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Gegenwind für Rangnick

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Ralf Rangnick hat seinen neuen Job als Österreichs Nationaltrainer noch gar nicht angetreten, da feuern die Kritiker schon aus allen Geschützen. © IMAGO

(sid). Die »oiden Grantler« stänkern schon gewaltig. »Enttäuschend«, »unverständlich«, »komisch« - obwohl Ralf Rangnick seinen Job als österreichischer Fußball-Nationaltrainer noch gar nicht angetreten hat, sehen die prominenten Altinternationalen um Hans Krankl und Peter Pacult den Deutschen als Fehlbesetzung. Rangnicks Amtsantritt ist bereits belastet, die Kritiker lauern nur auf Fehler.

»Wir werden von Beginn an aufpassen, welche Lösungen er für die österreichische Nationalmannschaft hat. Ob er es schafft - das werden wir alles beobachten«, sagte Krankl, der bei Sky Austria keinen Hehl aus seiner Skepsis machte: »Pressing ist keine Erfindung von Ralf Rangnick. Er wird sicher versuchen, es einzuführen - das werden wir beobachten.«

Die ablehnende Haltung Krankls gegenüber Rangnick, der noch bis Saisonende als Interimscoach beim englischen Rekordmeister Manchester United beschäftigt ist, überrascht nicht. Schließlich hätte Österreichs »Jahrhunderttorjäger« nach dem Schweizer Marcel Koller und dem Deutschen Franco Foda gerne wieder einen Einheimischen als neuen Coach von David Alaba und Kollegen gesehen. Dass zuletzt vor elf Jahren ein Österreicher das Sagen hatte, wurmt Krankl.

»Ich hätte gerne gehabt, dass es Peter Stöger oder Andreas Herzog werden, eine österreichische Lösung«, äußerte der zweimalige WM-Teilnehmer, der mit seinen beiden WM-Toren beim 3:2 gegen Deutschland im argentinischen Cordoba 1978 berühmt wurde. Rangnick bekam von Krankl deshalb noch eine mit: »Die letzte Station bei Manchester United war nicht zufriedenstellend, da ist er sicherlich gescheitert.«

Ebenso deutlich äußerte Pacult seine Kritik. »Es ist enttäuschend und unverständlich, dass es zum dritten Mal in Folge kein Österreicher geworden ist«, sagte der frühere Bundesligaprofi der »Kronen-Zeitung«: »Wir sind irgendwie die einzige Nation, die nicht auf eigene Trainer setzt.«

Am ehemaligen Sportchef von RB Salzburg und RB Leipzig, von dem er 2012 als Trainer in Leipzig entlassen wurde, ließ Pacult kein gutes Haar. »Rangnick ist bei sehr vielen Klubs im Streit auseinandergegangen«, sagte der Coach des österreichischen Bundesligisten Austria Klagenfurt, der das alte Klischee bediente: »Er ist ein Professor, der andere belehren will.« Zudem findet es Pacult »komisch«, dass Rangnick weiterhin als United-Berater »tätig sein darf«. Doch nicht nur Pacult sieht die Doppelfunktion kritisch.

»Selbst ein Ralf Rangnick, den ich als Fachmann schätze, sollte sich auf einen Job konzentrieren«, sagte der deutsche Rekordnationalspieler Lothar Matthäus. Ähnlich sieht es der frühere United-Profi Gary Neville: »Wo ist die Priorität?«

Rangnick muss es also zahlreichen Kritikern beweisen, wenn er seinen Job Ende Mai antritt. Schon Anfang Juni warten Härtetests in der Nations League mit Spielen gegen Kroatien, Dänemark und Frankreich.

Nach der unter Foda verpassten Qualifikation für die WM-Endrunde in Katar soll Rangnick die Österreicher aber in erster Linie zurück zu den Turnieren führen. Sollte dem Schwaben die Qualifikation für die EM 2024 in Deutschland gelingen, verlängert sich sein Vertrag bis zur WM 2026. Falls es die Grantler nicht verhindern.

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