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Der Maestro tritt ab

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Einer der ganz Großen verlässt die Tennisbühne: Roger Federer beendet seine Karriere. © IMAGO

(sid). Der Maestro geht - und die Tenniswelt stand für einen Moment still. Roger Federer beendet einen Monat nach seinem 41. Geburtstag seine ruhmreiche Karriere, und obwohl sich sein Abschied lange angedeutet hatte, trug die Szene Trauer. »Die Tenniswelt wird ohne Dich nie wieder dieselbe sein«, schrieb Juan Martin del Potro - und Shootingstar Carlos Alcaraz schickte ein gebrochenes Herz in die Sozialen Netzwerke.

Federer gab das Ende seiner einzigartigen Reise am Donnerstag in einem emotionalen Abschiedsbrief bekannt - 15 Monate nach seinem letzten Auftritt auf der Tour und nur wenige Tage nach dem wohl letzten Match seiner Weggefährtin Serena Williams. »Ich habe hart gearbeitet, um wieder voll in Form zu kommen. Aber ich kenne auch die Fähigkeiten und Grenzen meines Körpers, und seine Botschaft an mich war in letzter Zeit eindeutig«, schrieb der Schweizer.

Eine letzte Abschiedsshow gönnt sich Federer noch, im Kreise seiner langjährigen Rivalen Rafael Nadal und Novak Djokovic wird er bei »seinem« Laver Cup in der kommenden Woche in London aufschlagen. Womöglich nur im Doppel, denn das Knie spielt nach drei Operationen nicht mehr mit. Nach 24 Jahren und mehr als 1500 Matches, 20 Grand-Slam-Titeln und insgesamt 103 Turniersiegen müsse er erkennen, dass »es Zeit ist, meine Wettkampfkarriere zu beenden«.

Welches Erbe Federer hinterlässt, beschrieb Tennisikone Billie Jean King bei Twitter. »Roger Federer ist der Champion der Champions«, schrieb die US-Amerikanerin und würdigte die »historische Karriere« des Maestros, der einst als Balljunge in seiner Heimatstadt Basel die Liebe zum Tennis entdeckt hatte. Die australische Legende Rod Laver, selbst einer der erfolgreichsten Spieler der Geschichte, dankte Federer »für alles«.

»Alles«, das war bei Roger Federer stets mehr als der nächste Titel, der nächste Rekord oder die nächste Woche an der Spitze der Weltrangliste, die er für 310 Wochen innehatte. Seine Eleganz, die Geschmeidigkeit und auch die Fairness auf und abseits der Courts ließen ihn zum unangefochtenen Publikumsliebling aufsteigen. 13 (!) Mal verlieh ihm die ATP den Sportsmanship Award, von 2003 bis 2021 gewann er das Fan-Voting - und wird es wohl auch in diesem Jahr tun.

Dabei liegt sein letztes Match schon mehr als ein Jahr zurück, im Viertelfinale von Wimbledon 2021 unterlag er dem Polen Hubert Hurkacz mit 0:6 im dritten Satz. Anschließend unterzog er sich einer dritten Knie-Operation. Die »bittersüße Entscheidung« sei daher unausweichlich gewesen, schrieb Federer, auch wenn er bis zuletzt von einem weiteren Auftritt in seinem Wohnzimmer Wimbledon geträumt hatte, in dem er mit acht Titeln Rekordsieger ist.

Er werde »alles vermissen, was die Tour mir gegeben hat«, schrieb Federer: Doch gleichzeitig gebe es »viel zu feiern. Ich betrachte mich als einen der glücklichsten Menschen der Welt«. Und weiter: »Mir wurde das besondere Talent gegeben, Tennis zu spielen, und ich habe es auf einem Niveau getan, das ich mir nie vorstellen konnte, und das viel länger, als ich es je für möglich gehalten hätte.«

Nun wird es Zeit, sich der Familie zu widmen, seiner Frau Mirka, seinen Kindern Myla und Charlene sowie Leo und Lenny. Federer geht ohne Groll und dankte seinen Konkurrenten. »Ich hatte das Glück, so viele epische Matches zu spielen, die ich nie vergessen werde«, schwärmte er: »Wir haben uns gegenseitig gepusht, und gemeinsam haben wir das Tennis auf ein neues Niveau gebracht.« Er werde sicher hobbymäßig auch weiterhin Tennis spielen, versprach Federer und schrieb am Ende seines Briefes: »Zum Schluss, an das Tennisspiel: Ich liebe Dich und werde Dich nie verlassen«

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