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Grenzenlose Euphorie

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Die Eintracht-Fans wollen das Stadion heute Abend gegen den FC Barcelona in einen Hexenkessel verwandeln. © IMAGO

Vorhang auf für das historische Duell mit dem FC Barcelona: Eintracht Frankfurt macht sich groß und rückt nicht von der Maßgabe ab: »Wir treten an, um zu gewinnen!«

Der spanische Reporter Xavi Solé hat dieser Tage mal beim rüstigen Fußball-Rentner David Abraham durchgeklingelt. Solé schreibt für die Sportzeitung »Mundo Deportivo«. Täglich widmet das Blatt dem FC Barcelona rund 20 Seiten. Und so lag es nahe, dass Journalist Solé bei David Abraham nachfragte, schließlich trifft der Weltklub heute (21 Uhr/RTL) im Viertelfinale der Europa League auf Eintracht Frankfurt, und natürlich kennt der Argentinier, fünfeinhalb Jahre im Klub und bis zum Karriereende vor gut einem Jahr Kapitän, seine Ex aus dem Effeff. »Die Eintracht«, sagt der Capitano im Ruhestand also, »hat nie Glück bei den Auslosungen. Aber sie wächst in den Spielen gegen die Großen, sie ist dann immer besser als normal.«

Nun kann man darüber streiten, ob Barcelona ein gutes oder schlechtes Los ist. Sportlich sicher der dickste Brocken mit hohen Chancen, den Wettbewerb nach den beiden Partien von der Couch aus zu verfolgen. Für alles andere, den Glamour- und Chichi-Faktor, ist die Paarung ein Volltreffer. Es ist das Spiel der Spiele, ein historisches Duell für die Ewigkeit. »Barcelona«, sagt Eintracht-Trainer Oliver Glasner, »ist ein Mythos.«

Abraham sieht auf die Blaugranas indes heute in Frankfurt eine mächtige schwarz-rote Welle zurollen. Der 35-Jährige ist der Überzeugung, dass Barca eine Atmosphäre wie im Waldstadion »noch nie erlebt hat, in Frankfurt ist es anders als überall in Deutschland und Europa.« Die Mannschaft werde getragen von den Fans. Er sieht seine Kumpels alles andere als chancenlos, er führt gute Argumente dafür ins Feld, die womöglich nur ein klitzekleines bisschen subjektiv eingefärbt sind. In Kevin Trapp habe die Eintracht »einen Weltklassetorhüter«, Abwehrchef Martin Hinteregger sei ein furchtloser Hüne: »Hinti ist ein Stier.« Der gefährlichste Spieler aber sei Filip Kostic, der Linksaußen, der in der Tat ein Faktor werden könnte. Kostic, sagt Abraham, sei »eine Maschine«. Die größte Stärke sei aber der Zusammenhalt als Ganzes: »Der Verein lebt wie eine Familie.«

Der FC Barcelona wird bereit sein. Behauptet die Barca-Ikone Xavi, zufälligerweise auch ihr Trainer, unterschätzen werde man die Eintracht nicht. Sagt man ja so leicht. Doch auch Nationaltorwart Marc-André ter Stegen drückt seinen Respekt via RTL aus: »Grundsätzlich wissen wir, dass sie physisch stärker sind als wir. Das ist eine der physisch stärksten Mannschaften in der Bundesliga.«

Die Frankfurter rücken von ihrer Marschroute nicht ab, auch am Mittwoch wiederholte Glasner die Herangehensweise mantraartig: »Wir treten an, um zu gewinnen.« Glasner sagt, er könne über den übermächtigen Kontrahenten stundenlang referieren, über die Historie (»mit Real der größte Name im Weltfußball«), die Investitionen im Winter (»die Kleinigkeit von 100 Millionen Euro«), die Spielanlage (»seit Xavi wieder Barca-like«), die Offensive (»Pedri ist die Zukunft des spanischen und europäischen Fußballs«), die Defensive (»Piquet und Busquets haben alles gewonnen, was man gewinnen kann«) - doch all das reißt er nur an, denn: »Wir wollen nicht alles Barcelona unterordnen und uns nach ihnen ausrichten.« Man wolle mutig nach vorne spielen. Vielleicht werde man nicht, wie gegen Barcas Ligarivalen Betis Sevilla, fünf, sechs, sieben Chancen bekommen, »vielleicht sind es nur zwei, drei, vier«, aber die wolle man mit Effizienz verwerten.

Die Vorfreude auf die Partie ist immens. »Das wird ein geiler Abend«, orakelt Kapitän Sebastian Rode. »Die Euphorie ist riesig.« Doch natürlich müsse man aufpassen, nicht zu überdrehen oder »dumm und übermotiviert in die Zweikämpfe« zu gehen, wie Rode findet. Coach Glasner hat wenig Bedenken: »Die Pferde sollen nicht durchgehen, aber wir wollen sie laufen lassen.«

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