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Vorbildcharakter

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Erich Bruckner mit der Urkunde für 65-jährige Mitgliedschaft bei der SG Ober-Erlenbach und seinem ersten Schläger aus dem Jahr 1972 auf Tennis-Platz 5 in Ober-Erlenbach, den er selbst mit erbaut hat. © Gerhard Strohmann

Hochtaunuskreis (jf). Am heutigen Mittwoch starten die Herren 65 des TC Bad Homburg in der Bezirksliga A Wiesbaden mit dem Hochtaunus-Derby bei der TSG Oberursel auf der Anlage in Weißkirchen in die Tennis-Saison 2022. Bei den Gästen steht natürlich auch Erich Bruckner wieder im Kader, der nun schon seit 50 Jahren begeisterter Hobbysportler ist.

Damit nicht genug: der 74 Jahre alte - besser junge - Bruckner steht an Position neun auch im Aufgebot der Herren 60, die am Samstag um 9 Uhr beim TEC Darmstadt in die neue Hessenliga-Runde starten.

Vor wenigen Wochen ist der »eiserne Erich« von der SG Ober-Erlenbach für 65-jährige (!) Mitgliedschaft geehrt worden und die SGO liegt ihm nach wie vor eng am Herzen. In Ober-Erlenbach ist er nämlich am 26. April 1948 geboren worden, dort lebt er mit seiner Ehefrau, die er vor 49 Jahren geheiratet hat, und dem Verein aus dem Wingert ist er stets verbunden geblieben.

Mitglied bei der 1919 gegründeten Sportgemeinschaft ist Bruckner bereits seit dem 1. August 1957. Als Fußballer hat er ab der C-Jugend alle Jugendteams durchlaufen und im März 1966 als 17-Jähriger seinen ersten Einsatz in der 1. Mannschaft gehabt.

Seine außergewöhnliche Ausdauer, die lebenslang sein Qualitätsmerkmal gewesen ist, verdankt er auch seinem Beruf, denn der drahtige Sportler hat beim Postamt Bad Homburg 35 Jahre lang als Zusteller gearbeitet. Dieser Job ermöglichte ihm die Freiheit, in der Freizeit sehr intensiv seinen sportlichen Hobbys nachzugehen.

»Ein Tag ohne Bewegung ist ein verlorener Tag«, lautet das Motto von Erich Bruckner, der jeden Morgen eine halbe Stunde Gymnastik als festes Ritual in seinem Leben einplant und im Sommer jede Woche mindestens sechs Stunden Tennis spielt (im Winter sind es vier).

Diese bemerkenswerte Einstellung brachte ihm im Laufe der Jahrzehnte viele positive Rückmeldungen. 50 Jahre lang hat er bei der SGO mit großer Leidenschaft Fußball gespielt, ehe er mit 59 bei den Alten Herren die aktive Laufbahn mit den Stollenschuhen endgültig beendete.

»Wir haben dreimal den Kreispokal gewonnen, ich habe dreimal gegen Eintracht Frankfurt gespielt sowie gegen Ajax Amsterdam, Hertha BSC und Dukla Prag«, erinnert er sich an die Glanzzeit der Ober-Erlenbacher, als die Amateurfußballer aus dem Taunus einige Male vor weit mehr als 1000 Zuschauern gegen die Profi-Prominenz gekickt hatten.

Erich Bruckner war auch ganz entscheidend beteiligt, als bei der SG Ober-Erlenbach im Jahr 1972 der Tennis-Sport seinen Erfolgsweg angetreten hat. »Wir hatten damals für 15 D-Mark ein Netz gekauft und dieses auf dem Bitumensportfeld der Grundschule aufgespannt«, erinnert er sich noch gut an die Anfänge. 120 D-Mark und damit ein Drittel seines damaligen Monatsgehalts investierte er in den ersten Dunlop-Schläger, der sich bis auf den heutigen Tag in seinem Besitz befindet und den er zum Fototermin auf der Anlage mitgebracht hat.

Der Tennis-Platz 5 direkt neben dem heutigen Kunstrasenplatz auf der Sportanlage im Wingert ist damals in Eigenhilfe entstanden, den mehr als zwei Dutzend freiwillige Helfer mit Spaten, Schaufeln und Schubkarren gebaut haben. Offiziell eingeweiht wurde er am Pfingstmontag des Jahres 1972 mit einem Schleifchenturnier und natürlich gehörte auch Erich Bruckner mit Mitgliedsnummer 8 zum Teilnehmerfeld.

»Der damalige Vorsitzende Karl Seeger hatte die Zeichen der Zeit erkannt und uns Fußballer im Verein beitragsfrei auch Tennis spielen lassen«. Aus dieser zukunftsweisenden Idee hat sich inzwischen eine starke Abteilung mit rund 300 Mitgliedern entwickelt, die 40 Prozent des gesamten Club-Bestands ausmacht.

Nach einer Zeit des Übergangs, als er an einigen Sonntagen im Mai und Juni morgens Tennis und nachmittags in der damaligen Bezirksliga Frankfurt/West Fußball gespielt hat, ist Erich Bruckner mit 35 Jahren zum Mannschafts-Tennis umgeschwenkt. »Ich war in dieser Sportart Autodidakt und habe mir alles selbst erarbeitet - auch den Aufschlag, mit dem ich inzwischen sehr zufrieden bin«, beschreibt er seine zweite Laufbahn, die von der SG Ober-Erlenbach über den TV Ober-Eschbach und den TC Seulberg (mit dem Aufstieg aus der Bezirksliga B bis in die Hessenliga binnen zehn Jahren) in den Bad Homburger Kurpark geführt hat.

Dort steht er beim Training gelegentlich mit dem ehemaligen Fußball-Weltmeister Andreas Möller auf dem Platz und freut sich auf die Gemeinschaft und sportliche Herausforderungen der Herren 60 und 65, obwohl er längst bei den »70ern« spielen dürfte.

»Früher Björn Borg und heutzutage Roger Federer« sind die sportlichen Vorbilder auf dem Tennis-Court und als Fußballer waren Fritz Walter und Uwe Seeler seine Idole. Das viel zitierte runde Leder - zu Erichs aktiver Zeit stimmte dieser Begriff auch noch - übt für Bruckner nach wie vor eine große Faszination aus. Auf seinem weißen Auto prangt deshalb auch das Logo der Ober-Erlenbacher »Dallesadler«, einem Fan-Club der Frankfurter Eintracht, bei dem er seit zehn Jahren eines von inzwischen 120 Mitgliedern ist. Die alle werden morgen Abend den Schützlingen von Trainer Oliver Glasner kräftig die Daumen drücken, damit in der »Deutsche Bank Arena« gegen West Ham United der Einzug ins Finale der UEFA Europa League gelingt.

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