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Eintracht auf Wolke sieben

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Mision erfüllt: Sebastian Rode, Kevin Trapp und Makoto Hasebe freuen sich in Istanbul über den Achtelfinal-Einzug ihrer Eintracht. © IMAGO

Eintracht Frankfurt gewinnt mehr und mehr an Leichtigkeit, steht im Europapokal-Achtelfinale und will am Sonntag in der Liga das Topteam aus Leverkusen bezwingen - nur wie?

Es gibt ja recht angenehme Beschäftigungen während eines Fluges, vor allem in den gehobenen Klassen mit viel Beinfreiheit. Da lässt sich hoch droben über den Wolken manierlich die Zeit vertreiben. Es lässt sich einnicken, erholen vom stressigen Alltag, manch einer schafft das gar durchgehend vom Start bis zur Landung. Oliver Glasner gehört nicht zu dieser Spezies Mensch, zumindest nicht am Freitag. Da machte sich der Trainer von Fußball-Bundesligist Eintracht Frankfurt samt seiner kickenden Europa-League-Achtelfinalisten auf den dreistündigen Heimflug von Istanbul zurück ins Herz von Europa und suchte sich einen individuellen Zeitvertreib aus: die Gegnerbegutachtung. Glasner schnappte sich einen der Analysten und besprach mit ihm, wie denn am Sonntag (17.30 Uhr/DAZN) dem Spitzenteam Bayer Leverkusen beizukommen sein könnte.

Ein paar Stunden zuvor, am Morgen nach dem 1:1 bei Fe-nerbahce Istanbul, das der Eintracht den Gruppensieg und den Einzug ins Achtelfinale des Europacups sicherte, wusste Glasner das noch nicht. Zumindest nicht in Gänze. »Ich beschäftige mich erst jetzt mit Leverkusen«, sagte der Fußballlehrer im Istanbuler Teamhotel. Der Trainer hatte aber sehr wohl ein paar Kniffe im Kopf, die helfen könnten beim Unterfangen Heimsieg.

Viererkette gegen Bayer?

Es sei eine Option, für diese eine Partie mal wieder auf eine Viererabwehrkette umzuswitchen, so der Frankfurter Coach im Wissen, dass er damit die eigenen Flanken wohl am besten absichern könnte. Genau das sei die größte Herausforderung gegen den Tabellendritten: »deren Flügelzangen in den Griff zu bekommen«. Das Leverkusener Tempospiel über die Seiten ist schon seit Jahren eine der großen Stärken des Gegners

Der Coach erinnerte auch noch mal an den 2:1-Coup von München im Oktober. Damals siegte die Eintracht mit drei Mann in letzter Reihe, die aber ständig ausgeholfen bekamen von den defensiven Außen Almamy Touré und Timothy Chandler, es sich also in Wahrheit um eine Fünferabwehr handelte. Filip Kostic, der offensive Linksaußen auf dem erhebliche Teile des Frankfurter Angriffsspiel basieren, durfte sich bei den Bayern mit einem Mann im Rücken weiter vorne austoben. Ähnliches ist auch gegen Leverkusen vorstellbar.

Glasner ist vor dem Duell gegen die Bayer-Elf nicht bange. Der Grund: die Leistungen seiner Mannschaft. Diese hat sich in den vergangenen Wochen deutlich gesteigert und ihr im Vergleich zu Saisonbeginn doch deutlich gehobenes Niveau einigermaßen stabilisieren können. In Istanbul spielten die Hessen eine »sehr, sehr gute erste Hälfte« (Glasner) und auch den »Nichtangriffspakt« nach dem Seitenwechsel kontrollierten sie.

Platz eins in der Gruppe war im Grunde nie gefährdet. »In Summe haben wir bisher eine fantastische Europa-League-Saison gespielt«, lobt Glasner, dessen Mannschaft zwölf Punkte auf ihrem Konto vereint in »einer sehr starken Gruppe«. Das ist beachtlich.

So ergibt sich die kuriose Konstellation, dass die Frankfurter in der Europa League einen Schritt weiter sind als internationale Größen. Die Champions-League-Absteiger um Borussia Dortmund und RB Leipzig, aber auch der FC Barcelona müssen im Februar noch in einer Zwischenrunde ran.

Glasner richtet den Blick aber erst einmal auf die nächste Aufgabe. »Mit Elan und Freude wollen wir Leverkusen einen heißen Fight liefern«, sagt er, wohl wissend, dass seine Mannschaft geschlauchter sein dürfte als die der Leverkusener. Bayer hatte am Donnerstag in Budapest etliche Stammkräfte schonen können, stand der Achtelfinaleinzug doch bereits vorher fest.

Ohnehin komme es im Spiel gegen Leverkusen, für das die Offensivkraft Jesper Lindström erneut auszufallen droht, auf die richtige Einstellung an: »Der Körper macht immer das, was ihm der Kopf mitteilt. Deshalb war der Gruppensieg wichtig, weil er positive Energie freisetzt. Da lässt sich vielleicht der eine oder andere müde Muskel übergehen.«

Müde Muskeln dürfte Martin Hinteregger nicht haben. Zum dritten Mal in Folge saß der einstige Abwehrchef 90 Minuten lang auf der Bank. Könnte Hinti womöglich gegen den Leverkusener Sturmtank Patrik Schick das passende Gegenstück sein? »Martin ist natürlich eine sehr ernste Alternative im Zentrum«, antwortet Glasner, der von einer größeren Rotation absehen wird.

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