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»Maschine« für FCNA-Offensive

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Maziar Namavizadeh (rechts), hier noch im Trikot des FSV Frankfurt, wird die Offensive des FC Neu-Anspach verstärken. © Imago Sportfotodienst GmbH

Darin besteht kein Zweifel: Maziar Namavizadeh darf man aus Hochtaunus-Sicht mit Fug und Recht als spektakulärsten Transfer während der winterlichen Wechselperiode bezeichnen. Der am 28. Oktober 1993 geborene Iraner schoss einst beim TSV Vatanspor Bad Homburg Tor auf Tor, verhalf dem Verein zum Aufstieg in die Verbandsliga, um anschließend Regionalliga- und Oberliga-Erfahrungen zu sammeln.

Es war eine Nachricht, die vor drei Wochen unter den heimischen Fußball-Anhängern für Aufsehen sorgte - und die Fans des FC Neu-Anspach in Verzückung versetzte: Der 28-jährige Maziar Namavizadeh ist vom FCNA, dem seit Sonntag Viertplatzierten der Gruppenliga West, verpflichtet worden. Nicht nur für den Rest der laufenden Runde - sein Kontrakt gilt bis Ende der Spielzeit 2022/23.

Mit dem schussgewaltigen Mittelstürmer, der sich noch für ein Jahr in Neu-Isenburg in der Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann im Bereich Management befindet und mit Frau und Töchterchen Emilia (vier Monate alt) in Königstein lebt, führten wir nachfolgendes Interview.

Maziar, wie haben Sie sich bei Ihrem neuen Verein eingelebt?

Ganz gut. Die Jungs sind alle in Ordnung. Ein paar kannte ich ja schon.

Da spielen Sie wohl in erster Linie auf Alexander Ujma an, Ihren künftigen Neu-Anspacher Teamkollegen.

Richtig, den Alex kenne ich schon seit einigen Jährchen. Aber nicht erst, seitdem wir zusammen beim TSV Vatanspor Bad Homburg gespielt haben. Schon aus den Jahren davor - als wir öfters direkte Gegenspieler waren.

Wie verliefen denn die Duelle Ujma kontra Namavizadeh?

Na, wie wohl? (lacht) Für den Alex ziemlich unangenehm.

Was zeichnet die gute Freundschaft zwischen Ihnen beiden aus?

Wir verstehen uns nicht nur auf, sondern auch außerhalb des Platzes super. Wenn wir zum Beispiel zusammen chillen oder mal was trinken gehen. Alex ist eher der Ruhige, ich bin der Temperamentvolle. Es passt einfach.

Sie sagten, Sie haben in Anspach ein paar bekannte Gesichter wiedergetroffen. Wen außer Alexander Ujma?

Zum Beispiel René Gilles. Er hat schon in Anspach gespielt, als ich noch beim TSV Vatanspor war. Auch Maximilian Lorenz und Yassin Belfkih sind für mich gute, alte Bekannte.

Im Zusammenhang mit Ihrem Wechsel vom SV Pars Neu-Isenburg nach Anspach sahen viele Ihren Spezi Alex Ujma als ausschlaggebenden Faktor an. Stimmt das?

Na ja, so halb. Alex war schon seit einigen Jahren an mir dran, hat mich immer wieder bearbeitet, ich sollte doch auch nach Anspach kommen. Ausschlaggebend war aber etwas ganz anderes.

Und das wäre?

Ich wollte einfach nicht mehr den Aufwand betreiben, den ich bis dahin hatte. Nicht mehr den Trainingsumfang haben wie noch in der Regional- oder der Oberliga. Ich bin vor vier Monaten Papa geworden, wohne mit meiner Frau und unserem kleinen Töchterchen Emilia in Königstein - da setzt man einfach andere Prioritäten als früher.

Zuletzt mussten Sie sich außerdem nach einer langen Verletzungspause erst einmal überhaupt wieder zurückkämpfen…

Das kam noch erschwerend hinzu, richtig. Am 8. September - vor rund einem halben Jahr - hatte ich mein bis dato letztes Punktspiel bestritten. Für den SV Pars Neu-Isenburg gegen den Hanauer SC. Dabei passierte es. Eine recht komplizierte Verletzung: Bündelriss plus Faserriss im rechten Oberschenkel.

Ihre erste schwere Verletzung?

Nein, meine zweite. Beim FSV Frankfurt riss ich mir im rechten Fuß das Syndesmoseband.

Weshalb haben Sie beim FC Neu-Anspach gleich für die Saison 2022/23 mit zugesagt - statt zunächst einmal zu schauen, wie sich dort für Sie die Dinge bis zum Sommer entwickeln?

Weil es für uns in Anspach in der laufenden Runde wohl nicht mehr mit dem Aufstieg klappen dürfte. Dann eben in der nächsten Saison! Schließlich bringe ich eine 100-prozentige Aufstiegsgarantie mit: beim TSV Vatanspor und auch beim SV Pars hat’s mit mir ja geklappt.

Wie blicken Sie auf ihre Zeit beim TSV Vatanspor zurück?

