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Hin- und hergerissen

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Die Routiniers Manuel Neuer (l.) und Thomas Müller sollen laut »kicker« ihre Verträge beim FC Bayern München um ein Jahr verlängern. © IMAGO

Vor seinem Meisterstück in der Bundesliga ist die Stimmung bei Julian Nagelsmann kräftig getrübt. Der Königsklassen-K.o. hängt dem »Ehrgeizling« und dem FC Bayern weiter nach. Zwei Schlüsselpersonalien dürften bald geklärt sein.

Seiner ersten Bierdusche blickt Meister-Novize Julian Nagelsmann ganz gelassen entgegen. »Ich habe mal gelesen, dass eine Bierkur für die Haare ganz gut sein soll. Es ist eine Tradition und Traditionen sollte man pflegen«, sagte der Trainer des FC Bayern vor der angestrebten ersten Titel-Krönung im deutschen Clásico gegen Borussia Dortmund. Auf der Zielgeraden seiner ersten Münchner Saison mit vielen Aufs, aber eben auch zwei kräftigen Abs strahlte Nagelsmann allerdings nur gedämpfte Vorfreude auf seinen Premierentitel in der Fußball-Bundesliga aus.

»Die Mega-Euphoriewelle wird erst entstehen, wenn wir es geschafft haben«, sagte der 34-Jährige, der nach Matthias Sammer vor 20 Jahren beim Triumph mit dem BVB der zweitjüngste Bundesliga-Meistercoach werden kann. »Aktuell trüben die letzten zwei Wochen schon das Stimmungsbild«, stellte Nagelsmann am Donnerstag zerknirscht fest.

Das deprimierende Viertel- final-Aus in der Champions League gegen den FC Villarreal nagt weiter an dem selbst ernannten »Ehrgeizling«. Dazu sorgten auch ausbleibende personelle Nachrichten, wie etwa neue Verträge für Weltfußballer Robert Lewandowski (33), Kapitän Manuel Neuer (36) und Dauermeister Thomas Müller (32), oder die Ankündigung klanghafter Neuzugänge nicht für Stimmungsaufheller. Bei Neuer und Müller rücken die Einigungen aber näher. Im Gespräch ist laut »Kicker« die Verlängerung um ein weiteres Jahr bis 2024. Beide sollen zudem das Signal erhalten haben, auch darüber hinaus beim FCB spielen zu können.

Müller kann sich durch einen Sieg am Samstag gegen den seit Jahren distanzierten Rivalen mit seiner elften Meisterschale zum alleinigen Spieler-Rekordmeister krönen. Bei einem Remis wäre die Entscheidung bei einem Vorsprung von weiter neun Punkten und 27 Toren bei noch drei Spielen nur aufgeschoben.

Wann auch immer das zehnte Liga-Championat am Stück feststeht, wird ausgiebig gefeiert. Nagelsmann, der nach seinem Meistertitel mit der Hoffenheimer A-Jugend im Jahr 2014 »ein paar Tränchen« verdrückte, dürfte dann auch emotional werden.

Acht Clubs wechselten vor dieser Spielzeit den Trainer. Zwar wird in München der Übergang nach der Erfolgsära von Hansi Flick zu Nagelsmann als geglückt bewertet. Doch in der nächsten Saison muss der für eine Rekordablöse von Konkurrent RB Leipzig verpflichtete Nagelsmann in Pokal und Champions League mehr liefern. Hier zogen das krachende Zweitrunden-Aus bei Borussia Mönchengladbach (0:5) und der Champions-League-K.-o. mit Niederlage und Remis gegen Villarreal die Bewertung klar nach unten.

»Natürlich hinterfragt man immer alle möglichen Sachen«, räumte Nagelsmann ein. »Aber ich werde meinen Stil nicht großartig verändern. Ich versuche mich zu entwickeln, aber ihr werdet nächstes Jahr keinen anderen Julian Nagelsmann sehen.«

Zurück in den Kader kehrt gegen den BVB der künftige Dortmunder Niklas Süle nach auskurierter Grippe. Für diesen sei es sicher »ein besonderes Spiel«, sagte Nagelsmann und erwartet vom Nationalspieler eine »normal gute bis sehr gute Leistung«. Auch der Coach will »Vollgas geben, dass es schon am Samstag gelingt.« Und dann wird nach langer Pandemie-Tristesse auch wieder eine rot-weiße Party mit Tausenden Fans vor dem Rathausbalkon stattfinden. »Wenn wir Meister werden, wird sicherlich auch was auf dem Marienplatz stattfinden«, freut sich Nagelsmann.

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