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Für die Eintracht heißt es: »Zurück auf Los!«

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Unzufriedene Frankfurter (v. l.): Kevin Trapp, Filip Kostic und Makoto Hasebe. © DPA

Zu Beginn sei ein Abstecher in die Welt der Gesellschaftsspiele gestattet, zum Klassiker Monopoly. Da kann es ja schon für eine Menge Frust sorgen, wenn es plötzlich heißt: Zurück auf Los! Ein Zug, der miese Laune macht. Ist schließlich ärgerlich, ständig aufs Neue den beschwerlichen Weg übers Feld vorbei an allerlei gierigen Gegnern gehen zu müssen.

Was das alles mit Fußball und Eintracht Frankfurt zu tun hat? Nun: Der hessische Bundesligist muss sich natürlich nicht mit teuren Übernachtungen oder gar dem Gang ins Kittchen beschäftigen, sehr wohl aber weist die aktuelle sportliche Situation eine Parallele auf. Die Eintracht von Januar 2022 erinnert nämlich derzeit wieder ein Stück weit an die Eintracht aus dem August 2021 - fußballerisch läuft die Kugel zwar flüssiger durch die Reihen als damals, aber eben längst nicht mehr so gut wie noch in den Partien vor Weihnachten. So lautet das Frankfurter Motto in diesen Tagen auch irgendwie: Zurück auf Los!

Von neun möglichen Zählern in diesem Jahr aus den Partien gegen Dortmund, Augsburg und Bielefeld sammelten die Hessen einen. Das ist, und das sind die Fakten, schlechter als zu Saisonbeginn, als den Frankfurtern in eben jenen Paarungen zwei Punkte gelangen. Schon damals zu wenig. »Wir sind mit dem Rückrundenstart nicht zufrieden, hätten gegen Dortmund und Augsburg gewinnen können, vielleicht gewinnen müssen, und haben gegen Bielefeld keine gute Leistung abgerufen«, sagt Sportvorstand Markus Krösche: »Von daher ist das für unsere Ansprüche zu wenig.«

Die Ansprüche in Frankfurt sind gestiegen nach dem Aufschwung im Herbst und zum Ausklang des vergangenen Jahres. Alles für den Einzug in den Europapokal wolle man tun, hieß es. Mit 28 Punkten auf dem Konto ist das Erreichen dieses Ziels natürlich weiterhin möglich, die Saison ist noch sehr lange, erste Chancen aber, sich oben festzubeißen, sind vergeigt.

Durch Abwehrböcke und Chancenwucher bringen sich die Hessen in Nöte, die nicht nötig wären. Nach der 0:2-Pleite am Freitag gegen Bielefeld attestierte Eintracht-Trainer Oliver Glasner seiner Truppe ein »teilweise stümperhaftes« Defensivverhalten, manch Spieler habe »Sicherheitsabstand« gewahrt. Dazu habe im Angriffsspiel ein »Mangel an Effizienz« geherrscht, so der Trainer. Selbst hatte Glasner mit der Startelfnominierung des an diesem Abend überforderten Martin Hinteregger anstelle des spielstärkeren Makoto Hasebe eine Fehlentscheidung getroffen.

Der hohe Ballbesitzanteil gegen die Arminia (64 Prozent) verpuffte, es gab zu viele vermeidbare Ballverluste. Und schaffte es die Kugel doch bis in den Strafraum, hauptsächlich nach Flanken von Filip Kostic (13 Stück), war das Zentrum zu mager besetzt. Dazu verschoss Stürmer Rafael Borré klarste Tormöglichkeiten, symptomatisch sein Fehlversuch frei vor Bielefelds Schlussmann Stefan Ortega in der Nachspielzeit. Der Eindruck, die Hessen hätten noch drei Stunden weiterspielen können und es wäre ihnen kein Treffer gelungen, drängte sich nicht umsonst auf. »Ich bin schon deutlich verärgert, weil die Niederlage einfach unnötig war, weil wir von Anfang an keine Konsequenz im Verteidigen hatten, zu einfache Gegentore bekommen und unsere Chancen nicht genutzt haben«, richtet Sportchef Krösche klare Worte ans Team. Das Missverhältnis von Torabschlüssen (17) und Toren (0) war in der Tat eklatant und bereits in Augsburg und gegen Dortmund eine Schwäche.

Immerhin: Eine Schwäche, an der sich arbeiten lässt. So hätten sich die Frankfurter einerseits sicher gewünscht, deutlich weiter, gefestigter, besser zu sein in dieser Saisonphase, nicht mehr manch Mangel vom Rundenbeginn auch jetzt noch in ihrem Spiel vorzufinden. Andererseits haben sie es schon ja mal hinbekommen, die Leistungen zu verbessern. Die Rückkehr zu stabileren, erfolgreicheren Auftritten scheint nicht weit entfernt. Er sei daher nicht beunruhigt, strahlt der Trainer Zuversicht aus, schließlich habe sein Team in dieser Runde schon andere, schwierige Situationen gemeistert. Auch sei das jetzt »über weite Strecken deutlich besser als in der Hinrunde«.

So nervig es für die Beteiligten auch sein dürfte, die nun anstehende Zwei-Wochen-Spielpause mit einer Niederlage in den Köpfen bestreiten zu müssen, so bietet die in Europa kaum genutzte Länderspielperiode immerhin die Option, konzentriert an den Problemen zu arbeiten. Nur drei Eintracht-Profis (Borré, Hrustic, Barkok) sind auf Reisen, der restliche Kader kann sich unter die Fittiche von Coach Glasner begeben. Der sagt: »Wir haben uns den Start ins Jahr anders vorgestellt. Jetzt haben wir aber zwei Wochen Zeit, um nüchtern die Fehler zu analysieren, die Ärmel hochzukrempeln und Gas zu geben.« Heißt: Zurück auf Los!

D. Schmitt/T. Kilchenstein

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