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Baumgarts emotionale Rückkehr

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(sid). Es braucht nicht viel Fantasie, um sich Steffen Baumgart als Fußball-Fan im Stadion An der Alten Försterei vorzustellen. Leidenschaftlich und enthusiastisch ist er ja, das ist hinlänglich bekannt. Und große Sympathien für seinen Ex-Klub hat der frühere Kapitän von Union Berlin ohnehin - doch am Freitag muss diese alte Bindung zumindest für einige Stunden ruhen.

Dann kehrt Baumgart als Gegner an seine alte Wirkungsstätte zurück, und Gastgeschenke wird er dabei kaum verteilen wollen. »Wir müssen so auftreten, dass es für uns ein gutes Erlebnis ist. Ich kann mir kein besseres Spiel für Freitagabend vorstellen«, sagte Baumgart, der Union-Coach Urs Fischer in der »Bild«-Zeitung als den »besten Trainer, den es gibt« bezeichnete. Der Schweizer selbst sprach von einer »guten Verbindung« zwischen den beiden Trainern und riet Baumgart lächelnd: Mit den Lobeshymnen »soll er es bitte nicht übertreiben«.

Wie gut die beiden Trainer arbeiten, spiegelt die Bundesliga-Tabelle wider. Beide Teams haben noch Chancen auf den Europapokal. Köln belegt vor dem Spiel am Freitag (20.30 Uhr/DAZN) den siebten Platz, der je nach Ausgang des Pokalfinales fürs internationale Geschäft genügen könnte. Union folgt mit zwei Punkten Rückstand als Neunter. »Träumen«, betonte Baumgart im Gespräch mit der »Kölnischen Rundschau«, »ist nicht verboten. Wir werden nicht die Handbremse ziehen.« Dafür gibt es auch keinen Anlass, Köln hat nach dem jüngsten Sieg gegen Bayer Leverkusen (1:0) und dem 1:1 gegen Borussia Dortmund jede Menge Selbstbewusstsein im Gepäck. Allerdings gelang dem FC in der Fußball-Bundesliga noch kein Sieg gegen Union.

Gespielt wird vor großer Kulisse, erstmals seit dem Berliner Derby gegen Hertha BSC (2:0) am 20. November darf Union ein Heimspiel vor vollen Rängen austragen. Alle 22 012 Plätze werden belegt sein. »Sie sollten sich darauf freuen«, riet Baumgart seinen Profis, ein solches Spiel unter Flutlicht sei einfach »ein schönes Erlebnis. Es wird eine sensationelle Stimmung geben.«

Baumgart hatte von 2002 bis 2004 insgesamt 68 Spiele für Union absolviert und 22 Tore erzielt, mit seiner emotionalen Art stieg er zum Publikumsliebling auf - und auch in Köln ist der 50-Jährige mittlerweile nicht mehr wegzudenken. Aus dem Fast-Absteiger der Vorsaison hat er einen Aspiranten für Europa gemacht, der schnörkellos nach vorne spielt, der sich wehrt, der begeistert.

»Er holt dich ab, er entfacht eine Magie in einem Verein«, sagte Unions Sven Michel, der früher beim SC Paderborn von Baumgart trainiert wurde: »Alle stehen dahinter, alle haben Bock, machen mit. Das kann er halt. Alles, was er macht, hat Hand und Fuß.« Das soll Baumgarts alte Liebe aus Berlin zu spüren bekommen.

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