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DEL in Schieflage

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(dpa). Der Schein einer zurückgekehrten Normalität in der Deutschen Eishockey-Liga trügt. Sieben Spiele sind für Freitag angesetzt, wie an einem normalen Spieltag. Nach vielen Corona-Fällen und Absagen sind die Sorgen, dass mehrere Teams gleichzeitig in Quarantäne sind, momentan vorbei. Neue Probleme aber drohen: Nicht alle ausgefallenen Partien werden nachgeholt.

Der Absteiger könnte über den Punktekoeffizienten feststehen. Und wenn die Clubs in den Playoffs ähnlich stark betroffen sein sollten wie zuletzt, könnte das Virus über die Meisterschaft entscheiden.

»In den Playoffs ist es nicht so, dass Spiele wiederholt oder nicht gewertet werden. Dann sind halt Spiele verloren«, sagte DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke und setzt seine Hoffnung auf andere: »Ich hoffe, dass die Gesundheitsämter ein bisschen sensibler oder großzügiger sind, wenn es um die Kontaktquarantäne von gesunden Spielern geht.« Verpasst ein Team ab dem Playoff-Viertelfinale ein oder zwei Spiele, kann es die Serie noch drehen. Theoretisch aber kann auch ein Club Meister werden, ohne ein Finalspiel zu bestreiten. Bis zum 3. April läuft die Hauptrunde noch.

»Wir haben mehrere Fälle gehabt, wo Mannschaftsquarantänen angeordnet wurden, obwohl eigentlich nur wenige Spieler positiv waren. Das hat uns in dem einen oder anderen Fall in der Schärfe und Dauer überrascht«, erklärte Tripcke. Die Entscheidungen der Gesundheitsämter waren alle rechtens. Es gab aber Spekulationen, dass dem einen oder anderen Club eine Quarantäne gar nicht ungelegen kam. »Klar, das Coronavirus gibt Spielraum, um damit zu taktieren, definitiv«, sagte etwa Schwenningens Geschäftsführer Christoph Sandner. Viele Partien fielen aus. Die Tabelle ist entsprechend schief. Die Kölner Haie im Tabellenkeller etwa haben sechs Partien mehr absolviert als der direkte Konkurrent Iserlohn. Und das schiefe Bild wird sich nicht mehr ändern. »Stand heute sind wir bei neun Spielen, die wir nicht nachholen können«, bestätigte Tripcke. Wegen dieser Gefahr hatten sich die 15 Clubs vor Saisonbeginn geeinigt, dass ein Punktekoeffizient über die Platzierung und damit auch über die Playoff-Teilnahme und den Abstieg entscheiden kann. Erstmals seit 2006 muss ein Team am Ende wieder ins Unterhaus.

Sandner von den abstiegsbedrohten Wild Wings wittert Ungerechtigkeit. »Dass es in der Situation überhaupt einen Abstieg gibt, ist für mich eine Farce, vor allem wenn es nicht fair zugeht«, sagte er: »Es kann nicht sein, dass ein Club davon profitiert, dass er keine Spiele durchführt, und andere Clubs möchten spielen und dürfen nicht.« Die DEL bezeichnete es als »reine Theorie«, die Hauptrunde noch einmal zu verlängern. Zu massiv müsste das Premiumprodukt Playoffs beschnitten werden.

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