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Greuels Kampf für Gerechtigkeit

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Wanja Greuel, Fan des 1. FC Kaiserslautern, hat großen Anteil an der Regel-Revolution. © IMAGO

(sid). Der Schmerz dieser »Riesenungerechtigkeit« ließ Wanja Greuel seit dem 6. November 1991 nicht los. Sein geliebter 1. FC Kaiserslautern hatte die Sensation gegen den mit Weltstars gespickten FC Barcelona so dicht vor Augen, der 14-jährige Greuel fieberte auf dem »Betze« mit. Zweite Runde des Landesmeister-Pokals, 90. Minute, die Roten Teufel führten daheim 3:

0, das 0:2 aus dem Hinspiel war wettgemacht - bis Jose Maria Bakero den FCK aus allen Träumen riss. Und ein Junge mit gebrochenem Herzen war sich sicher: Diese Auswärtstorregel musste weg.

Mehr als 30 Jahre nach diesem schmerzvollen Abend ist Greuel Geschäftsführer beim Schweizer Erstligisten Young Boys Bern - und hat großen Anteil daran, dass in dieser Saison erstmals seit 1965 die Auswärtstorregel in K.-o.-Spielen im Europacup nicht mehr zum Tragen kommt. Wenn in dieser Woche die ersten Achtelfinals der Champions League steigen, geistert die Angst vor dem »doppelt« zählenden Auswärtstor nicht mehr durch die Stadien.

»Ich wage zu behaupten, dass ich den entscheidenden Stein mit meinem Antrag ins Rollen gebracht habe«, sagte Greuel im Interview mit SPOX, nachdem die Regel zu Saisonbeginn von der Europäischen Fußball-Union (UEFA) abgeschafft worden war. Nun kommt bei Torgleichheit nach Hin- und Rückspiel in der K.-o.-Phase nicht mehr die Mannschaft weiter, die mehr Treffer auswärts erzielt hat. Stattdessen geht es in die Verlängerung - und falls danach noch keine Entscheidung gefallen ist, ins Elfmeterschießen.

Das Ausscheiden seines FCK sei Greuels »Ursprungserlebnis« beim Kampf gegen die aus seiner Sicht ungerechte Regel gewesen - und als er 2019 in den Vorstand der Europäischen Klubvereinigung ECA gewählt wurde, konnte er sein Herzensthema endlich vorantreiben. Er fand breite Zustimmung und stellte einen Antrag, der schließlich im Club Competition Committee der UEFA landete. Von dort gab es eine Empfehlung ans Exekutivkomitee, das im vergangenen Juni die Regel nach 56 Jahren abschaffte.

Selbst UEFA-Präsident Aleksander Ceferin bekannte, dass die Regel immer mehr »ihrem ursprünglichen Zweck« zuwiderlief, »da sie Heimteams - insbesondere in den Hinspielen - von der Offensive abhält«. Und auch Greuel ist »felsenfest davon überzeugt, dass die Regeländerung den Fußball gerechter und auch attraktiver macht«. Die Auswärtstorregel sei aufgrund des immer geringeren Nachteils durch Reisen »einfach nicht mehr zeitgemäß« gewesen.

Und wenn in dieser Woche Bayern München, Paris St. Germain oder Real Madrid ums Viertelfinale der Königsklasse kämpfen, wird ein Zuschauer in Bern bestimmt besondere Genugtuung empfinden.

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