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Kompletter Medaillensatz

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Leonie Walter und ihr Guide Pirmin Strecker jubeln nach dem Zieleinlauf im Rennen über 10 Kilometer über die Goldmedaille. © DPA

Biathletin Leonie Walter krönt sensationell einen Traumtag für Deutschland. Martin Fleig und Anja Wicker komplettieren den Medaillensatz.

Nach ihrem famosen Gold-Coup warf Guide Pirmin Strecker die bis dahin noch so coole Leonie Walter in die Luft, erst beim spontanen Telefonat mit ihrer Mutter spielten dann alle Gefühle verrückt. Die 18-Jährige sorgte mit ihrer Sensation im Biathlon für die Krönung eines Traumtages für das Team D Paralympics - im glitzernden Frühlingsschnee von Zhangjiakou gab es zur Halbzeit der Spiele erneut einen kompletten Medaillensatz.

»Man kann mit der Sonne um die Wette strahlen«, schwärmte Friedhelm Julius Beucher. Die völlig überraschende Ausbeute gehe »über alle Erwartungen hinaus«, sagte der Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS): »Es ist einfach wunderschön.« Vor Walters Triumph waren schon die Routiniers Martin Fleig und Anja Wicker mit Silber und Bronze auf das Podium geklettert.

Mit einem tadellosen Schießen und einer beherzten Laufleistung stürmte Walter in einem Herzschlagfinale der Sehbehinderten-Klasse über 10 km zu ihrer ersten Goldmedaille. Angefeuert von der deutschen Delegation, rettete die Schülerin ihren hauchzarten Vorsprung auf der Zielgeraden vor der aufholenden Oxana Schischkowa ins Ziel - nur 3,7 Sekunden lagen letztlich zwischen Walter und der Ukrainerin.

»Ich lag im Ziel, hab gewartet und wusste nicht, ob es gereicht hat«, sagte Walter im ZDF: »Irgendwann sind alle aufgesprungen, dann war mir klar: Okay, ich hab’s.« Ähnlich zurückhaltend war sie auch nach ihren überraschenden dritten Plätzen im Sprint und auf der ungeliebten klassischen Langdistanz im Skilanglauf gewesen.

Doch nach ihrem vorläufigen Höhepunkt wurde Walter emotional. Im Interview mit der »Sportschau« hatte die Freiburgerin urplötzlich ihre Mutter am Hörer. »Unglaublich. Herzlichen Glückwunsch, wir haben geweint«, rief ihr ihre Mama zu. Von den Gefühlen übermannt, bekam Walter kein Wort zusammen - und strahlte einfach über beide Backen.

Nur wenige Stunden zuvor hatten Anja Wicker und Martin Fleig in den sitzenden Klassen innerhalb von 25 Minuten für einen Start nach Maß für das deutsche Team gesorgt. Fleig lief angetrieben von den Gedanken an seine mitfiebernde Ehefrau mit einer furiosen Energieleistung auf den zweiten Platz. Völlig aufgelöst küsste der 32-Jährige im Ziel das Tattoo auf seinem Handgelenk, den Coup widmete er seiner Stefanie, die mit ihrem Anfangsbuchstaben auf seiner Haut verewigt ist. »Die Medaille gehört zur Hälfte meiner Frau zu Hause«, sagte Fleig: »Auf der letzten Runde ist mir die Puste ausgegangen, dann habe ich einfach nur an sie gedacht.« Nach zwei Schießfehlern gleich im ersten Anschlag musste sich Fleig nur dem Chinesen Liu Mengtao geschlagen geben - 47,9 Sekunden fehlten zum Sieg.

Die 30 Jahre alte Wicker trotzte fünf (!) Schießfehlern und flog dank einer herausragenden Laufleistung noch aufs Podest. Nach Gold und Silber in Sotschi 2014 holte die Weltmeisterin nun auch erstmals die Bronzemedaille. »Es ist sehr erleichternd. Ich hatte mir im Vorfeld schon erhofft, dass es fürs Podest reicht - gerade nach der guten WM«, sagte Wicker, die 2:33,0 Minuten hinter der siegreichen US-Amerikanerin Kendall Gretsch lag: »Ich habe ab dem ersten Meter gemerkt, dass es ist, wie es sein soll. Dann macht es gleich mehr Spaß und dann war die Hoffnung sofort da.« Die ist nach der überraschend guten ersten Halbzeit sicher beim gesamten Team D für den Endspurt da.

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