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Titel und Aufstieg vor Augen

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Dicke Luft vor dem Ravensburger Tor: Goalie Jonas Langmann hindert Frankfurts Rylan Schwartz am Torschuss. © Imago Sportfotodienst GmbH

Frankfurt. Die ganz große Party gab es noch nicht, so ist das in den Alles-oder-Nichts-Spielen, auch in der zweiten Klasse des deutschen Eishockeys: Richtig gefeiert wird erst hinterher, wenn wirklich Entscheidungen gefallen sind. Wer in die Gesichter der Frankfurter Löwen blickte, als sie nach einer bemerkenswerten Begegnung das Eis verließen, konnte aber erahnen, dass auch dieser Karsamstagabend für sie schon ein Fest war, und für die Fans auf den nach zwei tristen Corona-Jahren endlich wieder rappelvollen Tribünen ebenso.

Wobei sich zumindest unter den Spielern wenige Minuten nach der letzten Sirene für ein in vieler Hinsicht berauschendes 7:0 (2:0, 2:0, 3:0) im ersten Spiel der Finalserie der DEL 2 gegen die Ravensburg Towerstars schon wieder die gebotene Nüchternheit einstellte.

»Es ist schön zu sehen, dass wir Tore schießen, dass unser Spiel funktioniert«, hielt Verteidiger Kevin Maginot fest, um das Geschehen dann richtig einzuordnen: »Wir dürfen uns aber nicht darauf ausruhen und denken, das läuft von alleine«, betonte Maginot und forderte mit Blick auf das zweite Treffen am Ostermontagabend in Ravensburg: »Wir müssen auch dann wieder 60 Minuten unser Spiel spielen.«

Tatsächlich gelang das auch weitgehend, in jedem Fall erneut mit einem guten Löwen-Ende - wenn auch ungleich spannender, heftig umkämpft und gegen deutlich mehr Widerstände: Der 3:1 (2:1, 0:0, 1:0)-Auswärtssieg war der zweite von vier für den großen Triumph nötigen Erfolgen. Dabei nutzten die Hessen durch Rylan Schwartz (5.) und Adam Mitchell (14.) nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich durch Charlie Sarault wie am Samstag wieder beide Powerplays, erneut Schwartz traf am Ende noch ins leere Tor.

Die Löwen bleiben weiter voll im Flow, zwei Tage zuvor war das auf noch beeindruckendere Weise zu bestaunen gewesen - nahtlos anknüpfend an den ersten Hauptrundenplatz und den schnellstmöglichen Einzugs in die Endspiele, mit acht Siegen in acht Play-off-Partien. Und noch einmal eine Stufe darüber. »Es ist da, wenn wir es abrufen«, bemerkte Sportdirektor Franz-David Fritzmeier zu fast mitternächtlicher Stunde über die weiter gesteigerte Löwen-Leistung nach einem ersten Aufeinandertreffen, das wegen eines Bombenalarms in der Eissporthalle am Ratsweg mit eineinhalb Stunden später begonnen hatte - was die Frankfurter durchaus auch etwas aus der Fassung hätte bringen können, es aber nicht im Geringsten tat.

ir sind mental stark«, wertete Fritzmeier den Umgang mit dieser Situation als zusätzlichen Qualitätsnachweis. Hinzu kam, in Kurzfassung: »Wir haben unsere Chancen genutzt und wenig zugelassen.« Beispielhaft dafür stand Verteidiger Maginot, der mit seinem Doppelpack im ersten Drittel vorne den Weg ebnete (18. und 19. Minute) und hinten sehr zuverlässige Abwehrarbeit verrichtete. Davis Vandane (28.), Rylan Schwartz (34.), Constantin Vogt (46.), Reid McNeill (51.) und Yannick Wenzel (55.) machten mit weiteren Toren aus einer erst einmal gar nicht so einseitigen Angelegenheit den höchsten Sieg in einem Finalspiel der inzwischen neun DEL-2-Jahre, vor 6770 Zuschauern in ausverkaufter Halle.

Bezeichnend für die Stärke aus breiten Löwen-Reihen, dass abgesehen von Maginot jeder Treffer einen anderen Schützen hatte und vier von Verteidigern erzielt wurden. Die Sondereinsatzkommandos funktionierten ebenfalls: Ihre beiden Überzahlsituationen verwerteten die Frankfurter, vier Unterzahlzeiten überstanden sie schadlos. Und notfalls bannte der wieder einmal grandiose Goalie Jake Hildebrand alle Gefahr vor dem Löwen-Tor. Einziger Wermutstropfen im ersten Spiel: Der gerade erst nach einer Zwangspause aus ähnlichem Grund aufs Eis zurückgekehrte Nathan Burns musste noch im ersten Drittel nach einem weiteren, im übrigen ungestraften Schlag gegen den Kopf wieder passen. Am Montag rückte für ihn der zuletzt angeschlagene Ryon Moser in den Kader, erstmals in den Play-offs.

Löwen wissen, worum es geht

Vergessen waren am Samstag auch die vier allesamt knapp verlorenen Punktspiele gegen Ravensburg: Als es darauf ankam, schlugen die Löwen richtig zu, »Play-offs sind immer noch mal was anderes. Dann weiß man, worum es geht«, sagte Kevin Maginot, ehe er die Extraportion Motivation bei dem Meisterschaftsanwärter vom Main erklärte, der sich als einziger Klub der Klasse erfolgreich um eine erstklassige Lizenz in der nächsten Saison beworben hat: »Für uns geht es um sehr vieles, nicht nur um die Meisterschaft, sondern auch um den Aufstieg«, erinnerte Maginot und stellte bei dieser Gelegenheit klar. »Frankfurt gehört in die erste Liga.« Allzu weit entfernt ist dieses Traumziel nicht mehr. Nächste Etappe: Am heutigen Mittwoch (19.30 Uhr), daheim am Ratsweg.

Markus Katzenbach

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