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Absurde Situation

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Bundestrainer Alfred Gislason ist angesichts weiterer Corona-Infektionen im DHB-Team mehr denn je auch als Krisenmanager gefragt. © IMAGO

Corona-Sorgen hier, Halbfinal-Hoffnungen da - die deutschen Handballer erleben bei der EM eine Achterbahn der Gefühle. Vor dem Hauptrunden-Auftakt am Donnerstag gegen Titelverteidiger Spanien rollt Omikron weiter durch das deutsche Team.

Am Tag vor dem Handball-Klassiker gegen Spanien schlug Omikron erneut gnadenlos zu und stellte die gesamte deutsche EM-Mission infrage. Beim freiwilligen Training in Bratislava stand Bundestrainer Alfred Gislason nur noch ein Restkader zur Verfügung, wenig später sickerte durch: Drei weitere Spieler haben sich mit Corona infiziert - die personelle Lage im DHB-Team nimmt vor dem Auftakt in die Hauptrunde dramatische Züge an.

Trotz inzwischen zwölf coronabedingten Ausfällen will die deutsche Mannschaft zum Hauptrunden-Auftakt gegen Titelverteidiger Spanien am Donnerstag (18 Uhr/ARD) antreten. Einen Rückzug aus dem Turnier wird es vorerst nicht geben. Das ist das Ergebnis einer Krisensitzung des Deutschen Handball-Bundes (DHB) mit Vertretern der Bundesliga.

Nach den neuen Coronafällen von Mittwoch werden die Rückraumspieler Lukas Stutzke und David Schmidt sowie Rechtsaußen Tobias Reichmann zum Team stoßen. Die Situation ist herausfordernd: »Wir kämpfen an allen Fronten. Wir müssen uns alle mit Dingen beschäftigen, die nichts mit Sport zu tun haben«, sagte DHB-Teammanager Oliver Roggisch in einem Online-Verbandstalk: »Das ist brutal.«

Durch die positiven Befunde bei Sebastian Heymann, dem bislang besten DHB-Schützen Christoph Steinert (17 Tore) und Djibril M’Bengue hatte sich die Zahl der deutschen Spieler in Quarantäne am Nachmittag auf zwölf erhöht. Elf der ursprünglich 17 für die EM nominierten Spieler fallen mittlerweile aus - dazu noch der nachträglich berufene Hendrik Wagner. Durch die bisherigen Nachnominierungen befinden sich momentan insgesamt 25 DHB-Spieler in Bratislava, nur 13 von ihnen sind für das Spanien-Spiel einsatzfähig.

»Man muss momentan festhalten, dass die Infektionskette nicht abreißt. Da ist unser EM-Team leider ein Spiegelbild der Gesellschaft«, sagte Ligapräsident Uwe Schwenker dem SID: »Jetzt aber unendlich mit Spielern aus der Bundesliga nachzuladen, macht keinen Sinn.« Und so bleibt einzig die Hoffnung auf ein ganz schnelles Ende der »Corona-Explosion« (Gislason). Die Spanier haben dagegen bislang noch keinen Ausfall vermeldet. Alles läuft auf ein ungleiches Duell mit dem großen Turnierfavoriten hinaus.

Bob Hanning hatte bereits vor dem virtuellen Krisentreffen vor Schnellschüssen gewarnt, zumal die Krankheitsverläufe bei den Spielern »milde« seien und kaum über einen Schnupfen hinausgingen. Der frühere DHB-Vizepräsident und Manager der Füchse Berlin sagte bei ntv, er sei selbst »ein großer Freund davon, das Turnier fortzusetzen, weil ich auch glaube, dass einige Spieler zum Ende der Gruppenphase wieder zurückkommen«. Nach fünf Tagen können sich Infizierte beim Turnier in der Slowakei freitesten.

Gislason hatte die »sehr absurde Situation« bereits vor den nächsten Omikron-Nachrichten anschaulich beschrieben. »Das ist die spannendste Zeit des Tages, das Warten auf die Resultate des COVID-Tests«, sagte der Isländer. Die Lust auf die Kracher in der Hauptrunde ist ebenso groß wie die Angst vor weiteren Coronafällen. Und die blieben nicht aus.

Dabei machen die bisherigen Vorstellungen sportlich Appetit auf mehr - und sorgten bei den Spielern im Kampf ums Halbfinale für eine breite Brust. »Wir haben jetzt vier Finalspiele, die wir im Idealfall gewinnen. Wenn wir das schaffen, ist ganz viel möglich«, hatte etwa Turnierdebütant Steinert forsch gesagt - bevor auch er ausgebremst wurde. Elf der ursprünglich 17 nominierten Spieler fallen mittlerweile aus - dazu noch der nachnominierte Hendrik Wagner.

In der Heimat verfolgen immer mehr Zuschauer die lebendigen Auftritte der schwer angeschlagen Auswahl des Deutschen Handball-Bundes. Mehr als fünf Millionen Zuschauer sahen den Vorrundenabschluss gegen Polen, die bislang beste deutsche Turnierleistung. Nun wartet nicht nur für den erfahrenen Gislason der »auf dem Papier und in der Realität schwerste Gegner überhaupt«. Seine Mannschaft wäre auch ohne ein Dutzend Infektionen »krasser Underdog«.

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