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FC Bayern in Schockstarre

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Die Entscheidung in München: Samuel Chukwueze (l.) trifft zum 1:1-Endstand für den FC Villarreal, Alphonso Davies (M.) kommt zu spät, Torwart Manuel Neuer ist machtlos. © IMAGO

Einem geschockten FC Bayern München drohen nach dem Viertel- final-Aus in der Champions League unruhige Wochen - trotz der so gut wie fest- stehenden zehnten Meisterschaft in Serie. Viele Fragen sind offen.

Dass »Radio Müller« die Worte fehlen, kommt so gut wie nie vor. Doch nach dem jähen Viertelfinal-Aus des FC Bayern in der Champions League, wusste selbst der sichtlich gefrustete Thomas Müller nicht, »was ich sagen soll«. Die fassungslosen Münchner befanden sich nach dem 1:1 (0:1) gegen Außenseiter Villarreal in Schockstarre.

Die Enttäuschung, den großen Traum vom Henkelpott nach dem 0:1 im Hinspiel erneut verpasst zu haben, saß bei den schwer geschlagenen Stars extrem tief. Mit leeren Blicken verließen Müller und Co. kurz nach Mitternacht die Allianz-Arena - wohl wissend, dass dem Fußball-Rekordmeister angesichts einiger Baustellen unruhige Wochen drohen.

Trainer Julian Nagelsmann verpasste seiner ersten Saison in München kein gutes Zeugnis. Sein Team sei »schon im Pokal ausgeschieden«, und das Halbfinale in der Königsklasse sei »ja immer das Minimalziel für Bayern München«, sagte der 34-Jährige mit finsterer Miene und bilanzierte: »Das ist für Bayern München, glaube ich, nicht ausreichend.«

Kahn mit Schönfärberei

Mit möglichen Folgen wollte sich der 34-Jährige aber nicht beschäftigen. »Ich weiß nicht, was da auf mich zurollt. Auf jeden Fall mal Bielefeld in der Liga. Was soll ich machen?«, fragte Nagelsmann giftig bei Amazon Prime und fügte an: »Angst habe ich nicht, es gibt Schlimmeres.«

In der Tat. Doch sportlich gesehen war es für »den Riesen Bayern« (»El Mundo Deportivo«) im Duell gegen das kleine »gelbe U-Boot« ein GAU, da konnte Vorstandschef Oliver Kahn noch so viel Trotz zur Schau stellen. Man werde »nicht in Tränen ausbrechen. Wir haben nächstes Jahr wieder die Möglichkeit und werden wieder angreifen«, sagte Kahn. Die volle Konzentration gelte jetzt der zehnten deutschen Meisterschaft in Serie, ergänzte der Bayern-Boss. Von wegen Trostpflaster, »das ist eine großartige Möglichkeit. Das hat noch keine Mannschaft in Europa geschafft. Da werden wir alles reinwerfen.« Überzeugend klang das alles nicht, schon gar nicht nach dem berühmten Mia-san-mia, das die Münchner in entscheidenden Momenten in dieser Saison oft genug vermissen ließen.

Auch in zwei Spielen gegen Villarreal zeigten die Bayern nur in Phasen der zweiten Halbzeit am Dienstag die nötige Gier. Erneut wurde auch eine gewisse Führungsschwäche deutlich. Dass Nagelsmann trotzdem vom »besten Spiel der letzten Monate« sprach und Kahn dem Team »keinen Vorwurf« machen wollte, klang sehr nach Schönfärberei. So oder so, »wir sind raus. Das ist sehr bitter«, sagte Nagelsmann geknickt. Er müsse das »erst einmal sacken lassen«. Direkt nach dem K. o., den Villarreals Joker Samu Chukwueze (88.) nach Robert Lewandowskis Führung (52.) besiegelt hatte, verzichtete er deshalb auch auf eine Ansprache an die Mannschaft: »Da hört dir eh keiner zu.«

Zwei Ajax-Stars sollen kommen

Offen ist nun, wie es nach dem zwölften Viertelfinal-Aus im wichtigsten europäischen Wettbewerb in München weitergeht. Der Posten des Trainers ist trotz erheblicher Kratzer sicher. Kahn und Sportvorstand Hasan Salihamidzic sind aber in Kaderfragen extrem gefordert. Ryan Gravenberch und Noussair Mazraoui von Ajax Amsterdam sollen als Zugänge bereits feststehen. Allerdings sorgen die 2023 auslaufenden Verträge von Lewandowski, Müller, Manuel Neuer und Serge Gnabry weiter für Diskussionen und Unruhe.

Immerhin schloss Kahn nun erstmals einen vorzeitigen Wechsel von Torjäger Lewandowski im Sommer aus. »Wir haben Robert auf jeden Fall noch eine Saison bei uns. Wir wissen, was wir an ihm haben«, sagte er bei Amazon Prime. Scheinbar gebe es angesichts vieler Spekulationen »einen Wettbewerb: Wer bringt die größte Nonsense-Geschichte über Robert Lewandowski«.

Bei Müller zeigte sich der Vorstandschef sogar »sehr positiv. Wir sind in sehr guten Gesprächen«. Eine Vertragsverlängerung mit dem Führungsspieler wäre immerhin mal eine gute Nachricht. Bis dahin hat Radio Müller sicher auch seine Worte wieder gefunden.

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