Traumjob in einer Männerdomäne

  • schließen

REGION - Katharina Kleinfeldt übt ihren Traumberuf aus. Die in Schotten geborene und in Hirzenhain aufgewachsene TV-Moderatorin interviewt die Großen des Sports, dreht Filme, führt durch Liv e-Sendungen und ist eines der Gesichter von Sky Sport. Die 27-Jährige plaudert im Interview mit dieser Zeitung aus dem Nähkästchen.

Nach ihrer Abiturprüfung in Nidda studierte Kleinfeldt Medienwissenschaften mit dem Schwerpunkt Sportjournalismus/Sportmanagement in Berlin. "Ich lernte alles von der Pike auf. Wie eine Kamera funktioniert und wie ein Dreh organisiert wird." Ihre ersten Erfahrungen als Moderatorin sammelte sie ebenfalls in Berlin, beim Online-Sportmagazin hauptstadtsport.tv. "Dort durfte ich Fehler machen und gefühlt 100 Sportarten ausprobieren. Das brachte mir wirklich viel. Auch wenn ich meine Arbeit dort rückblickend noch nicht als richtiges Moderieren bezeichnen würde", merkt Kleinfeldt mit einem Augenzwinkern an. Im Anschluss an ein Praktikum in der Sportredaktion des ZDF-Morgenmagazins startete die heute 27-Jährige im September 2015 ihr Volontariat bei Sky. "Parallel schrieb ich noch meine Bachelor-Arbeit. Ein wirklich anstrengender Zeitabschnitt, den ich nicht noch einmal so gestalten würde. Es kostete viel Kraft, überall gleichzeitig Gas geben zu wollen", gesteht die Powerfrau.

Aktuell konzentriert sich die Hirzenhainerin, die ihre Familie in der Regel alle zwei Monate in der Heimat besucht, als festangestellte Moderatorin voll auf den Fernsehsender Sky. Sie moderiert die Konferenz der Handball-Bundesliga, gehört zum Team von Sky Sport News und ist Gastgeberin der Champions Corner, in der Experten die Champions-League-Spiele des Abends schauen und analysieren. "Und dann betreue ich noch das Tennis-Spektakel in Wimbledon, wo ich seit 2016 jedes Jahr live dabei bin. Es ist Wahnsinn, was dort auf der Anlage abgeht. Ein unbeschreibliches Flair", sagt die in München lebende Kleinfeldt, die bei Sky ihre sportliche Vielseitigkeit vor der Kamera unter Beweis stellt. Im Interview mit dieser Zeitung spricht sie über die Rolle von Frauen im Sportjournalismus, die schönsten Momente, peinlichsten Erlebnisse, ihre Ziele, das Geheimnis eines Schemels bei Gesprächen mit Handballstars und soziale Medien.

Katharina Kleinfeldt, was muss eine gute Sky-Moderatorin mitbringen?

Auf jeden Fall Spaß am Sport! Die Grundvoraussetzung ist eine fundierte journalistische Ausbildung, ohne die man es auch nicht vor die Kamera schafft. Auf jeden Fall sollte man neugierig sein - und Spaß daran haben, vor einer Kamera zu stehen. Ein bisschen Nervosität ist völlig normal, nicht nur anfangs, auch später noch. Aber es ist wichtig, dass man sich diese nicht anmerken lässt, sondern in Spaß umwandeln kann. Sicherheit gibt da auch ein gepflegtes Äußeres, aber vor allem eine gute Vorbereitung - die ist, wie in anderen Bereichen, die halbe Miete.

Gehört mittlerweile auch dazu, mit Bällen auf Eimer zu schießen, so wie Sie es während der Champions-League-Übertragung im Studio praktizieren?

Klar, warum nicht. Ich habe früher auch selbst beim SV Phönix Düdelsheim gekickt. Wobei ich mich ein bisschen über die Aufteilung aufregen könnte. Warum müssen wir Moderatoren gegen unsere Experten, die allesamt ehemalige Profikicker sind, antreten? Da ist doch klar, wer gewinnt! Aber zurück zur Frage: Wenn ich mich dabei komplett unwohl fühlen würde, müsste ich diese Challenge nicht machen. Wichtig ist, dass solche Spielchen nicht von der eigentlichen Sendung ablenken.

Im Netz kursieren zwei interessante Bilder von Ihnen, als Sie - auf einem Schemel stehend - die Handballer Mikkel Hansen und Niklas Landin interviewten. Sind Sie immer mit solchen Hilfsmitteln bewaffnet?

