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Geistesverwandtes Duo

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Das kongeniale Duo der Rams: Matthew Stafford (r.) und Cooper Kupp. © IMAGO

Der Super-Bowl-Sieg der Los Angeles Rams ist für Matthew Stafford, Cooper Kupp und Co. eine Erlösung. Ihr Weg zum ersehnten Ring war voller Hindernisse.

Das Konfetti regnete wie Manna vom Himmel, Matthew Stafford klaute sich sichtlich gerührt einen Kuss von Ehefrau Kelly und Super-Bowl-Held Cooper Kupp kämpfte mit den Tränen. Als sich die Los Angeles Rams zum besten Football-Team der Welt gekrönt hatten, begriffen sie alle so langsam, was gerade passiert war. Es war ein beschwerlicher Weg.

»Viele der Jungs haben schon lange darauf gewartet«, sagte Quarterback Stafford nach dem 23:20 (13:10)-Sieg in einem spannenden NFL-Finale gegen die Cincinnati Bengals im kalifornischen Inglewood, das erst 1:25 Minuten vor Ende durch die Traum-Kombi Stafford/Kupp entschieden wurde: »Das wird wahrscheinlich etwas dauern, das muss ich sacken lassen. Ich weiß nicht, was ich denken soll. Ich war ein bisschen emotional - wir sind World Champions.«

Zum zweiten Mal Super-Bowl-Sieger nach 2000, als das Team noch in St. Louis saß - und zu verdanken haben die Rams es vor allem ihrem Duo Stafford und Kupp. Nachdem sich sein Adjutant Odell Beckham jr., der vorher zu Spielbeginn den ersten Rams-Touchdown erzielt hatte, ohne Gegnereinwirkung am Knie verletzte, musste Kupp alleine liefern. Und er tat es. Im letzten Offensiv-Spielzug, bei einem 16:20-Rückstand, fand der Quarterback seinen Star-Receiver. Der zweite und spielentscheidende Touchdown für Kupp, der folglich auch zum Super-Bowl-MVP gewählt wurde. Als Defensiv-Superstar Aaron Donald in der letzten Spielminute dann Bengals-Quarterback Joe Burrow, wie so oft an diesem Abend, niederriss und am Gegenschlag hinderte, durfte ganz LA feiern. »Bei dem letzten Drive konnte ich nicht hinsehen«, gab Stafford zu.

Besonders für Kupp markierte Super Bowl 56 den Höhepunkt einer unwahrscheinlichen Heldenreise. Sein Vater und Großvater spielten beide in der NFL, der Weg war also vorgezeichnet. Doch der große Knall ließ ewig auf sich warten. Kupp galt als zu schmächtig für das berüchtigte Stahlbad und war lange weit davon entfernt, ein Star zu sein. Selbst nachdem ihn die Rams 2017 im Draft auswählten.

Die schmerzvolle Super-Bowl-Niederlage vor drei Jahren gegen die New England Patriots hatte er wegen einer Verletzung nur als Zuschauer erlebt. Dennoch war dieses Spiel damals ein Schlüsselerlebnis für ihn. »Ich weiß nicht, was es war, da war einfach diese Vision, die Gott mir offenbart hat, dass wir zurückkommen werden, dass wir wieder im Super Bowl stehen und ihn gewinnen werden«, sagte der 28-Jährige mit brüchiger Stimme: »Und irgendwie würde ich als MVP des Spiels vom Feld gehen.«

Seine Leistungen explodierten aber erst, als sich Kupp im vergangenen Jahr in seinem Domizil nahe Portland/Oregon ein »Football Lab« errichtete, quasi einen Trainingsplatz im Miniaturformat. Er arbeitete dort an seinen Schwächen und führte in der vergangenen Saison die Liga sofort in den drei relevanten Kategorien »Gefangene Bälle«, »Touchdowns« und »Gefangene Yards« an - die sogenannte Triple Crown. Zudem fing er in allen vier Playoff-Partien mindestens einen Touchdown.

Auch dank seiner innigen Verbindung zu Stafford, mit dem Kupp beim Frühstück regelmäßig die neusten Spielzüge durchgeht. Der 34 Jahre alte Spielmacher-Veteran, der zuvor nie eine Playoff-Partie gewonnen hatte, war erst vor der Saison von den chronisch erfolglosen Detroit Lions gewechselt, um mit dem Star-Ensemble aus LA endlich den Ring zu holen. Nun warf er im Super Bowl drei Touchdown-Pässe, die beiden Interceptions interessieren nur die ärgsten Kritiker.

Doch der Sieg in Inglewood war für Stafford nicht nur sportlich ein kathartischer Moment. Sondern auch privat, denn 2019 war seiner Frau ein Gehirntumor entfernt worden. Die Genesung der Mutter von vier Töchtern zog sich lange, Kelly Stafford musste das Laufen erst neu lernen. »Sie war in all den Jahren an meiner Seite und wir haben so viele Dinge gemeinsam durchgestanden«, sagte Stafford: »Das zu schaffen mit ihr und den Kindern, ist so besonders.«

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Die Los Angels Rams gewinnen den 56. Super Bowl. © AFP

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