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Für Hütter wird es ungemütlich

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Ein nachdenklicher Adi Hütter: Muss er um seinen Job als Trainer in Gladbach bangen? © IMAGO

(dpa). Verständliche Zweifel am Teamgeist Borussia Mönchengladbachs wies Kapitän Lars Stindl nach dem nächsten Desaster zurück. »Natürlich sind wir eine Mannschaft«, sagte der 33-Jährige, wusste aber auch: »Natürlich habe ich nach so einem Spiel null Argumente, was das betrifft.« Beim 0:3 bei Hannover 96 gab der Fußball-Bundesligist am Mittwochabend ein erschreckend schwaches Bild ab.

Aufbäumen, spielerische Ideen, Zweikampfpräsenz: All das war im DFB-Pokal-Achtelfinale nicht zu sehen. Trainer Adi Hütter wirkt zunehmend ratlos. Der Druck auf den Österreicher und auch auf Sportchef Max Eberl wächst.

Angst um seinen Job macht sich Hütter nicht. »Nein«, antwortete der 51-Jährige mit nahezu versteinerter Miene auf eine entsprechende Frage. »Ich mache mir Gedanken, wie wir gespielt haben und bin sauer, wie wir gespielt haben.« Der Ärger und die Fassungslosigkeit über den katastrophalen Auftritt waren Hütter deutlich anzusehen. Angesichts des Scheiterns von Bayern München und Borussia Dortmund war die Chance auf einen Pokalcoup so groß wie lange nicht.

Mit Ausnahme des 2:1 zum Rückrundenstart bei den Bayern präsentiert sich Hütters Team seit Wochen komplett außer Form. Nur Torwart Yann Sommer ruft sein Leistungsvermögen zuverlässig ab. Gladbach hat in der Abwehr riesige Lücken und ist vorne trotz eigentlich hohem spielerischen Potenzial völlig harmlos.

Selbst vom Gegner kamen am Mittwoch alarmierende Signale. »Wir waren alle sehr überrascht, wie das Spiel lief. Gladbach hat uns sehr wenig Gegenwehr entgegengebracht«, sagte Hannovers Mittelfeldspieler Sebastian Kerk bei Sky. Eine bezeichnende Aussage, wenn der Tabellenzwölfte der zweiten Liga so über einen Bundesligisten spricht, der quasi mit demselben Personal in der vergangenen Saison noch beeindruckende Champions-League-Spiele gegen Real Madrid oder Inter Mailand ablieferte und in dieser Saison im Pokal schon die Bayern mit 5:0 aus dem Borussia-Park schoss.

In der aktuellen Verfassung ist Gladbach ein Abstiegskandidat. Vier Punkte beträgt der Vorsprung auf die Abstiegsränge noch. Eigentlich wollte sich die Borussia unter Hütter, der im Sommer als Nachfolger von Marco Rose für 7,5 Millionen Euro aus Frankfurt kam, wieder Richtung Europapokal orientieren. Der Coach war gewissermaßen der Königstransfer von Sportchef Eberl. Der 48-Jährige, der die Borussia seit dem Fast-Abstieg 2011 zu einer Topadresse gemacht hat, muss sich in dieser Spielzeit viele unangenehme Fragen gefallen lassen.

Eberl hat es in coronabedingt schwierigen Zeiten nicht geschafft, Verträge mit Leistungsträgern wie Matthias Ginter oder Denis Zakaria zu verlängern. Zudem wurden offenbar wechselwillige Spieler aus unterschiedlichen Gründen nicht transferiert. Nun droht das Team auseinanderzufallen. Die Zukunft zahlreicher Leistungsträger ist offen, das sorgt für Unruhe. Bestes Beispiel ist der Fall Ginter.

Der Vertrag des Nationalverteidigers wird nicht verlängert, der langjährige Leistungsträger soll den VfL nach Möglichkeit noch im Januar verlassen. Am Samstag beim 1:2 gegen Leverkusen ließ Hütter Ginter 90 Minuten auf der Bank. Gegen Hannover stand er an seinem 28. Geburtstag dann plötzlich wieder in der Startelf, brachte aber keine Stabilität. Solche Entscheidungen Hütters tragen zur Ruhe im Umfeld und der Mannschaft nicht bei.

Hütter probiert viel, um seinem lethargisch wirkenden Team Impulse zu geben. Es klappt aber nicht. In Hannover versuchte er es im Sturm seit langem mal wieder von Beginn an mit Alassane Pléa und Marcus Thuram. Zur Pause wechselte er die beiden erneut komplett enttäuschenden Franzosen wieder aus.

Dass nun auch über ihn diskutiert wird, versteht Hütter. »Klar, in der Situation in der wir stecken, ist das sicher nicht zufriedenstellend. Das muss man ganz klar sagen«, sagte er. »Ich werde natürlich mein Bestmögliches geben, dass wir die Mannschaft wieder in die Erfolgsspur bringen.« Hütter sprach von einer »Riesenaufgabe« und davon, »Klartext« reden zu wollen.

Seine Aussagen deuteten vor dem Heimspiel am Samstag gegen den 1. FC Union Berlin zumindest an, dass er auch an der Einstellung einiger Spieler zweifelt. »Wir müssen einfach am Wochenende die richtigen Elf aufstellen, die die Situation annehmen und sich ganz klar dagegenstellen«, sagte er. Ein Hoffnungsträger ist Nationalspieler Jonas Hofmann. Der zuletzt verletzte beste Gladbacher Torschütze in dieser Saison könnte ins Team zurückkehren.

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