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Gnabry krank, Brandt rückt nach

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Am Dienstag noch in Training in Frankfurt, nun aber krank: Serge Gnabry fällt für die Testspiele gegen Israel und die Niederlande aus. © IMAGO

(dpa). Thomas Müller drängelte sich einfach vor. Mit energischem Armeinsatz schob Hansi Flicks Turnier-Guru vor der ersten Übung beim Training der Nationalmannschaft seine Kollegen freundlich, aber bestimmt zur Seite. Nach der klaren WM-Ansage von Kapitän Manuel Neuer signalisierte auch der zweite Münchner Rio-Weltmeister, dass er auf dem eingeschlagenen Weg Richtung nächster Titelmission in Katar jetzt mit all seiner Erfahrung vorangeht - auf und neben dem Platz.

»In 90 Minuten kann alles passieren. Darauf müssen wir vorbereitet sein. Was die Philosophie betrifft, sind wir gerade dabei, das zu schärfen«, beschrieb Müller am Mittwoch die von Bundestrainer Flick formulierte Mentalitätsvorgabe für die kommenden neun Monate.

Müller selbst hat bei seinen so unterschiedlichen WM-Erlebnissen 2010 (Dritter), 2014 (Weltmeister) und 2018 (Vorrunden-Aus) für sich schon erfahren, dass es darauf ankommt, in den besonderen Momenten die richtigen Entscheidungen zu treffen. »Leidensfähigkeit« und ein »Quäntchen Glück« brauche man im Turnier. Klar ist für Müller: »Wir wollen aktiv auf dem Fußballplatz stehen und diesen Titel ins Visier nehmen«, sagte er im Team-Hotel vor den Toren Frankfurts.

Drei Tage vor dem Test gegen Israel musste Flick erst mal wieder personell reagieren. Sein sonst so mächtiger Bayern-Block ist wegen Grippe-Symptomen bei Serge Gnabry auf Quartett-Größe geschrumpft. Alle vier Corona-Tests des Angreifers waren negativ. Dennoch reiste der 26-Jährige sofort aus dem Teamhotel ab. Der Bundestrainer nominierte den Dortmunder Julian Brandt für den Test-Doppelpack am Samstag (20.45 Uhr/ZDF) in Sinsheim und drei Tage später in Amsterdam gegen die Niederlande nach.

90 Minuten - für die Länge eines Fußballspiels - hatte Müller am Vorabend mit seinen Kollegen einer anderen Katar-Lektion gelauscht. Die von DFB-Direktor Oliver Bierhoff eingeladenen Menschenrechtsexperten von Amnesty International und Human Rights Watch klärten die DFB-Stars über die politischen Verhältnisse im umstrittenen Emirat am Golf auf. »Für uns als Sportler ist es schwer, das klar einzuschätzen«, bemerkte Müller, der schon mehrfach mit dem FC Bayern im Winter-Trainingslager vor Ort war. Sein Versprechen: »Wir versuchen, mit offen Augen damit umzugehen.« Katar-Kritik, Corona-Pandemie, Ukraine-Krieg und Israel als Gegner mit gesellschaftspolitischer Tragweite: Die Nationalmannschaft ist in diesen Tagen wieder einmal eine besondere Projektionsfläche für viele schlimme wie schwierige Belange abseits des Fußballplatzes.

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