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Unglückliche Losfee beim Chaos in Nyon. Der frühere russische Nationalspieler Andrej Arschawin zog zunächst Partien, die laut Reglement nicht möglich waren.

3. Liga

Kauczinskis erster Erfolg mit Wehen

Nach schwerwiegenden Pannen muss die Aus- losung der Champions League wiederholt werden. Statt auf Atletico Madrid trifft der FC Bayern nun auf RB Salzburg. In der Europa League gibt es für Dortmund und Leipzig namhafte Gegner.

(dpa/lhe). Der SV Wehen Wiesbaden hat mit dem neuen Trainer Markus Kauczinski den ersten Sieg in der 3. Fußball-Liga gefeiert. Die Hessen gewannen am Montag mit 2:1 (0:0) gegen den Halleschen FC.

Zunächst hatte der Führungstreffer für die Gäste in der 53. Minute durch Michael Eberwein aber den Spielverlauf auf den Kopf gestellt, weil die Hessen agiler und dominanter waren. Für den verdienten Ausgleich sorgte sechs Minute später Gustaf Nilsson aus der Nahdistanz und mit Hilfe des linken Innenpfostens. Mit einem ebenfalls von Nilsson (65.) verwandelten Handelfmeter gelang die 2:1-Führung und damit auch der Endstand.

Die Wiesbadener stehen nach dem Erfolg nun auf dem neunten Platz im Tableau.

Was für eine Farce, was für eine Blamage! Gut eineinhalb Stunden lang hatte sich der FC Bayern auf Atletico Madrid als Gegner im Achtelfinale der Champions League einstellen dürfen - stattdessen trifft er nun auf dem Weg ins Finale am 28. Mai in St. Petersburg auf RB Salzburg. Grund für das Durcheinander: Bei der Auslosung am Montag hatte sich die Europäische Fußball-Union (UEFA) eine peinliche Panne geleistet, die Ziehung musste wiederholt werden.

Gut für die Bayern: Drei Stunden nach der misslungenen Zeremonie zog Glücksfee Andrej Arschawin ein vermeintlich leichteres Los aus dem Topf: Statt zum spanischen Meister geht es über die Autobahn A8 in eineinhalb Stunden Busfahrt zum österreichischen Seriensieger. »Das war keine alltägliche Auslosung«, sagte Vorstandschef Oliver Kahn nach der zweiten Los-Runde und betonte angesichts des neuen Gegners: »Natürlich sind wir Favorit.«

Der erste Patzer am Mittag trat bei der Auslosung der zweiten Partie und des Gegners des FC Villarreal auf. Michael Heselschwerdt, Leiter der Klubwettbewerbe bei der UEFA, legte die Kugel von Manchester United in den Lostopf, obwohl beide Klubs in der Gruppenphase gegeneinander gespielt hatten: Prompt wurde die Mannschaft von Teammanager Ralf Rangnick gezogen. Der Irrtum wurde bemerkt, die Ziehung wiederholt, gezogen wurde nun Manchester City. Unmittelbar darauf der zweite Fehler, und gleich ein doppelter: Bei der Auslosung des Gegners von Atletico Madrid warf Heselschwerdt die Kugel des FC Liverpool mit in den Lostopf, obwohl auch diese beiden Mannschaften in der Vorrunde Gegner gewesen waren. Arschawin zog die Bayern heraus - allerdings war die zuvor fälschlicherweise gezogene Kugel von ManUnited nicht wie erforderlich im Topf.

Auswärtstorregel gibt es nicht mehr

Die UEFA sprach anschließend von einem »technischen Problem mit der Software eines externen Dienstleisters«: Diese Software schreibt den Offiziellen bei der Auslosung vor, welche Mannschaften in die Lostöpfe müssen. Beim zweiten Versuch gab es einen doppelten Check. Salzburg wurde gleich als erster Klub gezogen, dann der deutsche Rekordmeister.

Die Achtelfinalspiele werden am 15./16. und 22./23. Februar (Hinspiele) sowie am 8./9. und 15./16. März (Rückspiele) ausgetragen. Die Münchner, die mit sechs Siegen in sechs Spielen Gruppenerster wurden, spielen zunächst auswärts. »Wir müssen versuchen, die deutsche Fahne ins Finale zu tragen«, sagte Salihamidzic und ergänzte: »Ich finde es schade, dass wir die einzige deutsche Mannschaft sind.«

Borussia Dortmund und RB Leipzig wollen und müssen nach ihrem Scheitern in der Königsklasse dafür in der Europa League für Furore sorgen. Auf dem Weg ins Endspiel am 18. Mai in Sevilla müssen beide allerdings in der Zwischenrunde nachsitzen, dort warten schwere Aufgaben: Dortmund trifft auf die Glasgow Rangers, den schottischen Meister, und Leipzig auf Real Sociedad San Sebastian, einen Toklub aus Spanien. Hin- und Rückspiele finden am 17. und 24. Februar statt. Bayer Leverkusen und Eintracht Frankfurt stehen dagegen bereits im Achtelfinale.

