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80 000 Dollar erschwommen

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Weltrekord über 1500 m und ein Preisgeld von 80 000 Dollar - Florian Wellbrock hat bei der Kurzbahn-WM un Abu Dhabi allen Grund zur Freude. © IMAGO

Gold, viel Geld und ein Weltrekord: Besser hätte der Jahresabschluss für Florian Wellbrock nicht laufen können. Seine Motivation für neue Heldentaten ist groß.

Als ausgebildeter Immobilienkaufmann kann Florian Wellbrock gut mit Geld umgehen. Die insgesamt 80 000 US-Dollar, die der Olympiasieger beim Jahresabschluss am Persischen Golf als Prämie erschwommen hat, werde er ganz sicher »nicht komplett auf den Kopf hauen«. Aber eine Uhr, die er »seit Längerem im Auge« habe, würde er sich schon gerne selbst als Geschenk unter den Weihnachtsbaum legen.

Wenn das Geld vom Weltverband FINA überwiesen ist, wolle er »nochmal auf meinen Kontostand gucken und mir eventuell die Uhr zulegen«, sagte der 24-Jährige. Diese Belohnung hat er sich redlich verdient: Zum Abschluss der Kurzbahn-WM in Abu Dhabi gelang ihm mit dem Titel über 1500 m Freistil in Weltrekordzeit (14:06,88 Minuten) ein echter Coup.

Plötzlich stand der junge Mann, der das Rampenlicht meidet, wieder mittendrin im Zentrum der Aufmerksamkeit. »Ich hatte unheimlich viele Interviews in der Halle, Fans und Volunteers wollten Autogramme und Fotos«, berichtete der Doppel-Weltmeister von 2019. Und als er in einem stillen Moment bei der Dopingkontrolle sein Handy anschaltete, legte er es schnell wieder weg: 150 Nachrichten.

Mit einem Kumpel ließ der Magdeburger den Abend »entspannt ausklingen«, am Mittwochmorgen ging es dann mit dem Flieger in die Heimat - aber noch nicht in den Weihnachtsurlaub. Für den 23. Dezember stehen noch zwei Trainingseinheiten auf dem Plan, erst dann kann Wellbrock für drei Tage ausspannen und sein herausragendes Jahr Revue passieren lassen: Gold (10 km) und Bronze (1500 m) bei Olympia, WM- und EM-Titel auf der Kurzbahn, Platz zwei bei der Wahl zum »Sportler des Jahres«, und als Krönung nun sein erster Weltrekord.

Auch Stunden später hatte Wellbrock »noch gar nicht realisiert, dass ich der schnellste Mann bin, den es jemals gegeben hat«. Zumindest über 1500 m auf der 25-m-Bahn. »Und das nach zwei anstrengenden Jahren mit dem verrückten 2020«, sinnierte Wellbrock, »das war ein sehr emotionaler Moment.«

Die Gefühle mussten irgendwie raus, und so feierte der Doppel-Weltmeister von 2019 noch im Wasser mit einer für seine Verhältnisse exzentrischen Jubelpose. »Da hat man sich für einen kurzen Moment nicht so unter Kontrolle«, sagte der sonst eher zurückhaltene Wellbrock halb entschuldigend.

Folgt jetzt der Angriff auf den Langbahn-Weltrekord (14:31,02)? Den hält seit Olympia 2012 der höchst umstrittene Chinese Sun Yang, der aktuell eine vierjährige Dopingsperre absitzt. Wellbrocks Bestzeit ist »nur« rund fünf Sekunden entfernt, aber der Weltrekord auf der 25-m-Bahn helfe ihm dabei nicht, so Wellbrock: »Das ist noch mal ein ganzes Stück Arbeit und ein Unterschied.«

Aber Wellbrock wird den Angriff wagen, jetzt erst recht. Zumal er Bernd Berkhahn, den er für den besten Trainer hält, als Heimcoach an seiner Seite weiß. »Fest steht, dass ich ohne Bernd sportlich und auch persönlich nicht da wäre, wo ich heute bin«, sagte der gebürtige Bremer.

Vielleicht ist bei der üppigen WM-Prämie ja auch noch ein Extra-Geschenk für den Trainer drin.

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