Den hatte ich in der Tat nur einmal dabei. Das war beim "EHF Final4 2016" in Köln. Ich sollte mich auf den Schemel stellen, um Kamera und Gesprächspartner auf Augenhöhe zu bringen. Wegen dieser Fotos denken viele, dass ich sehr klein bin. Die wundern sich dann, wenn sie mich mit meinen 1,76 Meter sehen.

Welche peinlichen Momente vor der Kamera kommen Ihnen spontan in den Sinn?

In meiner Anfangszeit ist natürlich nicht immer alles perfekt gelaufen. In einem Live-Interview mit einem Handballer hatte ich zum Beispiel irgendwie zwei Verletzungen im Kopf und sprach dann von einer Bauchmuskelfaserrisszerrung. Damals war ich überhaupt nicht locker, konnte den Fehler in diesem Moment auch nicht mehr geradebiegen. Heute würde ich einfach sagen: 'So, noch einmal von vorne. Entweder gibt es eine Bauchmuskelzerrung oder einen Faserriss'. Hilfreich waren da sicherlich die vielen Einsätze bei Sky Sport News. Man moderiert über Stunden am Stück live und lernt dadurch auch, mit Situationen entspannt umzugehen, die anders als geplant verlaufen.

Richtig lustig war es Ende Februar an einem Champions-League-Abend, als alle Studiogäste nach einem Kommentar des ehemaligen Augsburg-Profis Daniel Baier einen Lachflash bekamen. So eine Situation hatte ich bis dahin noch nie erlebt, zumal ich nicht irgendein vorliegendes Interview hätte einspielen können. Ich versuchte Augenkontakt zu Patrick Owomoyela, der sich gar nicht mehr einkriegen konnte, zu vermeiden und mein Lachen zu unterdrücken. Glücklicherweise bekam ich irgendwie die Kurve. Darauf war ich nicht vorbereitet, weil so etwas sehr selten vorkommt. Für andere Momente, wenn beispielsweise ein Interviewpartner schlecht drauf ist, habe ich im Laufe der Zeit Strategien entwickelt.

Erinnern Sie sich an den schönsten Moment oder den besten Gesprächspartner?

Ich führte ein Interview mit Handball-Nationalmannschaftskapitän Uwe Gensheimer in einem Motorflugzeug, das gerade über die SAP-Arena flog. Das war die krasseste und coolste Situation. Besonders schön ist es, wenn Menschen Emotionen zeigen. Ich kann mich noch daran erinnern, dass der ehemalige Handball-Nationalspieler Dominik Klein einmal vor laufender Kamera weinte. Solche Momente bleiben hängen. Wenn es um unsere Experten geht, liebe ich es, Erik Meijer bei uns im Studio zu Gast zu haben - er ist so ein herzlicher Mensch, der eine auf den ersten Blick trockene Fußballanalyse so unterhaltsam und mit vollem Körpereinsatz gestalten kann, dass es auch meiner Mama Spaß macht ihm zuzuschauen. Gleiches gilt für unsere aktuellen oder ehemaligen Handballexperten Stefan Kretzschmar, Martin Schwalb, Pascal Hens oder auch Mimi Kraus.

Haben Sie eine Lieblingssportart - privat und beruflich?

Ich kickte früher für den SV Phönix Düdelsheim und die SG Oberau/Düdelsheim. Durch den Fußball bin ich überhaupt erst zum Sportjournalismus gekommen. Mittlerweile kann ich leider nicht mehr im Verein spielen, weil ich aufgrund meiner Arbeitszeiten kaum am Training und an Spielen teilnehmen könnte. Deshalb habe ich das Fitness-Studio mit Laufband, Spinning und Geräten für mich entdeckt. Während des Lockdowns ist es die Matte daheim. Zudem jogge ich.

Beruflich dreht sich bei mir natürlich viel um Handball und Fußball. Mein Glück war, dass Sky kurz vor Beginn meines Volontariats die Handball-Champions-League Rechte erworben hatte. Es wurde eine Handball-Redaktion aufgebaut - und ich war von Beginn an dabei, durfte Kontakte zu Clubs wie Paris Saint-Germain herstellen. Dann kam die Handball-Bundesliga hinzu. Auf diese Art und Weise wäre der Einstieg im Fußball nicht möglich gewesen. Der erfolgte später dann über die 2. Bundesliga.

Gibt es in Ihrem Beruf, der früher den Männern "gehörte", noch Unterschiede zwischen Männer und Frauen?

