Vorlauf dabei. Der U23er ist mit seinen fast zwei Metern jedoch kein Freund der Halle, da er besonders in den engen Kurven arg mit seiner Größe zu kämpfen hat. Der Bundeskaderathlet brachte deshalb »nur« eine Zeit von 1:52,80 Metern in die Statistik ein. KLV-Neuzugang Marc Reuther zeigte bei dem Erfurter Meeting gute 1:47,94 Minuten und gehörte damit bei den »Deutschen« auch ganz klar zu den Anwärtern auf Edelmetall. Der Vorlauf war auch kein Problem, doch zum Finale konnte Reuther wegen muskulärer Probleme nicht antreten.

Becker ist eine Klasse für sich

Eine Klasse für sich war bei den Jugend-Titelkämpfen Jana Marie Becker. Die Mittelstrecklerin hatte bei der Anreise eine 800-Meter-Bestmarke von 2:04,72 Minuten im Gepäck, die sie kurz zuvor bei einem Einladungs-Meeting an gleicher Stelle aufgestellt hatte. Becker, die noch der jüngeren Jugendklasse U18 angehört, war somit auch in der älteren U20 die große Favoritin. Mit dem Druck dieser Rolle kam Vize-Europameisterin von Jerusalem (2022) bestens klar und tütete mit 2:08,41 Minuten problemlos den DM-Titel ein.

Die deutsche Vize-Meisterschaft gab es in der Helmut-Körnig-Halle für die Startgemeinschaft »Königstein/Groß-Gerau/Kronberg« über 4x200 Meter. Das reine Taunus-Quartett, diesmal ohne Verstärkung aus Groß-Gerau unterwegs, flog in der Besetzung Lasse Schmitt, Finn Kohlenbach (beide KLV), Sven Müller (MTV) und Julian Rubel (KLV) in 1:29,36 Minuten um das Tartanoval. Ein Quäntchen Glück war auch dabei, denn die Wechsel waren eher unterirdisch und gerade noch legal.

Eine famose Hallensaison zeigte Louis Buschbeck. In Erfurt unterstrich der Schützling von Kadertrainer Benjamin Stalf mit 1:54,06 Minuten (800 m), dass er richtig gut drauf ist. Dass es im ersten Jahr in der U20 aber gleich eine DM-Medaille geben sollte, war schon eine Überraschung. Mit einem tollen, langen Spurt holte sich der KLV-Youngster in 1:56,35 Minuten die Bronzemedaille. Teamkollegin Sarah Köcher verpasste über 1500 Meter als Vierte in Dortmund nur knapp DM-Edelmetall. Im nationalen Ranking ist sie mit 4:38,53 Minuten die schnellste Hessin der U20. Staffelmitglied Julian Rubel war noch im 60-Meter-Sprint unterwegs und beendete die DM im Halbfinale mit der neuen »PB« von 7,05 Sekunden. Finn Kohlenbach verzichtete wegen der Staffel auf einen Einzelstart über 200 Meter.

Auch bei den süddeutschen Titelkämpfen in Sindelfingen gab es Medaillen für die »Weinroten« aus Königstein. Siebenkämpferin Vanessa Grimm setzte sich mit der neuen Bestmarke von 15,11 Metern im Kugelstoßen gegen die reinen Spezialistinnen durch. Zuvor hatte die Olympia-Teilnehmerin auch schon den Hessen-Titel im Kugelring geholt.

Die reine Jugend-Staffel, diesmal mit Aaron Amenta (Groß-Gerau), Finn Kohlenbach (KLV), Maurice Andrew (GG) und Julian Rubel (KLV) unterwegs, musste sich bei den Männern nach 1:28,79 Minuten lediglich der deutlich älteren Truppe von Eintracht Frankfurt geschlagen geben. Für Andrii Shymchuk bedeuten die »Süddeutschen« Endstation. Der Ukrainer ist nämlich nach Verbands-Regularien bei einer DM nicht startberechtigt, obwohl er locker die Quali für Dortmund hatte. Der U18er tröstete sich in Sindelfingen in 1:56,06 Minuten mit der Vize-Meisterschaft und glänzte zuvor bei den »Hessischen« schon mit einem Doppelsieg (400 und 800 m). Die neue Bestzeit von Shymchuk, gelaufen in Erfurt, war übrigens die zweitschnellste Hallenzeit seiner Klasse in Deutschland! Komplettiert wurde die KLV-Truppe im »Glaspalast« durch Dreispringerin Julia Sturm (12. Frauen) und Finn Kohlenbach (als U20er Siebter über 200 m der Männer).

15 Medaillen auf Hessenebene

Auf Hessen-Ebene sammelten die Burgstädter satte 15 Medaillen, darunter neun Titel, ein. Hervorzuheben wären hier noch die Doppelsiege von Andrii Shymchuk (400 und 800 m) und Jana Becker mit der identischen Strecken-Kombination. Beeindruckend die 55,67 Sekunden der U18-Athletin über 400 Meter, die Platz zwei im nationalen Ranking bedeuteten. Auch die 6:56,97 Minuten der Startgemeinschaft »Königstein/Karben-Groß-Gerau« über 3x800 Meter (mit Sarah Köcher), der Sieg der U20-Jungs über 4x200 Meter (1:29,53 min.) sowie die 9,98 Meter mit der Kugel von Nachwuchs-Talent Lisa Hinrichsen (W14) konnten sich allemal sehen lassen.

Verzicht

Und die Hallen-Bilanz hätte noch deutlich besser ausfallen können. Die Langstreckler Lisa Oed und Max Grabosch verzichteten komplett auf eine Hallensaison, da sie erst ab 5000 Meter so richtig »warm« werden. Eine Distanz, die unter dem Hallendach jedoch nicht angeboten wird. Vanessa Grimm verzichtete nach HM und SDM auf weitere Hallen-Einsätze, da sie sich nach ihrer schweren Knie-Verletzung in der Aufbauphase befindet. Langhürdler Lasse Schmitt stellte sich nur für die Staffel zur Verfügung und absolvierte gar keine Einzelrennen. Christoph Schrick, Teilnehmer an der U20-WM in Cali (Kolumbien), verzichtete sogar ganz auf Hallenrennen. KLV-Rückkehrerin Elena Kelety trat auch bei keiner Meisterschaft an, da sie aktuell ein Stipendium in den USA absolviert und dort für ihr Uni-Team erfolgreich im Einsatz war.

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