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Breitensport ist bedroht

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Lucas Matzerath auf dem Weg zu EM-Bronze über 50 m Brust. © AFP

(sid). Keine Schließung von Sportstätten, keine Lockdowns - und mehr Geld! Die Energiekrise hat zu den reflexartigen Forderungen des organisierten Sports an die Politik geführt, DFB-Präsident Bernd Neuendorf darf sogar im Kanzleramt vorsprechen. Für einen Austausch über die Probleme der 24 500 Vereine besucht der 61-Jährige am Dienstag die Hauptstadt.

In Berlin geht es auch um Finanzhilfen für Vereine und Kommunen sowie eine Investitionsoffensive für Sportstätten. DOSB-Präsident Thomas Weikert brachte die Forderungen des Dachverbandes zudem bei der Sportministerkonferenz am Dienstag in München vor.

Bob Hanning, der Geschäftsführer des Handball-Bundesligisten Füchse Berlin, sieht die Verantwortung beim Meistern der nächsten existenziellen Krise für den Breitensport nach Corona keinesfalls allein aufseiten der Politik. Für ihn trägt in der aktuellen Situation »vor allem der Profisport eine große gesellschaftliche Verantwortung«. Angesichts der steigenden Kosten und der angekündigten Gasumlage von 2,4 Cent pro Kilowattstunde »müssen wir Profivereine jetzt leuchtende Vorbilder sein. Wir stehen in der Pflicht«, sagte Hanning: »Wir müssen Energie sparen, wo wir können, und den Sport für die breite Masse bezahlbar halten.«

Nicht wenige fürchten den nächsten Lockdown - eine Ultima Ratio, die für DEL-Boss Gernot Tripcke von der Deutschen Eishockey-Liga undenkbar ist. »Nach zwei Jahren der Symbolpolitik, in denen der Sport in Deutschland durch Schließungen und Verbote im internationalen Vergleich benachteiligt worden ist, darf der Sport auf keinen Fall wieder der Leidtragende sein«, sagte Tripcke. Als Betreiber der meisten Hallen sei die öffentliche Hand gefragt, »den Sport weiter zu ermöglichen und bezahlbar zu halten«.

Die Auswirkungen der steigenden Energiekosten sind schon spürbar. Temperaturabsenkungen in Schwimmbädern und Sporthallen oder kalte Duschen in den Umkleiden gehören im Breitensport vielerorts längst dazu. Wieder trifft es den Amateursport. Wieder die Jugend. Um den Profisport, da sind sich die Funktionäre einig, muss man sich zumindest kurzfristig wohl keine Sorgen machen. »Uns geht es - auch durch die staatlichen Corona-Hilfen der letzten Jahre - so gut, dass wir die Energiekrise bewältigen können«, bekräftigte Hanning.

(dpa). Spitzenschwimmer Florian Wellbrock hat nach seiner Corona-Infektion eine EM-Medaille auf seiner Spezialstrecke verfehlt. Der 24-Jährige schlug im Rennen über 1500 Meter Freistil nach 15:02,51 Minuten an und belegte damit Rang fünf. Zum Europameister krönte sich der Ukrainer Mychajlo Romantschuk in 14:36,10 Minuten. Silber sicherte sich der italienische Weltmeister Gregorio Paltrinieri, Bronze ging an Damien Joly aus Frankreich.

Vor Florian Wellbrock hatte Brustschwimmer Lucas Matzerath am Dienstagabend Bronze im 50-Meter-Rennen gewonnen und dies ausgelassen bejubelt. »Wahnsinn«, sagte Lucas Matzerath hellauf begeistert. »Die Atmosphäre ist einfach geil!«

Während der 22-Jährige seine erste Medaille bei einer großen internationalen Meisterschaft holte, kennt sich Wellbrock mit Siegerehrungen bestens aus. Nach fünf Medaillen bei fünf Starts bei der WM im Juni blieb ihm das sechste Edelmetall bei einer Großveranstaltung in diesem Sommer jedoch verwehrt.

»Nach 250 Metern habe ich schon gemerkt, dass ich mit den Jungs vorn nicht mithalten kann. Aber ich hatte noch auf Bronze gehofft. Wir wussten, worauf wir uns einlassen. Es ist nach der erfolgreichen WM mit fünf Medaillen zu verkraften«, sagte Wellbrock. Ins längste Beckenrennen geht er normalerweise als einer der Topfavoriten. Diesmal war das anders.

Der Magdeburger war nach den Weltmeisterschaften in Budapest, wo er bei fünf Starts fünf Medaillen gewann, wie viele Athletinnen und Athleten an Covid-19 erkrankt und konnte länger nicht trainieren. Wellbrock reiste nicht in Topform zur EM. Die Leistungen des Freiwasser-Olympiasiegers schwankten.

Während seine Teamkollegen Lukas Märtens und Isabel Gose Medaillen gewannen, verzichtete Wellbrock auf das Rennen über 800 Meter Freistil. Statt sich von den enthusiastischen Fans am Freiluftbecken im Foro Italio feiern zu lassen, trainierte er und nahm die Atmosphäre an den ersten EM-Tagen als Zuschauer wahr.

