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Corona-Schock für DHB-Team

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Gefragter Gesprächspartner: Till Klimpke, der Torhüter der HSG Wetzlar, am Montag beim Medientermin vor dem Mannschaftshotel der deutschen Nationalmannschaft. © DPA

Jetzt hat es die deutschen Handballer richtig schwer erwischt. Fünf weitere Spieler werden positiv getestet, insgesamt gibt es bei der EM im DHB-Team schon sieben Corona-Fälle. Für die Partie gegen Polen stehen nur noch elf gesunde Akteure zur Verfügung. Die Hoffnungen ruhen nun umso mehr auch auf dem Shootingstar Till Klimpke.

Till Klimpkes Handy stand nicht still. »Ich habe noch heute morgen viele tolle Telefonate in die Heimat geführt«, berichtete der Shootingstar der deutschen Handballer am Montag mit leuchtenden Augen: »Es kamen sehr viele Glückwünsche, dass ich es ganz gut gemacht hätte.«

Nach dem Rausch seiner EM-Heldentaten gegen Österreich (34:29) legte der Youngster der HSG Wetzlar den Fokus aber ganz schnell auf das wegweisende Vorrundenfinale gegen Polen. »Der Hauptrunden-Einzug ist ein schöner Schritt, aber wir wollen das letzte Gruppenspiel natürlich auch gewinnen«, sagte Klimpke, dick eingemummelt in eine schwarze Winterjacke, vor dem Teamhotel im eisig kalten Bratislava.

In der Partie am Dienstag (18.00 Uhr/ZDF) kämpft das DHB-Team schließlich um mehr als nur den Gruppensieg. Da die Punkte aus dem Polen-Spiel definitiv mit in die nächste Turnierphase genommen werden, geht es schon um die deutschen Halbfinalchancen. »Es wird ein brutaler Kampf, da müssen wir ab der ersten Sekunde da sein. Wir sind hungrig«, sagte Rückraumspieler Sebastian Heymann. Klimpke meinte: »Wir wollen den Gruppensieg, auf jeden Fall.«

Daran sollen auch die neuerlichen Corona-Turbulenzen nichts ändern. Am Montag wurden gleich sechs weitere Akteure positiv auf das Virus getestet. Nach Nachzügler Hendrik Wagner folgte am Abend die Schocknachricht, dass es auch ein Quintett um Keeper Andreas Wolff erwischt hat.

Betroffen sind konkret Torwart Andreas Wolff, die Rückraumspieler Kai Häfner und Luca Witzke sowie die Außen Timo Kastening und Lukas Mertens. Nachdem sich zuvor bereits Julius Kühn und dessen Ersatzmann Hendrik Wagner mit dem Coronavirus infiziert hatten, fallen insgesamt sieben deutsche Akteure bei der Endrunde in Ungarn und der Slowakei aus.

Die nachnominierten Torwart-Routinier Johannes Bitter, Linksaußen Rune Dahmke, Kreisläufer Sebastian Firnhaber sowie die Rückraumspieler Paul Drux und Fabian Wiede sollen schon am Dienstag zum Team in Bratislava stoßen, wie der DHB am Montagabend mitteilte.

»Wenn du positiv bist, dann bist du positiv. Das kannst du nicht ändern«, hatte der nun betroffene Kastening am Sonntagabend nach dem 34:29 gegen Österreich noch gesagt. »Du kannst nur auf einen milden Verlauf hoffen, das wünsche ich jedem. Aber es bleibt nicht aus - gerade wenn man sich entscheidet, an einem Großturnier teilzunehmen. Da kann man die Kontakte nicht auf Null herunterfahren.«

Der ehemalige DHB-Kapitän Uwe Gensheimer sprach am Montagabend von einem Worst-Case-Szenario. »Es tut mir unfassbar leid für die Mannschaft, den Staff, für alle drumherum, weil ich weiß, dass unfassbar viel Aufwand betrieben wurde. Dass das jetzt so passiert, ist auf jeden Fall ein Schock für alle«, sagte der Linksaußen von den Rhein-Neckar Löwen.

Betroffen von der Corona-Welle sind Wolff, Häfner, Witzke, Kastening, Mertens und Wagner

Dabei hatte der DHB alle möglichen Vorkehrungen getroffen, um dieses Schreckensszenario auszuschließen. Für die Spieler waren im Hotel extra zwei Etagen geblockt.

Ungeachtet der sieben Coronafälle binnen 48 Stunden bereitete Bundestrainer Alfred Gislason sein Team im Abschlusstraining am Nachmittag auf das Duell mit Polen vor. Dabei wird es vor allem auf Klimpke ankommen, der ohne den 2016er-Europameister Wolff plötzlich als einziger Torwart im Aufgebot steht. Als möglicher Nachrücker ist Routinier Silvio Heinevetter von der MT Melsungen angefragt.

In gewisser Weise erinnert Klimpke in diesen Tagen an den jungen Wolff. Wie er sich den gegnerischen Schützen voller Leidenschaft entgegenwirft, wie er gehaltene Bälle mit weit aufgerissenem Mund und geballten Fäusten feiert und wie er als Lautsprecher das Team unermüdlich antreibt.

Die Parallelen rühren womöglich aus der gemeinsamen Vergangenheit. Während Wolff seinerzeit als Wetzlarer Jungprofi zum gefeierten Nationaltorhüter aufstieg, hütete Klimpke beim HSG-Nachwuchs das Tor. Beide hatten sogar denselben Torwarttrainer. »Es ist eine sehr gute Beziehung, wir kennen uns nun schon sehr lange. Er hilft mir sehr viel«, sagte Klimpke über das Zusammenspiel.

Klimpke steht sinnbildlich für die DHB-Rasselbande und das bisherige EM-Turnier. Gislason vertraut seinen Neulingen. Er lässt sie Fehler machen, ohne sie direkt wieder rauszunehmen - und die zahlen es ihm mit erfrischend forschen Auftritten zurück. Gegen Österreich waren es die international unerfahrenen Akteure, die Heymanns, die Lukas Mertens, die Christoph Steinerts, die Luca Witzkes und die Klimpkes, die dem deutschen Spiel ihren Stempel aufdrückten. FOTO: DPA/SID

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Der nachnominierte und ab Sommer für die HSG Wetzlar spielende Hendrik Wagner ist - wie fünf weitere Akteure - positiv getestet. © IMAGO

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