Das war dort optimal. Die Jungs waren alle in Ordnung. Alle waren füreinander da, wir haben viel unternommen. Vielleicht hatten wir dort nicht die besten Fußballer - dafür aber die beste Mannschaft. Der Zusammenhalt kann Berge versetzen. Was aktuell auch für den SC Dortelweil gilt. Der hat zwar keine elf Messis oder elf Ronaldos, ist aber eine echte Mannschaft und steht deshalb ganz vorne.

Nachdem Sie dem SV Pars Ende Oktober, Anfang November erklärt hatten, den Verein verlassen zu wollen, gab es dann nur das Angebot des FC Neu-Anspach?

Nein, nein, da gab es auch noch andere Angebote - aus der Verbandsliga, der Hessenliga, gerüchteweise auch aus der Regionalliga. Sogar aus Zypern. Aber wie gesagt, diesem Aufwand, bei einem höherklassigen Verein zu trainieren und zu spielen, will ich mich einfach nicht mehr aussetzen. Ich bin nun einmal ein Familientyp. Wenn ich noch einmal 20 wäre, keine Frau und kein Kind hätte, dann hätte ich zu 100 Prozent zugesagt.

Das hatte nach Ihrer Zeit beim Regionalligisten FSV Frankfurt noch ganz anders ausgesehen?

Ja. Beim FSV - ich war damals 23 Jahre alt - hatte ich viel Pech, war verletzt und auch mit dem Trainer lief’s nicht nach Wunsch. Anschließend bekam ich Angebote aus Belgien, Luxemburg, auch aus Dänemark. Meine Frau hat mir noch nie Steine in den Weg legen wollen. Aber ich wollte keine Profilaufbahn mehr einschlagen. Da muss du dich in so vielen Dingen kasteien - du darfst dies nicht essen, du darfst das nicht tun. Das wollte ich nicht.

Blicken wir zu Ihren fußballerischen Anfängen zurück - in Ihrer iranischen Heimat.

Die Fußball-Gene bekam ich wohl in die Wiege gelegt. Mostafa, mein Vater, war Profi und spielte in der 1. Iranischen Liga. Er war ein klassischer Sechser - wie ich in der Jugend ebenfalls. Schon als kleines Kind gab’s für mich folgerichtig auch nur Fußball. Ich weiß gar nicht, wie viele Fensterscheiben ich kaputtgeschossen habe. Mit acht spielte ich dann bei Sepahan Isfahan. Dort fühlten wir uns wie kleine Profis. Wir bekamen Trainingsanzüge, Schienbeinschützer, alles gestellt. Wir fuhren - wohlgemerkt in der Jugendmannschaft - mit dem Bus zum Spiel. Seit der Saison 2010/11 wurde ich mit Isfahan sechsmal Meister.

Betrieben Sie im Iran außer Fußball noch anderen Sport?

Ja, mein Onkel hatte mich an Ringkämpfe herangeführt. Das war verdammt hart. Man bekam 20 Hosen angezogen, die Heizung wurde hochgedreht - und dann Training! Heftig.

Mit 18 Jahren kamen Sie nach Deutschland und schlossen sich dem Kreisoberligisten TuS Makkabi Frankfurt an.

Ja, dort wurde ich ebenfalls im Mittelfeld eingesetzt. Bis sie mich im Training mal als Stürmer ausprobierten. Das klappte auf Anhieb super. Das harte Ringer-Training kam und kommt mir zugute. Noch heute setze ich im Spiel meinen Oberkörper voll ein. Dagegen wird man von mir kaum einmal eine Grätsche im Spiel sehen. Das bin nicht ich.

Ihr Spitzname »Maschine« kommt also nicht von ungefähr?

Nein (lacht), ich gehe nun einmal entschlossen in jeden Zweikampf. Da bin ich auch hart zu mir selbst. Auch im Training.

Wer war, wer ist Ihr sportliches Vorbild?

Mein Vater war schon immer in allen Belangen mein großes Vorbild. Was internationale Namen angeht, war dies früher Mohammad Ali Karimi (spielte von 2005 bis 2007 beim FC Bayern München, Anm. d. Red.). Heute finde ich Cristiano Ronaldo am besten. Aufgrund seiner krassen, professionellen Einstellung. Der kommt ins Training als Erster - und geht als Letzter.

Ihr Lieblingsclub?

Real Madrid. Schon zu Zeiten eines Roberto Carlos. Von den Bundesliga-Vereinen mag ich Eintracht Frankfurt am meisten. Wenn sie jedoch wieder mal unnötigerweise Punkte liegen gelassen hat, hasse ich die Eintracht.

Außer Fußball spielt Maziar Namavizadeh noch…

Billard, Tischtennis und auch Tisch-Kicker.

Abschließend noch eine Frage, die sich mit dem allgegenwärtigen Thema »Putins Krieg in der Ukraine« beschäftigt. Dieses Thema dürfte auch Sie fassungslos zurücklassen.

Dafür kann man keine Worte finden. Man ist geradezu ohnmächtig. Die Gier nach Macht hat schon oft zu derartigen Katastrophen geführt. Warum muss Russland dort einmarschieren? Ist das Land nicht schon groß genug? Mein Motto lautet: Wenn mir keiner schadet, schade ich auch keinem anderen. Überhaupt: Für was braucht man eigentlich Staatsgrenzen auf der Welt? Wenn sich bloß alle Menschen verstehen würden, wären die völlig überflüssig. Alles wäre so einfach…

WOLFGANG BARDONG

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