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Berliner Großbaustelle

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Während Felix Magath seine Mission bei Hertha BSC erfüllt hat, sind Robert Glatzel und sein HSV am Boden. FOTO: IMAGO © IMAGO

(dpa). Felix Magath hackt künftig Holz. Kevin-Prince Boateng will erstmal nur noch auf die Couch. Herthas Retter-Helden gönnen sich jetzt ihr Privatvergnügen. Und Präsident Werner Gegenbauer erklärt wenige Stunde nach einem Club-Dementi doch seinen von allen erwarteten Rücktritt. Nur Fredi Bobic muss nach dem Klassenerhalt im Relegationskrimi gegen den Hamburger SV beim Berliner Fußball-Bundesligisten so richtig ran.

Und ein Ende im Big-City-Drama ist noch lange nicht in Sicht.

Mit dem laut Berichten angeblich schon fixen, dann dementierten und am frühen Abend schließlich doch offiziell verkündeten Rücktritt von Club-Boss Gegenbauer sorgte die Hertha am Dienstag wieder für eine beachtliche Verwirrung, die zu dem konfusen Saisonverlauf passte.

Bobic trat als Mahner und letzter verbliebener Macher auf und gab den von ihm gewünschten Kurs für die kommenden Wochen vor: »Jetzt ist es der letzte Wink für alle, nicht nur im Verein, sondern auch im Umfeld zu verstehen, was es heißt, durch schwere Zeiten zu gehen. Diese Relegation war die letzte Chance«, sagte Bobic. Sonst könnte es wieder eng werden mit dem Klassenerhalt und womöglich sogar ein Schicksal drohen wie dem HSV, der zur fünften Runde in der Zweitklassigkeit antreten muss.

Groß ist beim Geschäftsführer die Sorge, dass die Hertha schon bei der Mitgliederversammlung am Sonntag durch eine Fan-Revolte oder zu forsche Forderungen von Millionen-Investor Lars Windhorst in ein Macht-Vakuum und ins Führungschaos stürzen könnte. »Alle müssen sich jetzt committen«, forderte Bobic.

Dass Gegenbauer über die Versammlung hinaus noch Hertha-Boss sein konnte, hatte auch Bobic sicher nicht mehr geglaubt, auch wenn die Bestätigung da noch ausstand. Die Zeit des Patrons, der Bobic nach Berlin zurückholte, ist abgelaufen bei der Hertha. Wie auch für Finanzchef Ingo Schiller, der nur noch bis Oktober bleibt.

Das neue Führungspersonal darf bei der wohl Ende Juni, Anfang Juli fälligen Außerordentlichen Mitgliederversammlung nicht aus der Emotionalität heraus ausgewählt werden, warnt Bobic. Der Club wird vorerst von Vize-Chef Thorsten Manske geführt. Die Macht liegt aber jetzt für kurze Zeit bei den Hertha-Mitgliedern als Stimmvolk.

Bis ein neuer Präsident da ist, muss Bobic aber schon die Weichen stellen. »Es ist wichtig, dass die Menschen wissen, was wichtig ist. Wir müssen handlungsfähig bleiben, wir brauchen Kontinuität«, mahnte der Manager. Populismus brauche kein Mensch, Fürsorgepflicht für den Verein sei das Gebot, sonst war die beachtliche Leistungssteigerung beim 2:0 in Hamburg umsonst.

Bobic hat vorgearbeitet. Schnell will er einen neuen Trainer präsentieren, für Magath, der sich nach seinem nächsten Rettungscoup zur handfesten Gartenarbeit mit der Axt verabschiedete. »Ich bin sehr, sehr weit mit den Gesprächen. Es wird sicher so sein, dass wir in den nächsten Tagen einen neuen Trainer präsentieren können«, sagte Bobic. Als Favorit gilt der frühere Mainz-Trainer Sandro Schwarz, der zur Zeit bei Dynamo Moskau arbeitet.

Während sich Magath als Sieger mit einem üppigen Honorar und dem guten Gefühl, ein Experte für Rettungstaten zu bleiben, bis zur nächsten Mission - wo auch immer - wieder von der Bundesliga-Bühne verabschiedet, beginnt für Bobic die wirkliche Arbeit.

Selbstzerfleischung beim HSV bleibt aus

Derweil regierten beim seit 2018 »unaufsteigbaren« HSV tiefer Frust und Enttäuschung, doch die fast schon obligatorische Selbstzerfleischung der vergangenen Jahre blieb in der Hansestadt diesmal aus. Stattdessen kündigte Coach Tim Walter den Angriff der Norddeutschen auf das Oberhaus an. »Wir haben etwas angestoßen«, sagte er. In Hamburg sei »extrem etwas entstanden. Wir sind noch nicht fertig«. Zur Zeit deutet alles darauf hin, dass Walter am 15. Juli als erster Coach der HSV-Geschichte in seine zweite Zweitliga-Saison gehen darf.

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