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»Der Schöne und das Biest«

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Charles Leclerc (M.) feiert mit dem Ferrari-Team den Sieg in Australien. © DPA

Charles Leclerc ist der neue Kronprinz der Formel 1. Mit dem erstarkten Ferrari bildet er ein schwer zu schlagendes Gespann - und erinnert Italien bereits an die Schumacher-Ära.

Das ganze Ausmaß seines Erfolgs zeigte sich dem »fliegenden Prinzen« Charles Leclerc erst hinterher. Nur drei Rennen brauchte der Spitzenreiter der Formel 1, um das Ferrari-Land Italien von einer neuen Ära wie unter Michael Schumacher träumen zu lassen. »Das Beste steht noch vor uns«, schrieb »Corriere dello Sport«.

Leclerc ist auf der Strecke schließlich gelungen, woran selbst Lewis Hamilton ein ganzes Jahr lang gescheitert war: Max Verstappen ist demoralisiert. »Ich denke gar nicht an die Weltmeisterschaft«, sagte der frustrierte Titelverteidiger nach dem Großen Preis von Australien.

Während der Niederländer nach zwei Ausfällen zum Saisonstart mit sich und seinem unzuverlässigen Red Bull hadert, enteilt Leclerc in der Fahrer-WM. Stolze 46 Punkte hat der Monegasse nach seinem zweiten Saisonsieg Vorsprung auf Verstappen. Der WM-Zweite George Russell liegt 34 Zähler zurück, ist im schwächelnden Mercedes aber kein ernst zu nehmender Rivale.

In Italien werden Erinnerungen an die großen Tage der ruhmreichen Scuderia wach. Leclerc und Ferrari, »der Schöne und das Biest«, wie »La Repubblica« das derzeit stärkste Gespann taufte, befeuern die Hoffnungen auf den ersten WM-Titel seit 2007. Mehr noch: »Wir hatten lange von den Jahren Schumachers geträumt. Jetzt hat Ferrari wieder die richtige Kombination aus schnellem Boliden und starken Piloten«, schrieb »Corriere dello Sport«. Auch »La Stampa« bejubelte eine Dominanz, »wie man es seit Schumis Zeiten nicht mehr sah.« Für »Tuttosport« war Leclerc einfach »Karl der Große«.

Der Weg zur Krönung ist noch weit. Es sind erst drei von 23 Rennen gefahren. Theoretisch könnte Leclerc die WM-Führung schon Anfang Mai beim ersten US-Rennen des Jahres in Miami wieder einbüßen. Davon auszugehen ist jedoch nicht. Zu vielversprechend, zu dominant und beeindruckend war der Auftakt. Ferrari, in den beiden Vorjahren Prügelknabe in der Formel 1, hat die richtigen Lehren aus der Krise gezogen. In der Vorsaison verzichteten die Roten auf große Entwicklungen am Fahrzeug, richteten stattdessen den Fokus auf den 2022er Wagen, der unter dem neuen Reglement komplett neu entworfen werden musste. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. »Sicherlich sind wir überrascht«, sagte Teamchef Mattia Binotto, der zuletzt viel Kritik einstecken musste: »Ich hatte gehofft, dass wir konkurrenzfähig sind, aber so etwas konnten wir nicht erwarten.«

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