Auf jeden Fall, auch wenn mittlerweile viele Frauen in diesem Bereich arbeiten. Eine Frau muss sich tendenziell immer noch mehr beweisen, wird stärker beäugt, ob sie tatsächlich etwas drauf hat oder nur wegen ihres Aussehens vor der Kamera steht. Trotzdem hat sich hier schon in den Jahren vor meiner Zeit sehr viel zum Guten verändert. Kolleginnen wie Jessica Libbertz und Esther Sedlaczek etwa haben es mit ihrer tollen Arbeit für nachkommende Frauen definitiv einfacher gemacht. Und ganz ehrlich: Ich glaube, jede Frau tut einer Männerdomäne gut. Und ich bin stolz, ein Teil davon zu sein.

Wurden Sie ebenfalls genau beäugt?

Ich hatte nie das Gefühl, dass ich nicht akzeptiert wurde. Natürlich musste ich mit Anfang 20 erst einmal in die Rolle reinwachsen. Als ich etwa in einer Redaktionssitzung vor meinen Kollegen eine Sendung vom großen Fritz von Thurn und Taxis bewerten und möglichst auch kritisieren sollte, fiel mir das anfangs gar nicht leicht. Jetzt habe ich ein ganz anderes Selbstbewusstsein. Und sicherlich hat es mir gegenüber den Kollegen gerade zu Beginn geholfen, dass ich zusätzlich zum Handwerk des Journalismus auch die praktische Arbeit an der Kamera und vor dem Schnittrechner gelernt habe.

Es gibt bei Sky keinen weiblichen Wolff-Christoph Fuss, der Spiele der Bundesliga oder Champions League live kommentiert. Warum?

Gute Frage! Das kann ich auch nicht beantworten. Ich erkläre es mir so, dass es gesellschaftlich aus langer Gewohnheit als der 'Normalzustand' etabliert ist, dass Fußballspiele von einem Mann kommentiert werden und eine Frauenstimme deshalb an dieser Stelle als 'nicht normal' empfunden wird. Vielleicht auch, weil Jungs schon in der frühesten Kindheit Spiele auf dem Bolzplatz oder an der Konsole kommentieren. Für mich persönlich wäre es nichts und ich kenne auch aktuell keine Kollegin, bei der das der Fall wäre. Aber auch hier gibt es Vorreiterinnen wie Sabine Töpperwien im Radio, Claudia Neumann beim ZDF oder Christina Graf, die für Sky als erste Frau überhaupt Bundesliga-Spiele live im TV kommentiert hat. Und das zeigt doch, es ist inzwischen möglich. Also liebe Frauen da draußen: Wenn ihr es wollt, bleibt dran, dann könnt ihr es schaffen!

Was wäre für Sie das Größte?

Ich habe für mich nicht eine konkrete Sendung oder ein bestimmtes Sportereignis als großes Ziel ausgegeben. Ich möchte mich kontinuierlich weiterentwickeln. Wenn sich dann die Gelegenheit bietet, freue ich mich auf neue Herausforderungen. Bislang kam der nächste Schritt immer, ohne dass ich auf ihn gewartet hätte.

Welche Rolle spielen die sozialen Medien in Ihrem Beruf?

Von Natur aus bin ich eigentlich kein Mensch, der jede private Situation teilen oder zeigen muss. Aber heutzutage gehört Social Media einfach zum Beruf dazu. Vor einem Jahr habe ich mir dazu konkret Gedanken gemacht und mich gefragt, ob ich das lassen oder es etwas intensiver betreiben soll. Ich entschied mich weiterzumachen und habe mittlerweile für mich einen Weg gefunden, der mir Spaß macht. Ich poste fast täglich eine Story und teile Fotos mit meinen knapp 28 000 Followern auf Instagram.

Was hilft gegen den Alltagsstress?

Ich habe mir eine Nintendo Switch mit Mario Kart besorgt und zocke manchmal mit meinem Freund. Zudem gehe ich viel raus, spaziere an der Isar oder in den Bergen.

Zum Abschluss eine Frage zum Thema Profisport und Corona. Passt das zusammen?

Ich wüsste nicht, wozu Corona überhaupt passt. Wie für die meisten Menschen auf der ganzen Welt, war das vergangene Jahr für mich die wahrscheinlich einschneidendste Zeit meines Lebens. Dennoch versuche ich auch hier, das Positive zu sehen. Wie zum Beispiel den enormen Fortschritt in der Digitalisierung, die Bewusstmachung, dass es auch mit weniger Reisen geht, und wie unfassbar wertvoll ein Abend mit Freunden im Restaurant ist. Ich hoffe, dass ich mir diese Wertschätzung für die vermeintlich kleinen Dinge auch danach bewahre.

Das könnte Sie auch interessieren