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Usinger TSG findet »zurück zu den Wurzeln«

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Ganz wichtiger Bestandtteil des Gruppenliga-Teams der Usinger TSG: Max Miot Paschke (rotes Trikot). © Gerhard Strohmann

Winterbilanz: Es ist bislang eine enttäuschende Saison für die Fußballer der Usinger TSG. Der heimische Gruppenligist war lange sogar auf einem Abstiegsrang platziert. Es gibt einen Neuzugang.

Usingen . Nach 20 Spieltagen belegt die erste Mannschaft der Usinger TSG den zwölften Tabellenplatz, zu den Abstiegsplätzen beträgt der Abstand jetzt fünf Pluspunkte. Das ist sicherlich nicht der Anspruch, den die Verantwortlichen an die Mannschaft gestellt haben. Trotzdem ist dieser Tabellenplatz zur Weihnachtszeit noch ein durchaus versöhnlicher Zwischenstand, denn turbulente Wochen liegen hinter den Fußballern der UTSG.

Doch der Reihe nach. Im Juli wurde mit dem 30-jährigen Cagakan Kiran, Leiter einer Fußballschule in Weiterstadt, ein Trainer verpflichtet, der in Sachen Trainingslehre und Coaching ganz neue Richtungen aufzeigen sollte. Die Erwartungen an Kiran waren hoch, der Fall umso tiefer, denn der Coach musste nach nur zehn Spieltagen gehen. Seine Bilanz als Trainer war ernüchternd. Zwei Siege und acht Niederlagen mit einem Torverhältnis von 11:27 bedeuteten Rang 16 in der Tabelle.

Saft- und kraftlos

Die Mannschaft wirkte zu Saisonbeginn saft- und kraftlos, auf dem Spielfeld war keine taktische Ausrichtung zu erkennen, das Coaching an der Seitenlinie war überschaubar. Höhepunkt der Negativserie war das Heimspiel am 12. September gegen den TSV Bad Nauheim, das die UTSG nach ganz schwacher Vorstellung mit 2:6 verlor. Danach brodelte es hinter den Kulissen, eine sportliche Neuausrichtung deutete sich an. Am 30. September war dann für Kiran Schluss, die Spieler Tim Tilger und Pascal Bretschneider übernahmen als Interimstrainer die sportliche Führung.

Aber jetzt nur Kiran für die sportliche Talfahrt verantwortlich zu machen, wäre zu einfach. Von großer Bedeutung waren natürlich auch die Verletzungen wichtiger Leistungsträgern wie unter anderem Nicolai Dörnte und Max Miot-Paschke - geschuldet auch den vielen englischen Wochen in der Pandemiezeit - und andere Nebengeräusche, die beim Rückblick nicht fehlen dürfen.

UTSG-Spielertrainer Bretschneider sagt rückblickend: »Die Erwartungshaltung von Kiran an die Mannschaft war einfach zu hoch. Viele taktische Vorgaben des Trainers konnten gerade von den noch unerfahrenen Spielern einfach nicht umgesetzt werden. Die Ausbildung der Spieler zu bestimmten taktischen Konzepten passte oftmals auch nicht.« Die fehlende körperliche Fitness führt der UTSG-Coach auf die damals schlechte Trainingsbeteiligung zurück. Auch lässt er nicht unerwähnt, dass die lange, pandemie-bedingte Zwangspause im Kombination mit dem außerordentlichen Verletzungspech die fehlende Fitness durchaus erklären. Trotz des Misserfolgs stellt Bretschneider Kiran ein gutes Zeugnis aus. »Er hat ein gutes Fachwissen, ist engagiert und ambitioniert.«

Was hat der Trainerwechsel gebracht? Die Usinger TSG befindet sich wieder in der Spur, das heißt unter der Führung der Interimstrainer Tilger/Bretschneider konnte die Usinger TSG in zehn Meisterschaftsspielen mit fünf Siegen, einem Remis und vier Niederlagen 16 Pluspunkte auf der Habenseite verbuchen. Auffällig dabei ist, dass die Usinger Mannschaft im gesamten Saisonverlauf aber nur Siege gegen die Mitkonkurrenten im Abstiegskampf eingefahren hat. Selbst gegen die direkten Tabellennachbarn DJK Bad Homburg und FG Seckbach gab es Heimniederlagen. Nur gegen den FV Stierstadt reichte es zu einem Punkt gegen eine Mannschaft aus dem vorderen Mittelfeld.

Mit den Siegen in den sogenannten »Sechs-Punkte-Spielen« konnte die UTSG die Abstiegsränge verlassen. Die Mannschaft kann im neuen Jahr den Blick nach oben richten.

Da stellt sich die Frage, was hat das Trainerduo mit diesem Personal anders gemacht? »Back to the basics«, so Bretschneider, heißt das Zauberwort. Die Mannschaft wurde zu den einfachen Dingen zurückgeführt. Auch die Defizite im konditionellen Bereich wurden korrigiert. Der Spaß am Fußball wurde wieder vermittelt und die Spieler zu positivem Denken angeregt. Es wurde am verlorenen Teamgeist gearbeitet, jeder unterstützt wieder seinen Mitspieler auf dem Platz. Das Wort »Einheit« wird jetzt besonders großgeschrieben, im kommenden halben Jahr will das Trainerduo die Elf unbedingt zu alter Stärke zurückführen.

Neuzugang

Aus der Sicht von Bretschneider darf der gegenwärtige Tabellenplatz keinesfalls der Anspruch der Usinger TSG sein. Mit dem in den letzten Spielen von der Mannschaft gezeigten Willen sollten die sportlichen Ziele - sich im vorderen Mittelfeld der Tabelle einzurichten - erreichbar sein. Bretschneider sieht bei allen positiven Betrachtungen aber auch Schwächen in seiner Mannschaft. Der Coach sagt: »Wir sind nicht beständig genug. In schwierigen Situationen lassen sich viele Spieler zu schnell vereinnahmen. Da müssen wir den Hebel ansetzen.«

Für die noch ausstehenden Spiele präsentieren die UTSG-Verantwortlichen mit Oleg Huwa noch einen erfahrenen Neuzugang, der in Bad Vilbel mit Tilger Oberligaerfahrung gesammelt hat. Der 33-jährige ist ein Abwehrspieler, der sehr flexibel eingesetzt werden kann. Tilger: »Von ihm verspreche ich mir eine Verstärkung der Mannschaft, er ist beständig, ruft immer seine Leistung ab. Er kann mit seiner Erfahrung in unserem jungen Team Führungsaufgaben übernehmen.«

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Tim Tilger (rechts, Usinger TSG): erst Kapitän, jetzt einer der beiden UTSG-Spielertrainer. © Gerhard Strohmann

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