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Feierbiest Trainer Streich

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Berlin, wir kommen! Freiburgs Trainer Christian Streich umarmt nach dem 3:1-Sieg in Hamburg beim DFB-Pokal-Halbfinale seinen Spieler Woo-Yeong Jeong. © DPA

(sid). Kurz vor Mitternacht hatte Christian Streich ein Alkoholproblem. »Es kann sein, dass ich noch ein Glas Wein trinke. Aber ich muss erst schauen, wo es noch eins gibt«, sagte Streich, abgekämpft von der Pokalparty mit den Freiburger Fans.

Irgendwelchen wolle er nicht trinken, gab der Kult-Trainer nach dem souveränen Finaleinzug beim Hamburger SV (3:1), dem vorläufigen Höhepunkt seines jahrzehntelangen Wirkens beim SC, zu Protokoll. Ein »schöner, trockener, guter Wein« müsse es sein, »Grauburgunder oder irgendwas«. Doch wenn es keinen gibt, schob Streich in seiner herrlich pragmatischen Art hinterher, »dann trinke ich Wasser«.

Nach dem Einzug ins Endspiel am 21. Mai in Berlin steht Streich vor der Krönung seiner beispiellosen Karriere. Die Saat, die er als Jugendtrainer beim SC selbst ausgesät hat, geht jetzt voll auf. Die Ernte im Saisonendspurt könnte üppiger ausfallen als in Freiburg jemals zuvor: In der Liga winkt bei nur einem Punkt Rückstand die Champions League, im ersten Pokalfinale der Vereinsgeschichte stehen die Chancen, nimmt man den abgezockten Auftritt beim HSV als Maßstab, ziemlich gut.

»Ich habe durchgerechnet: Gewinnen wir ab jetzt fünfmal, sind wir Pokalsieger und Champions-League-Teilnehmer. Das ist das Ziel. Ich glaube, das kriegen wir hin«, sagte Nationalspieler Nico Schlotterbeck selbstbewusst. Streich ist ein Phänomen. Zehn Jahre coacht er nun schon die Freiburger Profimannschaft. Er ist der dienstälteste aller Bundesliga-Trainer (zum Vergleich: der HSV beschäftigte in der gleichen Zeit 15 verschiedene Übungsleiter) und macht sein Team trotz der regelmäßigen Abgänge von Leistungsträgern permanent besser. Dennoch mochte er den Pokalerfolg - der natürlich vor allem sein ganz persönlicher ist - nicht überhöhen.

»Nein, es war nicht mein schönster Sieg«, sagte Streich und erinnerte an die vielen Sternstunden der Junioren des Vereins, mit denen Streich zwischen 1995 und 2011 schon dreimal den Pokal gewonnen hat, bevor er im Dezember 2011 die erste Mannschaft übernahm. Der Halbfinal-Triumph sei eine »tolle Sache«, er freue sich »für die Jungs und für den ganzen Verein«, aber andere Siege, das betonte er, »waren auch schon toll«.

Und so kreisten Streichs Gedanken im Moment seines bislang größten Erfolgs auch schon an das Danach. An die Zeit nach dieser märchenhaften Saison. An das Erwachen nach diesem bislang einzigartigen Freiburger Fußball-Rausch. »Es ist zwar unsexy, aber die Gedanken habe ich«, so der 56-Jährige. Man müsse realistisch auf das schauen, was der Sportclub momentan erlebt. Es werde auch wieder Phasen geben, in denen es »ganz eng« wird, so Streich. Bis zu acht Mannschaften könnten jedes Jahr gegen den Abstieg spielen. In der nächsten Saison könnte es womöglich auch den SC treffen.

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