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Klopp kontra Tuchel

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Treffen im Ligapokal-Finale wieder aufeinander: Jürgen Klopp und Thomas Tuchel (vorn). © IMAGO

(dpa). Vor dem Titel-Duell im Londoner Wembley-Stadion blickte Jürgen Klopp noch einmal in die Mainzer Vergangenheit. »Thomas war ein unglaubliches Talent, er hat mit dem Nachwuchs einen tollen Job gemacht«, erzählte Klopp in einem Sky-Interview und geriet regelrecht ins Schwärmen über seinen Kollegen Thomas Tuchel. »Dann hat er die erste Mannschaft übernommen, der Rest ist Geschichte, sein Weg ist außergewöhnlich«, sagte der Coach des FC Liverpool über den Coach des FC Chelsea.

Das Duell der deutschen Trainer, die beide erst beim FSV Mainz 05 und dann bei Borussia Dortmund gearbeitet haben, bestimmt vor dem Finale des Ligapokals die britischen Schlagzeilen.

Denn Klopp und Tuchel sind - zusammen mit Manchester Citys Pep Guardiola - die größten Trainerstars auf der Insel. Deutsche Übungsleiter genießen in England längst einen hervorragenden Ruf. In Ralf Rangnick bei Manchester United hat noch ein dritter Deutscher das Sagen bei einem englischen Fußballgiganten. Zuvor sorgten unter anderen David Wagner mit den Außenseiter Huddersfield Town und Daniel Farke durch zwei Aufstiege mit Norwich City für Aufsehen.

Klopp gab sich nach dem furiosen 6:0-Sieg gegen Leeds United zurückhaltend. Und das, obwohl seine Reds seit Mittwoch wieder in Schlagdistanz zu Tabellenführer Manchester City sind. »Ganz ehrlich, wir jagen City nicht«, sagte Klopp. »Wir versuchen, Fußballspiele zu gewinnen.« Das gelingt momentan gut. Der Kantersieg gegen Leeds war der neunte Pflichtspielsieg in Folge für Liverpool. Mit dem zehnten könnte Klopp am Sonntag (17.30 Uhr/DAZN) den ersten Titel der Saison holen.

Nach einer holprigen Anfangsphase mit drei verlorenen Endspielen hat Klopp in Liverpool längst Legendenstatus erreicht. Seit seinem Amtsantritt im Oktober 2015 machte er aus dem Traditionsverein wieder einen Weltklasseclub. Durch den Gewinn der Champions League 2019 und - noch wichtiger - die erste Meisterschaft seit 30 Jahren in der Saison darauf wird der 54-Jährige an der Anfield Road verehrt. Der eher unbedeutende Ligapokal fehlt ihm noch, genauso wie der renommierte FA Cup, wo es demnächst gegen Norwich City geht.

Bei Tuchel ging es schneller. Er ist bei Chelsea zwar erst 13 Monate im Amt, gewann mit den Londonern aber gleich in seiner ersten Saison die Champions League, holte den UEFA Super Cup und nun auch die Club-Weltmeisterschaft. Dieser Titel fehlte den Blues bis dato auf dem Briefkopf.

In der Liga trennten sich die beiden Teams zweimal unentschieden (2:2 in Anfield, 1:1 an der Stamford Bridge). Die Voraussetzungen vor dem Ligapokal-Finale sind jedoch anders. Während die Reds derzeit in Bestform auftreten und sich mit Luis Diaz im Angriff sogar noch verstärkt haben, fehlte Chelsea in den vergangenen Wochen die Konstanz. Auf den - hart erkämpften - Erfolg bei der Club-WM folgte ein eher mühevoller Auftritt in der Liga gegen Crystal Pa- lace.

Entsprechend geht Liverpool als leichter Favorit in die Partie im Wembley-Stadion. Im Gegensatz zum Klopp-Club, wo augenscheinlich derzeit alles harmonisch zugeht, knistert es bei Chelsea ein wenig hinter den Kulissen. Tuchels Verhältnis zu Rekordeinkauf Romelu Lukaku gilt seit einiger Zeit als angespannt. Beim 2:0-Champions-League-Sieg gegen Lille blieb der belgische Stürmer, der mit Tuchels Taktik fremdelt, auf der Bank. Stattdessen überzeugte Nationalspieler Kai Havertz auf seiner Position und traf zur Führung. Wohl auch ein Fingerzeig in Richtung Ligapokal.

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