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Flankomat und Euphorie

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»Flankomat« Filip Kostic will mit breiter Brust ins Spiel gehen Barca gehen - und hinterher jubeln. © IMAGO

Eintracht Frankfurt trifft am Donnerstag (21 Uhr/RTL) im Viertelfinalhinspiel der Europa League auf einen schier übermächtigen Gegner. Der FC Barcelona ist zu Gast im Stadtwald, und er ist eigentlich nicht zu bezwingen. Eigentlich! Wir hätten vor dem elektrisierenden Fußball-Spiel Ansatzpunkte für eine Überraschung - genau genommen: deren elf.

1Den Übermut: Barca? Wer ist schon Barca? Okay, klar, halt eine Weltmarke, überall eine Riesennummer. Aber wer bitte kickt seit Ewigkeiten im Herzen Europas? Na bitte, ist doch alles machbar. Hauptsache keine Angst haben, positiv denken, wie 2018 vorm Pokalfinale. Das finden übrigens auch die Eintracht-Bosse. Hellmann, Krösche, Fischer, alle eben, und sie gehen mit gutem Beispiel voran. Kein Tag, an dem nicht das Halbfinale verbal heraufbeschworen wird. Selbst Trainer Glasner, ein Realist, weist seine Jungs längst auf etwaige nächste Gegner hin.

2Das Waldstadion: Die Arena muss brennen, das darf man ja wohl noch sagen, wenn man nicht zufällig Präsident der Eintracht ist. Sprich: Die Stimmung muss derart kochen, wie sie noch nie kochte. Oder zumindest genauso wie gegen Benfica, Inter, Straßburg, Betis, und wie sie noch so alle hießen, die letztlich Geschlagenen.

3Den Dusel: Ob Pfosten, Latte, Linie, Abseits, oder einen Schiri namens Zwayer - ganz egal, die Eintracht nimmt gerne alles auf einmal. Und vorne könnte einfach mal ein Frankfurter ein Tor schießen, im Zweifel per Strafstoß.

4 Den Mentalisten: Kevin Trapp feilte fleißig in den vergangenen Monaten am Mentalen, mehr Fokus auf sich selbst richten, weniger auf den Rest. Hat ihm geholfen und auch der ganzen Mannschaft. Ein Torwart mit übernatürlichen Kräften würde sicher auch gegen Barca nicht schaden, oder halt einer mit Kraken-Armen. Oder beides.

5 Den Eisenschädel: Ihm waren die Barcelona-Jahrhundertspiele überhaupt erst zu verdanken, dem Blondschopf aus den Bergen, dem Hinteregger Martin. Scheut sich schließlich nicht, auch in Nachspielzeiten sein Oberstübchen reinzuwerfen in allerhand spanische Körper. Wird Hinti diesmal wieder machen müssen, vor allem hinten. Durfte sich zuletzt fit liegen auf dem heimischen Sofa, war gelbgesperrt in der Liga, bekam deshalb vom Chef einen Urlaub verordnet. Netter Chef.

6Den Flankomaten: Der Oberschenkel ist bestens trainiert, über Jahre weiterentwickelt. Hat eigentlich schon mal jemand die Umfänge gemessen? Wäre wirklich spannend, ob’s da Unterschiede gibt. Kostic jedenfalls sollte in Topform sein gegen Barcelona, sollte sprinten, dribbeln, schießen, vor allem - na klar - flanken. Im Idealfall ist in der Zwischenzeit dann ausnahmsweise ein Kollege in die Mitte geeilt. Dazu gleich mehr.

7 Den Euro-Daichi: Jetzt also das Mehr. Denn Kamada ist einer, der könnte in die Mitte eilen. Macht er im Europapokal doch ganz gerne, zehn Tore in 24 Spielen, gegen Arsenal, Sevilla, Salzburg. Also auch gegen Barcelona?! Hat sich jedenfalls reichlich Luft nach oben gelassen, schwächelt derzeit. Aber was heißt das schon?

8 Den falschen Jesper: Sollte nicht wie sonst spielen. Das wäre zwar vermutlich immer noch besser als viele seiner Kollegen, doch, nun ja, ohne Torerfolg eben nicht gut genug. Sollte stattdessen Mentalisten-Abschläge errennen, vielleicht sogar Flanken des Flankomaten, auf jeden Fall aber um Tipps des Eisenschädels in Sachen Durchsetzungsvermögen bitten. Und schlicht hoffen, dass er ausnahmsweise nicht er selbst ist, dass er nicht zweifelt im entscheidenden Moment. Der Auftrag an Lindström: Jesper, sei ein falscher Jesper.

9 Das Händchen: Mit Fuß, Kopf, auch Brust, Hintern können Tore fürs Halbfinale erzielt werden, theoretisch gar mit dem dritten Bein. Bemerkenswert: Die Frankfurter dürfen selbst das Händchen benutzen, jenes des Trainers. Der sollte seine Truppe gut auf- und einstellen und im besten Fall irgendwann noch umstellen. Die Wechsel im Laufe des Spiels sollten sich verfangen. Alle. Vielleicht ja der richtige Zeitpunkt, um Lammers explodieren zu lassen. 93. Minute, Kopfball vor der Westkurve, Siegtor - man wird ja noch träumen dürfen.

10 Die Gala-Form: Nicht nur die Frankfurter Form ist gemeint, viel eher die des Gegners, jene aus den beiden Achtelfinalpartien gegen GALA-tasaray Istanbul. 0:0 und 2:1, kaum bekömmliche Magerkost, Barcelona nur haarscharf zum Weiterkommen berechtigt. Zur Einordnung: Galatasaray ist Tabellen-13. in der Türkei, kein Gegner also.

11Den Fußballgott: Wenn gar nichts mehr helfen sollte, nicht mal Ironie, muss es eben der Fußballgott richten. Die gute Nachricht aus Frankfurter Sicht: Alex Meier hätte Zeit, ist bei Hin- und Rückspiel sogar live vor Ort. Ein Trikot mit der 14 wird sich ja wohl noch auftreiben lassen. DANIEL SCHMITT

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