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Eintracht-Offensive zu harmlos

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Die Entscheidung: Leroy Sane (l.) trifft zum 1:0 für die Bayern, die Frankfurter Martin Hinteregger (13), Kevin Trapp und Evan Ndicka (r.) sind geschlagen. © IMAGO

Harmlose Frankfurter verlieren gegen durchschnittliche Bayern. Und erzielen im eigenen Stadion erneut keinen Treffer. Aus sieben Spielen in 2022 stehen nur vier Punkte zu Buche. Das ist ganz einfach zu wenig.

Die Nacht zum Sonntag hat Oliver Glasner gut geschlafen, ganz anders als noch vor Wochenfrist und einer sehr unnötigen Pleite gegen den 1. FC Köln. Da hatte er sich im Bett hin- und hergewälzt, war angefressen, sauer, ja auch wütend auf seine Elf. Das war dieses Mal anders, ganz entspannt hatte der Fußballlehrer nächtens sein Haupt gebettet, schließlich wähnt der Trainer von Eintracht Frankfurt sein Team auf dem richtigen Weg nach dem 3:0-Sieg über den FC Bayern München. »Das war ein Schritt in die richtige Richtung«, sagte er noch. Und fügte erleichtert hinzu: »Mein Gefühl sagt mir: Wir haben die Talsohle durchschritten.« Zur Belohnung bekamen die Frankfurter Recken zwei Tage frei.

Aber, Halt: Hatten die Frankfurter am Samstagabend die Bundesligapartie gegen den FC Bayern nicht vielleicht doch mit 0:1 (0:0) verloren? Und damit das vierte Heimspiel in Folge in den Sand gesetzt? Hatten sie nicht erneut kein eigenes Tor zustande gebracht? Stehen die Hessen nicht auf einem miesen Platz 16 in der Rückrundentabelle, nur Stuttgart und Hertha noch schlechter? Und haben die Frankfurter nicht aus sieben Spielen im Jahr 2022 gerade mal vier Punkte aufs Konto geschaufelt? So wenige wie seit mehr als einem Jahrzehnt nicht.

Doch. Aber vieles hörte sich nach Schlusspfiff so an, als habe die Eintracht gerade den Branchenführer auf die Bretter geworfen. Das Gegenteil war der Fall.

Erst die nächsten Spiele in der Liga gegen Hertha BSC am nächsten Samstag und zu Hause gegen den VfL Bochum werden zeigen, ob den Frankfurtern tatsächlich »der Cut« gelungen ist, wie Trainer Glasner am Samstagabend sagte.

Vieles wirkte eine Spur zu rosarot gemalt nach der Niederlage gegen den FC Bayern, an deren Berechtigung keiner hinterher auch nur ein My Zweifel hegte. Man muss das so sagen: Der Abonnementmeister war den bemühten Gastgebern in allen Belangen turmhoch überlegen, in allen statistischen Werten lagen sie weit vorne. Nach 45 Minuten hatten sie 71 Prozent ihrer Zweikämpfe gewonnen.

Es war im Grunde nur eine Frage der Zeit, wann das Tor fallen würde, nach 71 Minuten war es dann so weit. Der knapp vier Minuten zuvor eingewechselte Leroy Sané entschied diese einseitige Partie nach einem alles überragenden Pass von Joshua Kimmich genau in die Schnittstelle der Eintracht-Abwehr, aus der sich Verteidiger Tuta herauslocken ließ. Schelte gab es für den jungen Brasilianer nicht. »Das wird er noch lernen«, sagte Glasner, der ihn ansonsten fast schon überschwänglich lobte. »Er verteidigt unglaublich aggressiv nach vorne, das macht er richtig gut. Er ist auf dem Weg, ein Top-Verteidiger zu werden.«

Selbst Bayern-Coach Julian Nagelsmann wunderte sich so ein bisschen über die zahme Eintracht. Seine Mannschaft sei die »aggressivere« gewesen. »Das kenne ich von Frankfurt anders.« Und wer sah, wie groß die Erleichterung im bayrischen Lager war, die Hürde Eintracht ziemlich souverän genommen zu haben, der ahnt, dass sie in München, zuletzt nicht so furchtbar stabil unterwegs, durchaus mit mehr Gegenwind gerechnet hatten. »Dass wir hier in Frankfurt, wo es immer unangenehm für uns ist, so eine Zweikampfbilanz haben, ist schon etwas Besonderes«, findet Nagelsmann. Und sollte der Eintracht zu denken geben.

Vieles spricht dafür, dass die Hessen in der momentanen Verfassung, ihrer inneren Zerrissenheit und der Suche nach dem verlorenen Flow schon das auf den Platz gebracht haben, was derzeit machbar und möglich ist. Mehr ist aktuell offenbar nicht drin. Der Matchplan von Trainer Glasner, die Defensive zu stärken und dank der schnellen Offensiven Ansgar Knauff, Jesper Lindström und Filip Kostic auf Konter zu setzen, war grundsätzlich richtig. Diese Leistung, flötete Glasner, »gibt mir Hoffnung«, in die Erfolgsspur zurückzukehren. Natürlich, sagt Torwart Kevin Trapp, der sein Team mit zahlreichen besten Paraden überhaupt so lange im Spiel gehalten hatte, habe man in diesem Jahr »zu wenig Punkte für den eigenen Anspruch« gesammelt.

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die Eintracht, die vor einem Jahr die Bayern noch in einem atemberaubenden Spiel eine Halbzeit an die Wand gespielt hatte, dieses Mal genau auf eine echte Torchance kam: Nach sechs Minuten spitzelte Kostic die Kugel aus kurzer Distanz mit seinem deutlich schwächeren rechten Fuß am Pfosten vorbei. Da hatten die Bayern Glück. Es sollte aber der einzige Hochkaräter in diesem Spiel bleiben. Man sei »gerade nicht so sehr für Torspektakel« bekannt, räumte Glasner ein.

Klar ist, dass ein engagiertes Spiel gegen die Bayern nie allein als Gradmesser für die aktuelle Verfassung herangezogen werden sollte, aber ein paar Parameter sollten den Hessen doch zu denken geben: Die eklatante Harmlosigkeit des Angriffs (fünf Tore in sieben Spielen, dreimal hintereinander ohne eigenen Treffer), die schlechtesten Zweikampfwerte der ganzen Liga, eine schwache Passquote, weshalb in den entscheidenden Momenten die torgefährlichen Zuspiele nicht ankommen, dazu immer wieder leichte Gegentore, zwölf in der Rückrunde. Und es werden gute Spiele (Dortmund) verloren, wie passable (Bayern) und die schlechten sowieso (Bielefeld, Wolfsburg, Köln). Das alles ist eine unschöne Tendenz.

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Münchens Niklas Süle (r.) lässt Sam Lammers nicht zur Entfaltung kommen. © DPA

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