Erst am Montag und damit am fünften Wettkampftag startete Wellbrock erstmals. Für das Finale qualifizierte er sich in 15:06,18 Minuten als Fünfschnellster der Vorläufe. Ihm selbst war es anschließend schwergefallen, seine Medaillenchancen einzuschätzen. Unter Druck setzen lassen, wollte er sich nicht. »Ich habe bei den Weltmeisterschaften gezeigt, was ich kann«, sagte Wellbrock. »Deswegen brauche ich hier nicht irgendwie über die Stränge schlagen.«

Bei der WM und 2021 bei den Olympischen Spielen hatte er über 1500 Meter jeweils Bronze gewonnen. Nach Matzeraths drittem Platz steht das deutsche Team vor dem letzten Tag der Beckenwettbewerbe bei fünf EM-Medaillen.

(dpa/dani). Fußball-Bundesligist Eintracht Frankfurt muss einem »Bild«-Bericht zufolge zwei Monate lang auf Abwehrspieler Almamy Touré verzichten. Der 26-Jährige soll demnach beim 1:1 gegen Hertha am vergangenen Samstag eine schwere Muskelverletzung erlitten haben. Vom Verein blieb eine offizielle Bestätigung aus, die Eintracht will sich erst heute äußern. Touré war beim Remis in Berlin eine Viertelstunde vor Schluss ausgewechselt worden.

Die Eintracht und Trainer Oliver Glasner haben nach dem Karriereende von Martin Hinteregger hinten eine dünne Personaldecke. Tourés Ausfall kommt zu einer ungünstigen Zeit, zumal Evan Ndicka (Vertragsende Juni 2023) noch immer ein Verkaufskandidat ist. Laut »Bild«-Informationen könnte die Eintracht auf dem Transfermarkt noch mal aktiv werden. Angepeilt ist demnach eine Leihe eines etablierten Profis bis Saisonende.

Hauge geht,

kommt Ebimbe?

Aktuell deutet außerdem viel darauf hin, dass sich die Hessen im zentralen Mittelfeld verstärken: Junior Dina Ebimbe, 21-jähriger Franzose, soll als Alternative zu Djibril Sow, Kristijan Jakic und Sebastian Rode kommen. Mit dem Spieler sind sich die Frankfurter einig, mit dessen aktuellem Arbeitgeber, Paris Saint-Germain, soll es nun einen Durchbruch gegeben haben. Die Ablöse soll bei etwa sechs Millionen Euro liegen, anfangs hatte Paris für seinen Ergänzungsspieler rund zehn Millionen gefordert.

Unterdessen hat die Eintracht der Norweger Jens Petter Hauge (22) verliehen - bis zum Ende der Saison an KAA Gent, den amtierenden belgischen Pokalsieger. Das teilte die SGE am Mittwochabend mit. Hauge (Vertrag bis 2026) hatte nach einer schwachen Vorbereitung kaum Chancen auf Einsätze.

(sid/dpa). Punktsieg vor Gericht für Martin Kind: Der Geschäftsführer der Profiabteilung des Fußball-Zweitligisten Hannover 96 darf seinen Job per einstweiliger Verfügung vorerst weiter ausüben. Dies ist das Ergebnis einer mündlichen Verhandlung vor dem Landgericht Hannover am Dienstag.

Ende Juli war Kind vom Vorstand des Muttervereins Hannover 96 e. V. als Geschäftsführer der Profifußball-Gesellschaft »aus wichtigen Gründen« abberufen worden. Dagegen setzte sich der langjährige Vereinsboss juristisch zur Wehr - und fuhr in dem Eilrechtsverfahren am Dienstag nun einen Teilerfolg ein. Kind darf bis zum bislang nicht terminierten Hauptverfahren als Geschäftsführer der Hannover 96 Management GmbH arbeiten. Die Gegenseite hat aber die Möglichkeit, vor dem Oberlandesgericht in Celle in Berufung zu gehen.

»Dem Verfahrensteller wird gestattet, sein Amt weiter auszuüben«, sagte Richter Carsten Peter Schulze. Konkret bedeutet dies, dass die Abberufung bis zum hauptsächlichen Verfahren nicht wirksam ist, solange beispielsweise der Aufsichtsrat der Management GmbH, der mit je zwei Vertretern der Kapital- und Vereinsseite besetzt ist, keine Abberufung beschließt. Doch der Konflikt ist damit vermutlich nicht beigelegt.

Der Mutterverein hatte mit der Abberufung die maximale Eskalationsstufe gewählt und Kind wehrt sich juristisch. Während die einen die finanzielle Verdienste des 78-Jährigen für den Verein hervorheben, werfen die anderen ihm eine Distanz zum Fußball und Alleingänge vor. Die Gründe für die Abberufung blieben bislang eher nebulös. Vielmehr scheinen einzelne, kleinere Stellvertreterkonflikte das ohnehin strapazierte Verhältnis aus Sicht des Muttervereins ausgereizt zu haben. Unter anderem geht es um den Vorwurf, »mehrfach und gravierend gegen Weisungen und vertragliche Vereinbarungen verstoßen« zu haben, was die Kind-Seite bestritt.

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Almamy Touré, der noch während des Spiels in Berlin behandelt wurde, fällt offenbar zwei Monate aus. © IMAGO

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