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Intensiver Auftakt

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Taktikschulung: Trainer Hansi Flick (l.) und sein Co Danny Röhl unterbrechen am Dienstag mehrfach die Einheiten, um den Spielern am Flipchart ihre Ideen näherzubringen. © DPA

Der Fußball ist beim Jahresstart der Nationalmannschaft politisch so aufgeladen wie noch nie. Der DFB will seiner Verantwortung gerecht werden. Trainer Hansi Flick schont die Profis auf dem Platz nicht.

Die zwölfjährigen Burschen des Fußballklubs TuS Makkabi Frankfurt müssen von ihrem Trainer ein bisschen zur Ordnung gerufen werden. Zu groß ist die Aufregung am Trainingsplatz der Frankfurter Eintracht, als das die Jungs stillhalten könnten, wenn 18 Nationalspieler zum Aufwärmen an ihnen vorbeilaufen und gestandene Männer wie Manuel Neuer und Kevin Trapp ihnen freundlich zuwinken. Es gibt ein paar spitze Schreie der Begeisterung.

Dass der DFB vor dem Testländerspiel am Samstag in Sinsheim gegen Israel (20.45 Uhr/ZDF) Kinder des jüdischen Frankfurter Vereins zum Training eingeladen hat, demonstriert: Der Verband hat verstanden, dass es hier um mehr als Sieg und Niederlage geht. »Das Erinnern an die eigene Geschichte und das Mahnen sind uns wichtig«, wird DFB-Direktor Oliver Bierhoff nach dem Training bei der Pressekonferenz sagen und sich daran erinnern, wie er vor Jahren mehrere Tage lang mit der U18-Nationalmannschaft in Israel in einem Kibbuz verbracht hat. Israel-Besuche für Juniorenteams sind denn auch eine Tradition, die der DFB konsequent aufrechterhält.

Der Fußball ist im Frühjahr 2022 politisch so aufgeladen wie noch nie. Fürs Wochenende ruft der DFB zum großen Spenden für die Ukraine auf und legt gemeinsam mit den Spielern gleich selbst etwas in den Topf.

Noch nie waren die Ansprüche so hoch

Am Dienstagabend trafen sich die Nationalspieler nicht nur mit dem neuen DFB-Präsidenten Bernd Neuendorf, sondern auch mit Vertretern von Human Rights Watch und Amnesty International, um sich über Technik, Teamgeist und Taktik hinaus auf die im November beginnende WM in Katar vorzubereiten.

Länderspiel gegen Israel, Krieg in der Ukraine, WM in Katar - drei große Themen beschäftigen die Nationalspieler neben ihrem eigentlichen Kerngeschäft, dem Fußballspielen, in dem sie laut Käptn Neuer nicht weniger als den WM-Titel von sich erwarten. Noch nie waren die Ansprüche auf so vielen Ebenen derart hoch. Dem öffentlichen Druck gerade vor dem umstrittenen Turnier im Emirat Katar ist allenthalben keinesfalls mit Schweigen oder genervten Blicken zu begegnen. Manager Oliver Bierhoff spürt offenbar, dass die komplexen Themen vor großen Turnieren nicht mehr an den Präsidenten abgeschoben oder gar ganz ignoriert werden können. Deshalb hat er die Experten für Menschenrechtsorganisationen eigens ins Teamhotel vor die Tore von Frankfurt geladen.

Torwart Neuer betont, das Treffen zur gedanklichen Vorbereitung auf Katar in Fragen der gesellschaftlichen Verantwortung sei ihm »wichtig, denn wir Sportler müssen dann diese Fragen ja auch beantworten können«. Es sei »gut, wenn wir vor dem Turnier besser informiert werden, als es in der Vergangenheit vielleicht der Fall war«. Da schwingt durchaus Kritik mit.

Berechtigte Kritik. Denn vor den gerade aus deutscher Sicht politisch besonders aufgeladenen Turnieren etwa in Polen 2012 oder Russland 2018 blieb die Sportliche Leitung sichtbar unsichtbar. Nur das minimale Pflichtprogramm wurde bewältigt, alles andere sollten die Herren Präsidenten managen. 2022 reicht eine derart defensive Herangehensweise nicht mehr.

Ständige Aktivität strahlt Flick auf dem Platz aus. Das Auftakttraining im zehntägigen Zusammensein bis nach dem zweiten Testspiel am kommenden Dienstag (20.45 Uhr, ARD) in Amsterdam gegen die Niederlande geriet auffällig intensiv. Flick ließ Angriffspressing und konsequent flaches Aufbauspiel von hinten heraus trainieren. Mehrfach wurde das Übungsprogramm von seinem Assistenten Danny Röhl durch taktische Schulungen am Flipchart unterstützt.

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