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100 000 Fans an der Strecke

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Wie zu Michael Schumachers Zeiten: Beim Formel-1-Rennen in Imola werden 100 000 Fans erwartet. © IMAGO

Es geht nach Italien. Dorthin, wo Ferrari-Siege mit Glockengeläut gefeiert und die roten Piloten vergöttert werden. Der neue Gottvater heißt Charles Leclerc.

Es muss ein Fremder gewesen sein, so viel steht fest. Kein Italiener, da ist sich die Ferrari-Community in den Sozialen Netzwerken einig, würde einen Ferrari-Fahrer bestehlen. Schon gar nicht Charles Leclerc, der die roten Titelträume in der Formel 1 befeuert, wie es schon lange keiner mehr getan hat. Eine Luxusuhr im Wert von womöglich mehreren Millionen Euro wurde Leclerc entwendet, als er im toskanischen Badeort Viareggio Autogramme schrieb. »Gotteslästerung« sei dieser Diebstahl, heißt es bei Twitter: »Die härteste Strafe soll den Unhold treffen.«

Der hochbezahlte Charles Leclerc wird den Verlust verschmerzen können, er weiß ohnehin, was die Stunde geschlagen hat. Als souveräner WM-Spitzenreiter kommt »Prinz Charles« zum vierten Saisonrennen nach Imola. Der junge Monegasse hat dem stolzen »Cavallino Rampante«, dem sich aufbäumenden schwarzen Pferd im Ferrari-Wappen, wieder Flügel verliehen - und dabei Red Bull und dessen Weltmeister Max Verstappen bisweilen ziemlich alt aussehen lassen.

Bei Red Bull hat man die Zeichen der Zeit jedenfalls erkannt. »Ferrari ist bei jeder Temperatur, auf jeder Strecke, mit jedem Reifentyp gut«, sagte Motorsportdirektor Helmut Marko der Sport-Bild: »Sie sind die neue Messlatte. Insbesondere Charles Leclerc, der noch mal auf einem höheren Level fährt als Carlos Sainz.«

Und nun also Imola. Italien. Die Emilia-Romagna. Dort, wo der legendäre Michael Schumacher mit der roten Göttin siebenmal gewann, dort, wo der von den Tifosi bis heute verehrte »Michele« nach seinem Sieg 2003 bittere Tränen um seine am selben Tag verstorbene Mutter weinte. Dort, wo die Formel 1 einen ihrer Größten verlor. Dort, wo 1994 Ayrton Senna in den Trümmern seines Williams starb.

Triumph und Tragödie, Geschichte und Geschichten - Imola hat viel zu bieten. Charles Leclerc will ein bedeutendes Kapitel zum Thema »Triumph« schreiben. Der letzte Ferrari-Sieger in Imola war 2006 - wer schon? - Michael Schumacher natürlich. Danach blieb die Formel 1 der Emilia-Romagna 14 Jahre lang fern, ehe sie 2020 auf das Autodromo Enzo e Dino Ferrari zurückkehrte. Der letzte WM-Titel für Ferrari liegt ähnlich lange zurück: 2007 war Kimi Räikkönen nach der Ära Schumacher der letzte Weltmeister in Rot.

In diesem Jahr sieht es richtig gut aus für die Edelschmiede aus Maranello. Leclerc führt das WM-Klassement mit 71 Punkten an, der zweitplatzierte Mercedes-Youngster George Russell hat bereits 34 Punkte Rückstand. Weltmeister Verstappen ist trotz der goldenen »1« auf seinem Auto mit 25 Zählern nur die Nummer sechs im Ranking, Rekord-Champion Lewis Hamilton findet sich in dem bockenden Mercedes mit 28 Punkten auf Platz fünf wieder.

Und nun? Genau: Imola. Ferraris sportliche Wiedergeburt mobilisiert in Italien die Massen.

Alle Tickets für das vierte Saisonrennen sind verkauft, erwartet werden 100 000 Fans. Erstmals nach zwei Pandemie-Jahren sind wieder Zuschauer auf den Tribünen zugelassen. Sie werden die roten Renner mit Leclerc und Sainz durch jede Runde bis ins Ziel tragen. Wen kümmert da schon eine gestohlene Uhr?

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