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Goldene Zeiten vorbei?

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Anna-Lena Forster trainiert bereits in Peking für die Alpin-Wettbewerbe. Sie ist eine der wenigen deutschen Medaillenhoffnungen bei den am Freitag beginnenden Paralympics. © IMAGO

Corona, ein umstrittener Ausrichter und nun noch der Krieg in der Ukraine: der Rahmen für die am Freitag beginnenden Winter-Paralympics in Peking ist bedrückend. In sportlicher Hinsicht sind die deutschen Aussichten ebenfalls wenig hoffnungsvoll.

Medaillen-Garantin Andrea Eskau fehlt krankheitsbedingt, »Gold-Anna« Schaffelhuber ist jetzt Lehrerin und TV-Expertin und viele weitere Athleten kämpfen nach Krankheiten und gegen immer stärker werdende Konkurrenz um den Anschluss: Neben den widrigen Umständen durch Russlands Angriff auf die Ukraine, die Corona-Pandemie und China als umstrittenen Gastgeber sind die deutschen Athleten auch aus sportlicher Sicht mit Unbehagen zu den Winter-Paralympics nach Peking gereist.

Vor vier Jahren in Pyeongchang belegte das Team des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) mit siebenmal Gold, achtmal Silber und viermal Bronze Rang fünf im Medaillenspiegel. Eine solche Ausbeute wie 2018 erscheint bei den am Freitag beginnenden Spielen höchst unwahrscheinlich, zumal damals je vier Gold- und Silbermedaillen alleine von Eskau und Schaffelhuber geholt wurden.

»Wir fahren mit einer Mannschaft im Umbruch dahin. Ziel ist es, gesund und mit einigen Erfolgen im Gepäck zurückzukommen«, sagt DBS-Präsident Friedhelm Julius Beucher deshalb und ergänzt schmunzelnd: »Bei den Paralympics gibt es eben keine Eiskanäle.« Neun seiner zwölf Goldmedaillen bei Olympia hatte Deutschland im Rodeln, Bob und Skeleton geholt.

Karl Quade, zum 14. Mal in Folge bei Paralympics deutscher Chef de Mission, gibt zu: »Ohne die Sportler demotivieren zu wollen: Es wäre vermessen, von den ersten Plätzen im Medaillenspiegel zu träumen.« Das Team ist mit 17 Winter-Athleten erneut überschaubar, was auch durch die verpasste Qualifikation der Mannschaften erklärbar ist. Doch es fehlen diesmal mit Ausnahme von Monoski-Fahrerin Anna-Lena Forster die Gold-Kandidaten. Neun und damit die Hälfte der Starter sind zum ersten Mal bei Spielen dabei.

»Dass wir den Anspruch haben, weiterhin zu den zehn besten Para-Winternationen zählen zu wollen, wird dadurch nicht infrage gestellt«, stellt Beucher allerdings klar. Und auch Quade betont: »In den Top 10 wollen wir schon landen.« Die anderen »fahren uns nicht um die Ohren«, sagt Quade: »Dafür sind unsere Sportler zu gut.«

Nachwuchsprobleme

Auch Beucher sieht sein Team nicht chancenlos und verweist vor allem auf die viermalige Weltmeisterin Forster, bei deren Titel-Läufen im Januar aber viele starke Konkurrentinnen fehlten. Dazu kommt Biathletin Anja Wicker, die einmal WM-Gold holte, und der zuletzt etwas schwächelnde Pyeongchang-Sieger Martin Fleig: »Wenn er gut trifft, lässt er jeden Konkurrenten zittern.«

Bedenklich ist, dass der DBS nicht einmal seine 24 erkämpften Startplätze besetzen konnte. »Zum Zeitpunkt der Nominierung waren viele Athleten krank oder verletzt«, berichtet Beucher, den nach der Nominierung noch die verletzungsbedingte Absage der als Medaillenkandidatin geltenden Biathletin Clara Klug ereilte: »Zudem ist es die Achillesferse im Para-Sport und überhaupt im deutschen Sport, dass wir ein eklatantes Nachwuchsproblem haben.«

Außer im alpinen Ski-Sport sowie im Biathlon und Langlauf geht Deutschland nach einem Starter bei der Paralympics-Premiere 2014 diesmal auch mit drei Snowboardern an den Start. »Medaillen zu erwarten, wäre dort aber vermessen«, sagt Quade, der am Donnerstagmorgen deutscher Zeit die beiden Fahnenträger für die Eröffnungsfeier bekannt geben wird.

Die Umstände machen die Fokussierung auf die Wettkämpfe zudem nicht leicht. Je näher die Spiele rücken, umso mehr versuchen die Athleten aber, sich auf den Sport zu konzentrieren. »Vor ein paar Wochen hatte ich noch sehr gemischte Gefühle, was Peking angeht«, gab Forster zu: »Aber die Olympischen Spiele haben gezeigt, dass es auf jeden Fall gut organisiert ist und man sich darauf freuen kann.«

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