An den ersten Europapokal-Spieltagen im neuen Jahr steht aber die Champions League im Mittelpunkt - zum zunächst ausgelosten Duell zwischen Cristiano Ronaldo und Lionel Messi kommt es dabei aber jetzt nicht. Ronaldo und Rangnick treffen stattdessen mit United auf Atletico, Messi mit Paris St. Germain auf Real Madrid mit Toni Kroos. Kurios: Thomas Tuchel und Titelverteidiger FC Chelsea wurde auch bei der zweiten Ziehung OSC Lille zugelost.

Wer auch immer gegen wen: Alle Mannschaften werden sich auf ein Novum einstellen müssen. Mit Beginn der K.-o.-Runde wird ohne die Auswärtstorregel gespielt. Auswärts erzielte Treffer bringen dann bei einem Gleichstand nach 90 oder 120 Minuten keinen Vorteil mehr.

(sid). Julian Nagelsmann stand mit seiner Mannschaft auf dem Trainingsplatz, als das Chaos bei der Champions- League-Auslosung auch den FC Bayern erreichte. Kurz zuvor hatte der Trainer noch von seiner Vorfreude auf einen Achtelfinal-Kracher gegen Atletico Madrid berichtet - aber eigentlich, meinte er, sei die Königsklasse aktuell gar nicht in seinem Kopf.

Das brisante Impf-Interview des bekehrten Joshua Kimmich, die akuten personellen Probleme im Mittelfeld, die letzten beiden Gegner zum Jahresausklang: Für Nagelsmann gab und gibt es genügend andere wichtige Themen. Der nächste Kontrahent in der Königsklasse - im zweiten Anlauf wurde es schließlich RB Salzburg - im Februar und März auf dem Weg ins Finale am 28. Mai in St. Petersburg gehört (noch) nicht dazu. Ebenso wenig der kurze Weihnachtsurlaub, »da würde es automatisch zu Spannungsabfall kommen - und das widerstrebt mir gänzlich«, betonte Nagelsmann. Er freue sich vielmehr auf den Schlussspurt in der Bundesliga mit den Spielen beim VfB Stuttgart am Dienstag (18.30 Uhr/Sky) und gegen den VfL Wolfsburg am Freitag.

Kimmich wird dann noch fehlen. Aufgrund seiner viel beachteten Ankündigung, sich so schnell wie möglich impfen zu lassen, sagte Sportvorstand Hasan Salihamidzic aber sichtlich erleichtert: »Wir haben diese Corona-Thematik jetzt so gut wie durch.« Auch Nagelsmann meinte: »Wenn wir ins neue Jahr gehen, hoffe ich generell, dass wir dieses Pandemie-Thema kürzer behandeln dürfen.«

Kimmichs Auftritt im ZDF fand er »grundsätzlich gut«. Er begrüße, »dass er sich gestellt und gesprochen, seine Situation geschildert und auch ein bisschen ausgeholt hat, über seine Gefühle und Gedanken, das finde ich wertvoll«, sagte der Coach. Kimmich habe »das Heft des Handelns in die Hand genommen«. Auf dem Platz kann er dies nach seiner Corona-Erkrankung erst im Januar wieder tun, Nagelsmann hat deshalb größere Personalsorgen im Mittelfeld. Dort wackeln auch Jamal Musiala, der sich die Mittelhand gebrochen hat, und die blessierten Leon Goretzka (Knie) sowie Corentin Tolisso (Oberschenkel). Der länger veltezte Marcel Sabitzer könnte als Alternative wieder bereitstehen. »Wir sind in der Endphase einer kräftezehrenden Hinrunde«, sagte Nagelsmann, fügte aber mit Blick auf Stuttgart selbstsicher an: »Es liegt viel an uns, wie das Spiel verläuft, wie dominant wir auftreten.« Das Duell mit seinem einstigen Co-Trainer Pellegrino Matarazzo sei allerdings »unglaublich schwer vorzubereiten«, weil sich der VfB-Coach »immer etwas Spezielles« einfallen lasse.

Ein Punkt ist rechnerisch noch nötig zur 25. Herbstmeisterschaft. Aber, sagte Salihamidzic, »wir wollen unseren Vorsprung ausbauen«. Auch er lobte Gegner Stuttgart, betonte aber ganz grundsätzlich: »Wir haben vor jedem Re-spekt, aber Angst haben wir vor keinem.«

Bayerns Jamal Musiala (hier im Duell mit dem Mainzer Leandro Barreiro/r.) hat sich die Mittelhand gebrochen. Sein Einsatz in Stuttgart ist fraglich.

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