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Vom Jäger zum Gejagten

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Ein Urgestein bei Kickers Offenbach: Maik Vetter aus Rosbach steht seit 2014 am Bieberer Berg unter Vertrag. © Imago Sportfotodienst GmbH

(cd). Es ist eine Situation, die bei Kickers Offenbach Ende September kaum jemand für möglich gehalten hätte. Damals war der OFC in der Regionalliga Südwest lediglich Tabellenzehnter - mit sieben Zählern Rückstand auf Rang eins. Nun, elf Wochen später, steht die Mannschaft von Trainer Sreto Ristic ganz oben und hat es selbst in der Hand, als Spitzenreiter in die Winterpause und ins Jahr 2022 zu gehen.

Das steht seit der 0:1-Niederlage von Mainz 05 II am Dienstag beim TSV Steinbach Haiger fest.

Aus dem scheinbar abgeschlagenen Jäger ist der Gejagte geworden. Das bringt zwar nicht nur Vorteile mit sich, freut Thomas Sobotzik aber dennoch. »Diese Tabellensituation ist natürlich angenehmer«, gibt der OFC-Geschäftsführer zu. Der jüngste Höhenflug sei angesichts der starken Ausbeute von zehn Siegen aus den letzten elf Spielen »irgendwie logisch«, meint Sobotzik. Der Sprung an die Spitze war jedoch nur möglich, weil die Konkurrenten zeitgleich weniger Punkte holten. »Sie lassen Federn, weil sie gegeneinander und gegen uns spielen«, sagt der 47-Jährige mit Blick auf die jüngste Häufung an Spitzenspielen. Und in denen hat der OFC bislang die beste Bilanz - im Gegensatz zur vergangenen Runde.

Sobotzik sieht darin aber nicht den Hauptgrund dafür, dass die Kickers jetzt an der Spitze thronen. Der Punkteschnitt des vor etwas mehr als einem Jahr verpflichteten Trainers Sreto Ristic hätte, hochgerechnet auf die gesamte Spielzeit, bereits in der vergangenen Saison zum Gewinn der Meisterschaft und damit zum Aufstieg gereicht, merkt der Ex-Profi an. Nun kommt noch der breitere Kader hinzu. Sobotzik ist sicher: »Das, was wir jetzt an Ausfällen verkraftet haben, hätten wir letzte Saison nicht überlebt. Wir haben jetzt mehr Möglichkeiten, so etwas zu kompensieren. Wir haben echte Alternativen, Jungs, die die Rolle einfach übernehmen oder dafür sorgen, dass wir uns dort sogar gesteigert haben.« Das klingt nach glänzenden Perspektiven, aber das Träumen überlassen die Verantwortlichen des OFC den Fans, die teils schon von der 3. Liga reden.

Er habe im Umfeld diesbezüglich durchaus eine Veränderung wahrgenommen, so Sobotzik. Bewerten mag er das nicht, betont aber: »Nach der Niederlage gegen Schott Mainz waren wir abgeschrieben, jetzt hat man teilweise das Gefühl, als wären wir schon aufgestiegen. Das ist dann das andere Extrem.« Sobotzik bevorzugt weiter eine sachliche Betrachtungs- und Herangehensweise. Falls die Kickers bei einem Sieg im Topspiel am Samstag (14 Uhr) in Ulm mit vier Punkten Vorsprung in die Winterpause gehen würden, hätten sie immer »noch nichts erreicht«. Ohnehin sei das Tabellenbild in einer 19er-Liga, in der immer eine Mannschaft spielfrei ist, »stets verfälscht«. Und gegen direkte Konkurrenten (Ulm, Mainz 05 II, Steinbach) müsse man in der Restsaison ja auch noch antreten.

Sobotzik stellt klar, dass er mit solchen Aussagen nicht krampfhaft die Erwartungshaltung niedrig halten will: »Wir verfahren so aus Überzeugung und Erfahrung.« Alles andere sei nicht hilfreich. »Wir müssen verinnerlichen, dass in dieser Liga jedes Spiel auf der Kippe steht.« Selbst bei hohen Siegen, wie dem 6:1 in Balingen, habe es Phasen gegeben, in denen die Partie hätte kippen können. »Die Liga ist im Vergleich zur vergangenen Saison wesentlich stärker geworden, nicht nur in der Spitze. Es gibt kein echtes Mittelfeld und keinen, der abgeschlagen am Ende steht. Es tut daher gut, sich nicht über den Dingen zu sehen. Alles ist unberechenbar.«

Aktuell beschäftige die Kickers beispielsweise der Zustand der Trainingsplätze, berichtet Sobotzik. Diese werden von Tag zu Tag schlechter. Es sei »sehr schwierig«. Am Dienstag rutschte Tunay Deniz weg und verletzte sich am Sprunggelenk. Der Geschäftsführer hofft jedoch, dass er am Samstag in Ulm zur Verfügung steht. Unabhängig vom Ausgang der Partie habe man für die Restsaison ein klares Ziel: »Wir wollen, dass es so bleibt, wie es seit gut einem Jahr meistens war: Dass wir ekelhaft zu bespielen und schwer zu schlagen sind.« Gelingt das, stehen die Chancen gut, dass der OFC auch am Ende Erster ist.

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