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SG BW Schneidhain schickt E-Footballer in den DFB-Pokal

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So geht’s. Die drei E-Sportler Dylan »DullenMike« Neuhausen und Julius »JuliusFGU« Faulhaber zeigen im Vereinsheim der SG BW Schneidhain den Jugendkickern ihre Fähigkeiten an der Spiele-Konsole. Kai »Hensoo« Hense schaut seinen beiden Mitstreitern für das »Team NEO« über die Schulter. Foto: kie © kie FOTO: KIE

Die SG BW Schneidhain schickt E-Footballer in den DFB-Pokal. Die Neuzugänge »JuliusFGU«, »DullenMike« und »Hensoo« wollen für den Club den Titel in den Taunus holen.

Hochtaunuskreis (rk). Die SG BW Schneidhain schickt E-Footballer in den DFB-Pokal. Die Neuzugänge »JuliusFGU«, »DullenMike« und »Hensoo« wollen für den Club den Titel in den Taunus holen. Wir tauchen in ein Phänomen der Sportwelt ein, das viele junge Menschen in seinen Bann zieht.

Auf Kreisebene können die Fußballer der SG Blau-Weiß Schneidhain auf ein erfolgreiches Fußballjahr zurückschauen. Aktuell steht die 1. Mannschaft in der Kreisliga A Hochtaunus überraschend auf dem zweiten Tabellenplatz, punktgleich mit Tabellenführer FC Mammolshain. Im Kreispokal musste die SG sich erst im Viertelfinale dem Gruppenligisten FSV Friedrichsdorf geschlagen geben.

Im nächsten Jahr könnten die Blau-Weißen sogar bundesweit für Aufsehen sorgen. Allerdings nicht auf dem Rasen, sondern an der Playstation. Kürzlich gab der Verein eine Kooperation mit der E-Sport-Organisation »NEO« bekannt. Gemeinsam wird man unter dem Namen SG BW Schneidhain-Neo am »DFB ePokal« teilnehmen. Und gleich im Debütjahr wird die Mannschaft sehr wahrscheinlich zu den Favoriten gehören.

NEO am Start

Initiiert wurde die Zusammenarbeit vom Schneidhainer Jugendleiter Aleksander Vuletic und Jugendtrainer Jeromy Lohmann. Lohmann ist der Coach der F-Jugend und im Hauptberuf bei einer großen Versicherung tätig. »Wir sind der Sponsor des ,DFB ePokals‹, und auf diesem Wege bin ich auf das Team NEO aufmerksam geworden«, erklärt Lohmann im Rahmen der Teamvorstellung im Schneidhainer Vereinsheim. Um am Pokal teilnehmen zu können, brauchen alle digitalen Athleten einen Fußball-Club als Partner. Einen solchen suchten auch die in Köln beheimateten E-Sportler von NEO - die Abkürzung steht für »nomen est omen« - und so kam es zu der ungewöhnlichen Kooperation.

Sowohl Vuletic als auch Lohmann zocken selbst gerne an der Konsole. »Ich habe sogar im letzten Jahr ein Online-Turnier gewonnen, bei dem unter anderem Lukas Podolski und Maximilian Arnold teilgenommen haben«, verrät Lohmann stolz. Dieser Erfolg bei einem Benefizturnier in allen Ehren, aber gegen die deutsche E-Sport-Elite wären sowohl Lohmann als auch »Poldi« hoffnungslos unterlegen. Beispielsweise gegen die Jungs von NEO. Die gehören nämlich zur absoluten Spitze, was die deutsche Gaming-Szene zu bieten hat.

Davon konnten sich an jenem Abend nicht nur Lohmann und Vuletic überzeugen, sondern auch die Jugendkicker von Blau-Weiß. Anlässlich eines Werbefilmdrehs zur neuen Kooperation nahmen Julius Faulhaber (26), Dylan Neuhaus (19) und Kai Hense (23) den weiten Weg von Köln in den Königsteiner Stadtteil auf sich.

Auch bei den Schneidhainer Kids ist das Trio besser bekannt unter ihren Spielernamen: Als »JuliusFGU«, »DullenMike« und »Hensoo« haben sich die E-Sportler einen Namen gemacht und Tausende von Followern in den sozialen Netzwerken gewonnen.

»Vom Kreispokal zum ,DFB ePokal‹ - das hat schon was«, erklärt Vuletic, »ich finde die Zusammenarbeit aber vor allem unter pädagogischen Gesichtspunkten sehr interessant. Die Kinder wollen heute längst nicht mehr Polizist oder Feuerwehrmann werden, sondern Streamer oder E-Sportler.« Julius, Dylan und Kai nehmen somit durchaus eine Vorbildfunktion für zahlreiche Kinder und Jugendliche ein, die ihren Idolen nacheifern möchten. Die drei üben E-Sport nämlich als Beruf aus.

»Ich würde den Kindern nicht empfehlen, alles auf eine Karte zu setzen«, sagt Faulhaber, »man kann zwar mit viel Training weit kommen, aber letztlich ist das Talent entscheidend.« Ähnlich wie bei den Profis auf dem Rasen schaffen es auch am sogenannten Gamepad nur die Besten der Besten zu Ruhm und Erfolg.

Mittlerweile lässt sich von der Tätigkeit als E-Sportler gut leben. Das Preisgeld für die zweite Auflage des »DFB ePokals« beträgt beispielsweise 50000 Euro. Allein der Sieger erhält 25000 Euro. »Es ist dann aber auch ein Full-Time-Job«, ergänzt Tom Zwietasch, Teammanager des Team NEO. Einige Spieler würden den Wettkampfsport mit einem Studium verbinden, erzählt Faulhaber.

Auf YouTube

Die Werbeaufnahmen, die am Abend aufgezeichnet wurden, wird es bald auf dem YouTube-Kanal von NEO zu sehen geben. Im Film geben die E-Sportler nicht nur an der Playstation eine gute Figur ab, sondern auch auf dem Kunstrasen in Schneidhain. »Es gibt immer noch die Vorurteile, dass E-Sportler nichts von Fußball verstehen«, sagt Zwietasch. Dass diese Behauptung bar jeder Grundlage ist, zeigt allein ein Blick auf die Vita von »Hensoo«. Unter seinem bürgerlichen Namen wurde Kai Hense als Fußballer in der Jugendabteilung des Traditionsvereins Fortuna Düsseldorf ausgebildet. Viele der Zocker haben mindestens eine Vergangenheit als Kicker - umgekehrt ist das übrigens öfters genauso.

Am 18. Dezember ist die Qualifikation für den »DFB ePokal«. Im März geht es dann weiter mit der Vorrunde. Zu sehen sind die Partien auf www.dfb-efootball.de.

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