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Markus Eisenbichler zum Sieg beim Neujahrsspringen.

Elf Zentimeter fehlen

Die Hoffnungsträger Markus Eisenbichler und Karl Geiger erleben beim Neujahrsspringen ein Wechselbad der Gefühle. Der Traum vom Tournee-Sieg ist zur Halbzeit in weite Ferne gerückt.

Während Markus Eisenbichler nach seinem Traumstart ins neue Jahr etwas überraschend die deutschen Hoffnungen nach Österreich trägt, ist für Karl Geiger der Angriff auf den langersehnten Sieg bei der Vierschanzentournee nach einem Neujahrsspringen »zum Kotzen« fast schon beendet. Im Kampf gegen den schier übermächtigen Japaner Ryoyu Kobayashi wollen die DSV-Adler am Dienstag am legendären Bergisel in Innsbruck zurückschlagen, um das Tournee-Wunder doch noch zu verwirklichen.

Am Neujahrstag freute sich Geiger zwar mit seinem Kumpel »Eisei« über dessen »saucoolen« zweiten Platz in Garmisch-Partenkirchen, um Haaresbreite hinter Kobayashi und vor dem Überraschungsdritten Lovro Kos aus Slowenien. Doch die eigene Enttäuschung nach zwei mäßigen Sprüngen ins neue Jahr und Rang sieben saß beim Oberstdorfer tief: »Ich bin einfach angefressen.« Es seien »mehrere Sachen« zusammengekommen, »dass das halt wieder bei der Tournee passiert, ist zum Kotzen«, sprach der vom Windpech verfolgte Geiger ungewohnt deutliche Worte. Es sei »bitter, wenn man so eine Klatsche kriegt«.

Sein Traum vom ersten deutschen Tourneesieg seit Sven Hannawald vor 20 Jahren? Begraben. Vor der dritten Tournee-Station hat Geiger kaum noch Hoffnung. »Wenn alles normal läuft, ist es für mich nicht mehr schaffbar«, sagte er: »Da muss schon ein vogelwilder Wettkampf passieren.«

Genau 32,2 Punkte - umgerechnet 18 Meter - liegt Geiger als Gesamt-Sechster hinter dem überragenden Ryoyu Kobayashi. »Das ist im Normalfall ein Ding der Unmöglichkeit«, sagte Horngacher, aber vielleicht gebe es ja noch »ausgleichende Gerechtigkeit«. Die Lage scheint aussichtslos, zu gut, zu fehlerfrei springt derzeit der Japaner. Kobayashi übernahm mit dem dritten Weltcup-Sieg in Serie auch das Gelbe Trikot von Geiger, als erster Skispringer überhaupt greift der 25-Jährige nach dem zweiten Grand Slam bei der Tournee nach 2018/19.

Die beste Ausgangsposition aus deutscher Sicht hat zur Halbzeit der wiedererstarkte Eisenbichler. Auf der Olympiaschanze am Gudiberg verpasste der Bayer mit zwei Traumflügen auf 141,0 und 143,5 m zwar nicht nur um 50 Zentimeter den Schanzenrekord, sondern auch um 0,2 Punkte oder etwa elf Zentimeter (1) den ersten deutschen Neujahrssieg seit 20 Jahren.

Doch das störte Eisenbichler so gar nicht. Das Ergebnis sei »voll geil«, er habe den zweiten Platz gewonnen und sei »sehr, sehr zufrieden«, vor allem mit der »Springerei«. In der Gesamtwertung kletterte der sechsmalige Weltmeister auf Platz vier, der Rückstand auf Kobayashi: 21,1 Punkte, umgerechnet knapp zwölf Meter. Dazwischen liegen noch der Norweger Marius Lindvik (-13,2) und der slowenische Aufsteiger Lovro Kos (-17,7).

Die Gesamtwertung ist Eisenbichler aber »extrem wurscht«, wie er betonte, die interessiere ihn »wirklich überhaupt nicht«. Bundestrainer Stefan Horngacher blieb vor dem Springen am Schicksalsberg in Innsbruck optimistisch. »Wir geben nicht auf«, sagte der Österreicher: »Ich bin mit der momentanen Situation sehr zufrieden.« Die Tournee sei »noch nicht gelaufen« und erst in Bischofshofen zu Ende.

Jeder könne Kobayashi noch herausfordern, sagte Horngacher, der weitere Tournee-Verlauf hänge davon ab, »wie stabil er weiterspringt«. Auf der windanfälligen Schanze in Innsbruck zerbrachen in der Vergangenheit schon viele Tournee-Träume, oft auch die aus dem deutschen Team. Im vergangenen Jahr hatte es etwa Geiger erwischt, der nur auf Platz 16 landete.

Hochzufrieden still lächelnd: Der Japaner Ryoyu Kobayashi hat seine Tournee-Führung ausgebaut.

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